Nutzungsbasierte Abrechnung für Copilot: Microsoft verschiebt Einführung und nennt neue Details
Microsoft hat weitere für Partner wichtige Details zur geplanten Umstellung auf standardmäßige nutzungsbasierte Abrechnung (UBB) für Copilot bekanntgegeben. Dabei geht es etwa um die künftig verpflichtende Bündelung mit Azure-Abos, den Umgang mit Bestands-Abos übernommener Kunden und Informationen zu Credits, Administration und Abrechnung. Zugleich wird die Einführung in den USA um einen Monat verschoben.
Eigentlich wollte Microsoft zum 2. November in "unterstützten Märkten", allen voran den USA, damit beginnen, die nutzungsbasierte Abrechnung bei neuen Microsoft-365-Copilot-Business-Abonnements, die über das Cloud-Solution-Provider-Programm (CSP) erworben werden, standardmäßig zu aktivieren. Nicht zuletzt wohl auf Druck der Partner hat der Konzern diesen Plan für den Wechsel auf das Usage-Based Billing (UBB) jetzt allerdings noch einmal überarbeitet und den Start in den Ländern der ersten Welle des geografisch gestaffelten Einführungsplans auf den 1. Dezember verschoben.
Welche Märkte außerhalb Nordamerikas davon betroffen sind, nannte der Hersteller nicht. Deutschland gehört jedoch nicht dazu, ebenso wie Australien, Belgien, Brasilien, Frankreich, Indien, Italien, Korea, die Niederlande, Polen und Spanien. "Wir werden weitere Informationen veröffentlichen, sobald die Verfügbarkeit auf diese Märkte ausgeweitet wird", erklärte Microsoft.
Um diesen Aufschub nutzen zu können, stellt Microsoft den Partnern damit einhergehend zusätzliche Informationen und Ressourcen zur Vorbereitung auf das neue Standard-Abrechnungsmodell und die damit verbundenen Modalitäten und Veränderungen zur Verfügung. So will das Unternehmen zum ursprünglichen Starttermin nun Sandbox-Umgebungen im Partner-Center bereitstellen, damit Lösungsanbieter und andere Mitglieder seines 500.000 Partner umfassenden Ökosystems sich technisch vorbereiten und UBB testen können.
Im Hinblick auf die Credits teilte Microsoft mit, dass Copilot-Business-Lizenzen ein anpassbares, standardmäßig auf 4.000 Copilot Credits pro Nutzer und Monat festgelegtes Ausgabenlimit erhalten sollen. Zudem veröffentlichte der Konzern weitere Erläuterungen für die Partner, wie Copilot Credits bei verschiedenen Microsoft-Produkten und -Diensten funktionieren.
Wichtige Änderungen für die Partner gibt es zudem hinsichtlich des Angebots "Copilot in 30" zum Test von Copilot-Business-Lizenzen, das künftig nur noch für Neukunden genutzt werden kann.
CRN hat Microsoft um eine Stellungnahme gebeten.
Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Punkte und Änderungen rund um die nutzungsbasierte Abrechnung zusammen:
UBB: Schock oder Chance?
Chris Regan, Managing Partner beim amerikanischen Microsoft-Lösungsanbieter B&R Business Solutions, hatte bereits vor Microsofts Ankündigung gegenüber CRN verlautbart, dass der anfängliche Schock über verbrauchsabhängig abgerechnete KI-Tools von Microsoft nachgelassen habe, seit Microsoft Copilot Cowork im Juni allgemein verfügbar wurde. Immer mehr Microsoft-Kunden fragten Cowork nach. B&R verzeichne deshalb mehr Geschäft mit der Schulung von Kunden zu Cowork und zur Funktionsweise der verbrauchsabhängigen Preisgestaltung. "Für uns ist das definitiv eine neue Einnahmequelle", erläuterte Regan.
Die Entscheidung, die nutzungsbasierte Abrechnung für bestimmte Copilot-Lizenzen standardmäßig zu aktivieren, entspricht öffentlichen Prognosen von Microsoft-Führungskräften, darunter CEO und Chairman Satya Nadella. Sie erwarten für Copilot und andere KI-Tools allgemein ein hybrides Preismodell aus Lizenz- und Verbrauchskosten, bei dem Nutzer über die Lizenz bereits ein bestimmtes Rechenkontingent erhalten, bevor die verbrauchsabhängige Abrechnung beginnt. Im Fall von Copilot kosten die Business-Tarife in den USA zwischen 18 und 32 US-Dollar pro Nutzer und Monat. Für eine weitergehende KI-Nutzung berechnet Microsoft dann zusätzliche verbrauchsabhängige Gebühren – ähnlich wie das von der Preisgestaltung von Cloud-Anbietern bekannt ist.
Der Hersteller empfiehlt seinen Partnern, den Aufschub auch dazu nutzen, Kunden den Nutzen solcher verbrauchsabhängigen Angebote wie Cowork in Copilot zu erläutern. Bei den Systemhäusern, Dienstleistern und anderen Partnern selbst soll die standardmäßige Aktivierung des UBB insbesondere den Aufwand für mehrstufige Abrechnungskonfigurationen senken und ihnen mehr Zeit und Möglichkeiten geben, fortgeschrittene Copilot- und KI-Anwendungsfälle umzusetzen.
Microsoft verschiebt die UBB-Einführung
Ein von Microsoft am Mittwoch aktualisiertes FAQ-Dokument erläutert, dass UBB nach Herstellerangaben unter anderem für Käufe von Microsoft 365 Copilot Business, Microsoft 365 Business Premium mit Copilot, Microsoft 365 Business Standard mit Copilot, Microsoft 365 Business Basic plus Microsoft 365 Copilot Business sowie weitere "B"-Varianten von Copilot gelten wird.
Partner und Kunden, die neue Copilot-Business-Abonnements erwerben, zusätzliche Copilot-Business-Arbeitsplätze zu einem bestehenden Abonnement hinzufügen oder auf Copilot-Business-Lizenzen upgraden, fallen ab dem 1. Dezember unter die standardmäßig aktivierte nutzungsbasierte Abrechnung. Auch bei Partnern, die nach dem Starttermin ein neues Copilot-Business-Abonnement vom bisherigen Lösungsanbieter eines Kunden übernehmen, ist UBB standardmäßig aktiviert.
Zu den allgemein verfügbaren Produkten und Funktionen mit nutzungsbasierter Abrechnung zählen Copilot Cowork, Work IQ APIs und GitHub Copilot Harness. Auch Copilot in SharePoint und andere langfristig laufende agentische KI-Funktionen werden berücksichtigt. Einige eingeschränkt verfügbare Produkte aus Frontier Early Access und anderen Programmen nutzen ebenfalls die verbrauchsabhängige Abrechnung. Dazu gehören Code und Autopilot, das zuvor Scout hieß.
Wie sich das auf Azure-Abonnements und die Abrechnung auswirkt, lesen Sie auf der nächsten Seite.
Nutzungsbasierter Copilot: Änderungen bei Abrechnung und Azure
Automatische Azure-Abonnements
Das Dokument erläutert außerdem, wie sich Copilot-Business-Lizenzen auf Nutzer mit bestehenden Abonnements des Microsoft-Cloud-Dienstes Azure sowie auf Kunden ohne Azure-Abonnement auswirken.
Nach Angaben des Herstellers werden Azure-Abonnements künftig standardmäßig eingerichtet, sobald eine Copilot-Business-Lizenz erworben wird. Bislang mussten Partner und Kunden ein Azure-Abonnement nur dann einrichten, wenn sie die nutzungsbasierte Abrechnung für Copilot-Produkte aktivieren wollten.
Verfügte der Kunde zuvor weder über ein Azure-Abonnement noch über einen Ausgabenplan, erhält er beim Kauf der Copilot-Business-Lizenz einen Azure-Plan, ein Azure-Abonnement, eine Ressourcengruppe und eine standardmäßige nutzungsbasierte Ausgabenrichtlinie, die die jeweiligen Beschränkungen festlegt. Bei Kunden mit bestehenden Azure-Abonnements können Partner die Abrechnung einem vorhandenen Abonnement zuordnen. Wird kein bestehendes Abonnement ausgewählt, wird ein neues erstellt. Welches Abonnement die verbrauchsabhängigen Gebühren erfasst, lässt sich später durch Änderungen an der Ausgabenrichtlinie anpassen.
Partner können anhand der Eigenschaften nicht erkennen, ob ein Abonnement automatisch oder manuell erstellt wurde. Dem Abonnement ist jedoch der zugehörige Ausgabenplan zugeordnet. Über die API können Partner das Azure-Abonnement, die Ressourcengruppe und weitere Details des Ausgabenplans abrufen. CSP-Partner können für einen einzelnen Kunden unterschiedliche Azure-Pläne führen, was laut Microsoft jedoch selten vorkommt. Distributoren können mehrere Reseller haben, die verschiedene Abonnements eines Kunden verwalten. In diesen Fällen können Distributoren die Ausgabenrichtlinie unter dem jeweils ausgewählten Reseller anlegen.
Credits: Microsoft setzt Standard-Limit bei 4.000 an
Zusammen mit der Verschiebung gab Microsoft bekannt, dass für M365-Copilot-Business-Lizenzen standardmäßig eine Abrechnungsobergrenze von 4.000 Copilot Credits – rund 40 US-Dollar – pro Nutzer und Monat gelten wird. Partner können das Ausgabenlimit auf null setzen und damit die nutzungsbasierte Abrechnung deaktivieren.
Als Beispiel nennt Microsoft, dass 4.000 Copilot Credits einem Nutzer pro Monat vier wöchentliche Cowork-Sitzungen zur Vorbereitung und Nachbereitung von Kundenterminen, vier wöchentliche Sitzungen zur Priorisierung des Posteingangs, vier wöchentliche Prüfungen von Commitments und Pipeline-Risiken, zwei Antworten auf Ausschreibungen einschließlich Compliance-Matrizen sowie die Erstellung eines gebrandeten Kunden-Pitchdecks ermöglichen würden. Laut Microsoft reichen diese Credits außerdem aus, damit Cowork zweimal pro Jahr Unterlagen für die Vertretung während bezahlter Abwesenheiten erstellt.
Microsoft bietet Lösungsanbietern bislang keine zentrale Konfiguration, mit der sie UBB kundenübergreifend statt Mandant für Mandant deaktivieren können. Partner können die Skalierung jedoch über API-Unterstützung für Kaufvorgänge und die Verwaltung von Ausgabenrichtlinien automatisieren.
Lösungsanbieter können die Obergrenze ändern. Nach Angaben von Microsoft können Partner außerdem festlegen, wer nutzungsbasierte Copilot-Dienste verwenden darf, auf welche Dienste zugegriffen werden kann, wie hoch die Ausgaben sein dürfen und aus welcher Abrechnungsmethode die Nutzung bezahlt wird.
Abrechnung: APIs und Verantwortung
Die Abrechnung erfolgt nach dem Pay-as-you-go-Prinzip, sodass Kunden laut Microsoft nur für die tatsächliche Nutzung bezahlen. Als Beispiel nennt der Hersteller einen Kunden mit 100 Copilot-Business-Nutzern: Unter dem standardmäßigen Ausgabenlimit könnten diese zusammen bis zu 400.000 Copilot Credits pro Monat verbrauchen, wobei nur die tatsächliche Nutzung berechnet wird.
Nutzer werden benachrichtigt, sobald sie ihr Limit erreichen, und können direkt über die Benutzeroberfläche ein höheres Kontingent beantragen. Administratoren können den Antrag anschließend unter Kosten-, Richtlinien- und Compliance-Aspekten prüfen und genehmigen. Die Nutzer erhalten die Genehmigung per E-Mail und innerhalb der Anwendung.
Partner müssen mit API-Änderungen rechnen und bleiben finanziell verantwortlich
Lösungsanbieter müssen die für Käufe verwendeten Application Programming Interfaces (APIs) nicht ändern. Für Katalog-APIs erhalten Partner eine neue Eigenschaft, über die sie erkennen können, ob bei einem Copilot-Produkt die nutzungsbasierte Abrechnung aktiviert ist.
Partner erhalten außerdem eine neue API, um die beim Kauf angelegten Eigenschaften der Ausgabenrichtlinie zu aktivieren und zu bearbeiten. Nach Angaben von Microsoft können Partner beim Kauf optional Angaben zu den Azure-Ressourcen und zur Zuordnung der Abonnements übermitteln, über die die verbrauchsabhängigen Gebühren erfasst werden.
Partner, die mehrere Monate für die Umsetzung der API-Änderungen benötigen, werden nicht von Käufen ausgeschlossen. Nach einem Kauf können sie Ausgabenrichtlinien über das Partner-Center-Portal aktualisieren. Transaktionen über das Partner Center reichen nur Direct-Bill-Lösungsanbieter und Distributoren ein, nicht jedoch Reseller, die über Distributoren arbeiten.
Verbrauchsabhängige Gebühren werden weiterhin über die Rechnungen des CSP abgerechnet. Der transaktionsführende Partner, der die Rechnung erhält, trägt letztlich die Verantwortung für sämtliche Gebühren unter dem jeweiligen CSP-Konto – auch für unerwarteten Verbrauch. Für fehlerhafte Zuordnungen von Abonnements und andere Abrechnungsstreitigkeiten stehen Partnern Eskalationsverfahren zur Verfügung.
IT-Administratoren können Cowork und nutzungsbasierte Produkte außerdem deaktivieren, damit Endnutzer sie nicht angeboten bekommen. Administratoren können die Copilot Credits und die nutzungsbasierte Abrechnung im Microsoft 365 Admin Center ausgeschaltet lassen. Zudem können Administratoren darauf verzichten, Ausgabenrichtlinien für UBB-Funktionen anzulegen, und regelmäßig im Bereich Cost Management des Admin Centers prüfen, ob UBB-Dienste deaktiviert sind.
Änderungen am Testangebot "Copilot in 30"
Am Mittwoch aktualisierte Microsoft ein Dokument zu seiner Testoption "Copilot in 30". Demnach sind nur noch Kunden teilnahmeberechtigt, die M365 Copilot erstmals nutzen. Das Angebot umfasst einen 30-tägigen Copilot-Zugang für 25 Nutzer und soll es Lösungsanbietern ermöglichen, Kunden gezielte Copilot-Szenarien, Unterstützung bei der Einführung, messbare Nutzungsergebnisse und weitere Aspekte zu demonstrieren.
Microsoft ergänzte in den Unterlagen, dass "Kunden mit bestehenden Copilot-Arbeitsplätzen nicht für Copilot in 30 teilnahmeberechtigt sind". In der von CRN geprüften Fassung des Dokuments vom 23. September waren Copilot-Business-Testversionen noch "für berechtigte KMU-Kunden mit mindestens 50 Arbeitsplätzen in Abonnements von Microsoft 365 Business Basic, Business Standard oder Business Premium" vorgesehen.
In der alten Fassung hieß es, dass "Partner zwar nicht zwingend, aber vorrangig Kunden ansprechen sollten, die Microsoft 365 Copilot noch nicht nutzen, damit der Test den geschäftlichen Nutzen klar aufzeigen und die Planung einer späteren Umstellung unterstützen kann". Dort stand außerdem, dass "Partner Kunden, die Microsoft 365 Copilot noch nicht nutzen, priorisieren sollten, weil diese am ehesten von einem strukturierten Evaluierungszeitraum, gezielter Unterstützung und einer klaren Messung des geschäftlichen Nutzens profitieren dürften". Zugleich hieß es, dass "sowohl neue als auch bestehende Kunden" für Testversionen infrage kommen könnten.
Microsoft aktualisierte am Donnerstag außerdem seinen Leitfaden zu Copilot Credits und ergänzte Details zur Nutzung der Credits in weiteren Workloads. Neu hinzugekommen sind Erläuterungen zu Copilot Code, Copilot in SharePoint und Teams Phone Agent. Bereits zuvor enthielt der Leitfaden Erklärungen zur Funktionsweise der Credits in Copilot Cowork, Work IQ APIs, Microsoft Copilot Studio, Copilot Managed Runtime und Geschäftsanwendungen.
Dieser Artikel basiert auf Material unseres geschätzten US-Kollegen Wade Tyler Millward von crn.com.
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