HPE stellt sich auf wachsende Nachfrage nach gebrauchter Hardware ein
CRN war zu Gast im Technology Renewal Centre von HPE in Glasgow. Dort erläuterte der Hersteller, wie steigende Speicherpreise und anhaltende Lieferengpässe Kunden dazu zwingen, den Kauf neuer Geräte zu überdenken, und welche Chancen dadurch für Partner entstehen.
Kunden, die Schwierigkeiten haben, neue IT-Ausrüstung zu beschaffen, greifen laut HPE zunehmend auf wiederaufbereitete (refurbished) Hardware zurück. Matt Harris (im Bild), Senior Vice President und Managing Director für Großbritannien, Irland, den Nahen Osten und Afrika bei HPE, erläuterte, dass ein Zusammenspiel aus KI-getriebener Nachfrage, steigenden Hardwarekosten, Lieferkettenstörungen und Druck auf die IT-Budgets immer mehr Kunden dazu zwinge, den Kauf gebrauchter Geräte als Alternative in Betracht zu ziehen. "Es wird Kunden geben – insbesondere jene, die von unseren Partnern betreut werden, etwa im Mittelstand oder in Kommunalverwaltungen –, für die selbst die grundlegende Ausstattung zunehmend unerschwinglich wird. Sie müssen umdenken", konstatiert er gegenüber CRN UK.
Die Hardwarekosten sind 2026 stark gestiegen. Obwohl sich das Tempo der Preissteigerungen allmählich verlangsamt, gehen sie laut Harris weiter nach oben. Gleichzeitig erwartet das Unternehmen, dass auch die Nachfrage bis 2027 und darüber hinaus hoch bleibt: "Wir gehen nicht davon aus, dass die Kosten am Markt in absehbarer Zeit sinken werden", folgert Harris. Durch die enorme Nachfrage nach Komponenten für KI-Infrastrukturprojekte, insbesondere nach Arbeitsspeicher und SSDs, wird das Problem weiter verschärft. "Große KI-Ausbauprojekte, eine enorme Nachfrage und ein unzureichendes Angebot – das treibt die Preise nach oben", fasst er zusammen.
Refurbished IT wird für Unternehmen attraktiver
Auf Seiten der Kunden setzen zugleich weitere Entwicklungen wie etwa höhere VMware-Kosten nach der Übernahme durch Broadcom sowie die Notwendigkeit zur Finanzierung ihrer KI-Initiativen die sowieso schon angespannten IT-Budgets zusätzlich erheblich unter Druck, führte Harris weiter aus. Einige Kunden reagieren nach seiner Beobachtung darauf, indem sie ihre bestehende IT länger nutzen. Harris warnt jedoch, dass dies Sicherheitsrisiken mit sich bringen und zu Problemen führen kann, gerade wenn Geräte das Ende ihres unterstützten Lebenszyklus erreichen.
Genau an diesem Punkt können Partner mit professionell aufbereiteter Enterprise-Hardware punkten. "Das geht mit einer veränderten Wahrnehmung einher: Statt mich zu fragen, ob ich neu kaufen muss und mir das überhaupt leisten kann, entscheide ich mich dann vielleicht für ein professionell refurbishtes System von HPE, das meine Anforderungen erfüllt", berichtet Harris. Gleichzeitig räumt er ein, dass beim Kauf von wiederaufbereiteter Hardware und Technologie weiterhin gewisse Vorbehalte auf Kundenseite überwunden werden müssen. "Ehrlich gesagt, spielt dabei auch ein wenig die Psychologie eine Rolle", sagt er. Er vergleicht die Vorliebe für fabrikneue Geräte mit dem Zögern mancher Verbraucher beim Kauf gebrauchter Produkte. Er erwartet jedoch, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des aktuellen Marktes refurbished Infrastruktur zunehmend attraktiver machen werden.
HPE öffnet Renewal-Kompetenzen für Channel-Partner
Harris äußerte sich bei einem Besuch des Technology Renewal Centre von HPE in Erskine bei Glasgow. HPE ist überzeugt, dass diese Zentren Partnern helfen können, auf diesen Wandel zu reagieren, ohne selbst in spezialisierte Refurbishment- und Asset-Recovery-Prozesse investieren zu müssen. Der Standort in Erskine bearbeitet Enterprise-Geräte am Ende ihres ersten Einsatzzyklus und deckt Asset Recovery, Datenlöschung, Aufbereitung und Wiederverkauf ab. 84 Prozent der dort bearbeiteten Geräte werden refurbished und wieder in den aktiven Einsatz gebracht.
HPE Financial Services bietet Kunden zudem Möglichkeiten, aus nicht mehr benötigten Geräten Wert zurückzugewinnen und damit potenziell Mittel für Investitionen in neue Technologien freizusetzen. Nach eigenen Angaben flossen zwischen den Geschäftsjahren 2020 und 2025 durch Asset-Recovery-Services 1,25 Milliarden US-Dollar in die Budgets der Kunden zurück.
Auf die Frage, wie Reseller den Betrieb nutzen können, betont Harris, dass dessen Leistungen dem gesamten Partnerökosystem von HPE zur Verfügung stehen. "Alles, was wir hier haben, steht der Channel-Community zur Verfügung", betonte er. "Darüber hinaus bieten wir Partnerprogramme über Financial Services und in Zusammenarbeit mit meiner Vertriebsorganisation an." Der Service ist dabei nicht auf HPE-Geräte beschränkt. Der Standort in Erskine bearbeitet Technologien verschiedener Hersteller, darunter Cisco, Dell EMC und IBM. Dadurch können Partner die gesamte IT-Landschaft eines Kunden adressieren, statt nur einzelne HPE-Produkte.
Botschaft an Partner: Mehr Technologie bedeutet mehr Renewal-Chancen
HPE erwartet, dass IT-Lifecycle-Services an Bedeutung gewinnen werden, da die Einführung von KI weitere Investitionen in die Infrastruktur antreibt. Harris nannte drei Faktoren, die diesen Ausblick stützen: wachsende Technologiemengen, die Nachhaltigkeitsverpflichtungen von Unternehmen sowie zunehmende Bedenken hinsichtlich Datensouveränität und Nachverfolgbarkeit von IT-Assets.
Für Kunden in regulierten Branchen ist außerdem relevant, dass Datenlöschung und Asset Recovery innerhalb Großbritanniens abgewickelt werden können. Das Unternehmen baut außerdem seine Kompetenzen für GPUs im zweiten Lebenszyklus aus, da HPE einen wachsenden Sekundärmarkt für KI-Beschleuniger erkennt. Derzeit entstehen in Andover, Massachusetts, Kapazitäten für das Testen und Refurbishment von GPUs; ähnliche Möglichkeiten sollen auch in Europa geschaffen werden.
Für Partner liegt die größere Chance laut Harris darin, Kunden dabei zu unterstützen, über den gesamten Lebenszyklus hinweg mehr Wert aus ihrer Technologie zu schöpfen, statt sich ausschließlich auf den Verkauf neuer Geräte zu konzentrieren. "In der bereits vorhandenen Infrastruktur steckt enormes ungenutztes Potenzial – sei es durch eine bessere Auslastung oder durch die Wiederverwendung dieser Assets", erläutert er.
Bei dem Besuch deutete Harris zudem gegenüber CRN an, dass HPE auf seiner Discover-Veranstaltung im Dezember weitere Details zu seiner Renewal-Strategie bekannt geben könnte, darunter auch dazu, wie das Unternehmen diese Möglichkeiten in der Partner-Community bekannter machen will.
Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation CRN UK.
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