KI-Beschleuniger aus Europa: Nvidia-Rivale Axelera hat Partnerbasis vervierfacht
Das Partnerwachstum spiegelt "die steigende Nachfrage in Industrie, Handel, Gesundheitswesen, Sicherheit und weiteren Märkten" wider, sagt Axelera-CMO Alexis Crowell im Exklusivinterview mit CRN. Besonders intensive Partneraktivitäten sieht der Chipdesigner aus den Niederlanden außerhalb der USA.
Während Nvidia sein KI-Infrastruktur-Imperium immer weiter ausbaut, wächst das Interesse der Partner an Alternativen zum US-Riesen. Sie informieren sich über Chipdesign-Anbieter, die aus dem Mittelstand kommen, die ihren Fokus über Edge-KI hinaus auf Enterprise-Rechenzentren erweitert. Sie führen Gespräche, einige unterhalten sogar schon Geschäftsbeziehungen zu solchen Herstellern.
Ein solches Unternehmen ist die niederländische Axelera AI, ein Startup mit mehreren Hundert Beschäftigten. Nach eigenen Angaben hat Axelera seine Partnerbasis seit dem Start des globalen Partnerprogramms Partner Accelerator Network im Juni vergangenen Jahres auf mehr als 60 Partner mehr als vervierfacht. [Schon damals stand Axelera auf der Watchlist unseres US-Kollegen und Halbleiterexperten Dylan Martin, CRN Deutschland]. Die Expansion über den Channel soll die Nachfrage nach den energieeffizienten KI-Beschleunigerchips des Unternehmens steigern.
Zu den neuen Partnern zählen beispielsweise die Nahost-Sparte des Beratungs- und Wirtschaftsprüfungskonzerns PwC, der spanische Cloud-Infrastruktur-Softwareanbieter OpenNebula und der in Frederick im US-Bundesstaat Maryland ansässige Computer-Vision-ISV Ultralytics. Die drei Unternehmen stehen exemplarisch für die unterschiedlichen Partnertypen im Programm von Axelera AI.
Sharang Gupta, Partner bei PwC Middle East, sagt, sein Unternehmen prüfe Axelera-basierte Lösungen, um KI "zuverlässig, verantwortungsvoll und in großem Maßstab einzusetzen". Auf diese Weise solle für Kunden in der Region "schnellere und intelligentere Entscheidungsfindung" ermöglicht werden.
"Unsere Zusammenarbeit mit Axelera verbindet fortschrittliche Edge-KI-Fähigkeiten, Branchenexpertise und Transformationskompetenz, um Unternehmen dabei zu helfen, KI-Investitionen mit konkreten operativen Ergebnissen zu verknüpfen und größeren Mehrwert aus intelligenten, vernetzten Abläufen zu erschließen", sagt er in einer Erklärung.
Axelera sieht "enorme Akzeptanz" über den Channel außerhalb der USA
Angesichts eines Partnerwachstums, das laut Axelera-CMO Alexis Crowell "die steigende Nachfrage in Industrie, Handel, Gesundheitswesen, Sicherheit und weiteren Märkten" widerspiegelt, sagt die Managerin im Exklusivinterview mit CRN, dass das Unternehmen die intensivste Partnerbindung außerhalb der USA sehen würde. In den USA stellten Partner meist Kontakte zu Kunden her, statt Deals selbst zu führen.
Dennoch sei die Partneraktivität in den USA "bedeutend", so Crowell. "Es kann weiterhin sein, dass wir einen Teil der Kundenbeziehungen durch direkte Ansprache übernehmen. Unsere Partner aber erledigen diese Aufgabe in einer Weise, wie wir sie selbst möglicherweise so schnell nicht leisten können", sagt sie.
Die Managerin wechselte vor knapp zwei Jahren zu Axelera. Davor war Alexis Crowell fast 20 Jahre für Intel tätig, zuletzt als VP und CTO "Technology Solutions, Software & Services" in der Region Asien/Pazifik.
Vorbildlicher Channel in Europa
In anderen Ländern sei die Akzeptanz der Kundenbeziehungen über den Channel "enorm", so die Managerin. "Wir sehen einen wachsenden Anteil über diesen Vertriebsweg". In Europa zeigten Axeleras Partner laut Crowell "mehr Eigenständigkeit" in der Arbeit mit Kunden und würden "die Dinge selbst vorantreiben, was großartig ist". Als europäisches Unternehmen habe Axelera hier "eine etwas bessere Ausgangsbasis in puncto Bekanntheit". Man sehe in Europa "normes Wachstum".
Crowell hofft, diese Art der Zusammenarbeit mit Partnern auch in anderen Regionen zu wiederholen. "Wenn sie sich engagieren und loslegen können und über eine eigene Kundenliste verfügen, wollen wir dem Geschäft, das sie vorantreiben, nicht im Weg stehen", sagt sie. "Wir wollen ihr Geschäft ermöglichen. Das ist eine grundlegende Prämisse und ein Ziel, auf dem unsere Partnerprogramm aufgebaut ist."
Rechenzentren und Physical AI treiben die Dynamik in Europa an
Ein Wachstumstreiber für Axelera in Europa sind laut Crowell Enterprise-Rechenzentren, die Axeleras KI-Chips nutzen, um im Rahmen des europäischen Vorstoßes in Richtung souveräner KI sogenannte KI-Fabriken zu betreiben. Lieferengpässe anderer Anbieter in Europa seien zwar ein Faktor gewesen, weshalb Kunden sich für Axeleras Chips entschieden hätten, beteuert die Managerin. Das Interesse werde aber auch durch die höhere Energieeffizienz und die günstigeren Preise der Produkte getrieben.
Axelera verzeichnet zudem Zugkraft im wachsenden Markt für physische KI-Anwendungen. Dazu zählt laut Crowell eine neue Partnerschaft mit DoD Solution, einem ukrainischen Verteidigungsunternehmen, das mit Axeleras Chips On-Board-Computing-Plattformen für Drohnen entwickelt.
"Was wir im einstelligen Wattbereich [Energieverbrauch] leisten können, erfordert bei anderen Anbietern entweder mehrere Karten oder die Chips der Wettbewerber verbrauchen mehr Strom und passt dann physisch nicht in diese Geräte mit kleinerem Formfaktor", fügt sie hinzu.
In Indien sieht ein Partner große Chancen für den Channel
In Indien ist WGTech, ein in Bangalore ansässiger Anbieter von Computer-Vision-Lösungen mit 55 Beschäftigten, ein Channel-Partner, der auf Axeleras Siliziumplattform statt auf Nvidia und andere Wettbewerber setzt, um sein Geschäft aufzubauen.
Kannan Srinivasagam, Gründer und CEO von WGTech, sagt gegenüber CRN, er hoffe, auf dem Erfolg aufzubauen, den sein Unternehmen mit Axelera erzielt habe. Sein Unternehmen hat komplette Lösungen aus Hardware und Software für Anwendungsfälle wie die Fehlererkennung in der Fertigung entwickelt. Nun hofft Srinivasagam in die USA zu expandieren.
Ein großer Vorteil der Partnerschaft mit Axelera sei für ihn der Zugang zu den Compiler-Experten und Field Application Engineers des Startups. "Aufgrund der ersten Erfolge hilft dies meiner Ansicht nach auch dabei, die künftige Zusammenarbeit voranzutreiben und neue Chancen sowie neue Anwendungsfälle zu erschließen", sagt er.
Er habe sich letztlich für Axelera statt Nvidia entschieden, weil das Startup eine bessere Produktverfügbarkeit biete und die Energieeffizienzvorteile seiner Chips gut zu den heißen Umgebungen der Fertigungsunternehmen passte, mit denen WGTech zusammenarbeitet.
Während WGTech bereits mit Chips auf Basis von Axeleras erster Metis-Chiparchitektur Nachfrage verzeichnet habe, setzt Srinivasagam höhere Erwartungen in die nächste Generation der sogenannten Europaarchitektur der Chips (CRN USA berichtete), die einen deutlichen Leistungsschub bringen soll. "Mit Europa erwarte ich, dass es noch weitergeht", so Manager Srinivasagam.
Partnerressourcen sollen "programmatisch" werden
Axelera habe die Leistungen seines Partnerprogramms seit der Einführung zwar verbessert, wie Cowell beteuert. Dennoch habe das Startup "noch viel Arbeit vor sich", insbesondere wenn es darum gehe, Abläufe stärker zu standardisieren und effizienter aufzusetzen.
"Ich möchte zu einem programmatischen Ansatz beim Co-Marketing kommen, damit Kunden ihre Leitlinien kennen, wissen, was sie tun können, und verstehen, wie sie dies aufbauen können – und ebenso beim Co-Selling und dessen Ausgestaltung", beschreibt sie die Herausforderungen. Das Startup arbeitet außerdem daran, sein Trainingsprogramm online für Partner verfügbar zu machen und damit über die bislang abgehaltenen Präsenzschulungen hinauszugehen.
Auch wenn Axelera seine Partnerzahl binnen eines Jahres mehr als vervierfacht hat, ist Crowell daran interessiert, die Reichweite des Startups mit weiteren Partnern auszubauen – allerdings nur, wenn die Partnerschaften für beide Seiten vorteilhaft sind. "Unternehmen, mit denen wir wirklich gemeinsam Geschäft aufbauen können, sind jene, mit denen wir unbedingt weiter expandieren wollen", sagt sie.
Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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