Intel kann "starke" Nachfrage nicht bedienen: CEO "enttäuscht"
Intel-CEO Lip-Bu Tan zeigt sich zwar "zufrieden mit den Fortschritten" beim Ausbau des Angebots an Server-CPUs im dritten Quartal. Zugleich räumt er jedoch ein, dass es "auch in den kommenden Quartalen schwierig bleiben wird, mit der Servernachfrage Schritt zu halten" – und warnt vor einer "Abkühlung des PC-Markts".
Intel-CEO Lip-Bu Tan sagte am Donnerstag während der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen des Chipherstellers, er sei "enttäuscht", dass das Unternehmen im dritten Quartal "die starke Nachfrage nicht bedienen konnte". Als Begründung führte er "kurzfristige Herausforderungen" wie Lieferengpässe und die "daraus resultierende schwächere PC-Nachfrage" an. Intel hatte zuvor das stärkste Wachstum beim Rechenzentrumsumsatz seit 15 Jahren gemeldet, blieb mit seiner Umsatz- und Gewinnprognose für das laufende Quartal jedoch hinter den Erwartungen der Wall Street zurück.
Hyperscaler, Neocloud-Anbieter und andere Unternehmen bauen weiterhin in rasantem Tempo neue Rechenzentren, um die sich schnell weiterentwickelnden KI-Workloads zu unterstützen. Dadurch sehen sich Intel und andere Halbleiterhersteller einer hohen CPU-Nachfrage gegenüber. Ein wesentlicher Treiber ist agentische KI, die dazu führt, dass in Rechenzentren anteilig mehr CPUs eingesetzt werden.
Tan sagte zwar, er sei "zufrieden mit den Fortschritten", die Intel im Ende September abgeschlossenen dritten Quartal beim Ausbau des Angebots an Server-CPUs erzielt habe. Zugleich räumte er jedoch ein, dass es "auch in den kommenden Quartalen schwierig bleiben wird, mit der Servernachfrage Schritt zu halten".
Ein leitender Manager eines US-amerikanischen Systemintegrationspartners von Intel sagte gegenüber CRN, er habe bislang keine CPU-Engpässe in dem von Intel geschilderten Ausmaß beobachtet. Er vermutet jedoch, dass OEMs wie Dell Technologies und Supermicro über passende Lieferkontingente für jene Unternehmenskunden verfügen, die Firmen wie seine betreuen. "Sie orientieren sich etwas stärker an den üblichen Zeitplänen und Prognosen für unseren Bedarf. Die Hyperscaler kommen dagegen an und sagen: ‚Ja, ich nehme alles, was ihr habt. Was könnt ihr noch liefern?‘", sagte der Manager, der anonym bleiben wollte, um offen sprechen zu können.
Die Unternehmenskunden des Systemintegrators bauen laut dem Manager bislang keine Rechenzentren für jene autonomen KI-Agenten, die ein Verhältnis von eins zu eins zwischen CPUs und GPUs erforderlich machen. Allerdings erwartet er, dass bei diesen Kunden künftig generell mehr Inferenz-Workloads in lokale Rechenzentren verlagert werden. "Solche Installationen benötigen allein schon aufgrund ihres grundsätzlichen Aufbaus deutlich mehr CPUs. Deshalb denke ich, dass es bei ihnen ebenfalls in diese Richtung gehen wird", sagte er.
Tan nennt drei Hindernisse bei der Deckung der KI-getriebenen CPU-Nachfrage
Laut Tan steht das Unternehmen vor drei wesentlichen Hindernissen, die "unsere Fortschritte bei der Deckung dieser extrem hohen, KI-getriebenen Nachfrage begrenzen". Dazu gehören die Fertigungsausbeute und die Durchlaufzeit beim Fertigungsprozess Intel 3, bei denen es laut dem CEO "weiterhin Verbesserungen" gibt. Er fügte jedoch hinzu: "Ich fordere vom Team erhebliche Fortschritte bei der Umsetzung."
Außerdem verwies Tan auf "einen branchenweiten Mangel an hochentwickelten organischen Substraten" für Intels EMIB-Chip-Packaging-Technologie. Diese kommt in den jüngsten Xeon-Prozessorgenerationen, den Produktreihen Xeon 6 und Xeon 6+, zum Einsatz. Dies "beeinträchtigt ebenfalls unsere Fähigkeit, die Produktion auszuweiten", sagte er.
Als drittes Hindernis nannte Tan eine Explosion, die sich Anfang dieses Monats in einer Intel-Fabrik in Israel ereignete und bei der zwei Arbeiter starben. Tan bezeichnete das Ereignis als "bedauerlichen und tragischen Unfall", der zur Stilllegung des Werks führte. Der Vorfall werde die Auslieferungen von 10-Nanometer-Server-CPUs im vierten Quartal beeinträchtigen.
Intel setze das im August durch die Ausgabe von Stammaktien aufgenommene Kapital von 20 Milliarden US-Dollar "umsichtig" ein, um die Fertigungskapazitäten zu verbessern, fügte er hinzu. "Wir erwarten, dass die Investitionsausgaben und die Abnahmeverpflichtungen für wichtige Komponenten in den nächsten Quartalen deutlich steigen werden", sagte Tan. "Ich möchte unseren Lieferanten von Substraten, Speicher, Auftragsfertigungsleistungen und Fertigungsanlagen für die enge Partnerschaft und Zusammenarbeit danken. Gemeinsam arbeiten wir daran, das Angebot auszuweiten und die wachsende Nachfrage zu bedienen."
Tan: Intel-Kunden signalisieren eine "Abkühlung des PC-Markts"
Tan sagte, Intels Kunden hätten in den vergangenen Wochen begonnen, "aufgrund der Speicherpreise und der Verfügbarkeit eine Abkühlung des PC-Markts zu signalisieren". Hintergrund seien branchenweite Engpässe, die durch den KI-Boom verursacht würden. Die Speicherengpässe hätten die PC-Preise "deutlich" steigen lassen und dadurch zusätzlichen Druck auf die ohnehin begrenzten IT-Budgets ausgeübt, fügte er hinzu. "Diese Korrektur am PC-Markt hat sich in den vergangenen zwei Monaten beschleunigt, da unsere OEM-Partner ihre Lagerbestände konsequent an den schwächeren Abverkauf anpassen", sagte Tan.
Dadurch sank Intels PC-Umsatz im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent. Dies ist auch der Hauptgrund dafür, dass Intel im vierten Quartal einen schwächeren Umsatz und Gewinn erwartet als vom Markt prognostiziert. Der Umsatz im Client-Geschäft soll gegenüber dem Vorquartal um 20 Prozent zurückgehen.
Intel erwartet, dass diese Abkühlung mindestens bis zum Ende der ersten Hälfte des kommenden Jahres anhält. "Wir gehen davon aus, dass das derzeitige Umfeld so lange bestehen bleibt, bis sich die Speicherverfügbarkeit und die Preise wieder normalisieren", sagte Tan. "Auch wenn die nächsten Quartale für den PC-Markt schwierig werden, wird unsere Produkt-Roadmap immer stärker, und unser langfristiger Ausblick bleibt positiv."
Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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