Google investiert 2026 mehr als 185 Mrd. Dollar in Rechenzentren
Ungeachtet der Investitionsrisiken in KI, bauen die US-Hyperscaler ihre Rechenzentren aus – und übertreffen sich mit Milliarden-Ausgaben. Für die USA kündigt Google zwei neue Datacenter an. Die Stromversorgung ist schon gesichert.
Auf der einen Seite steht die überaus optimistische, mit Milliarden-Investitionen gerüstete KI-Industrie und ihre Cloud-Computing-Anbieter, auf der anderen Seite misstrauische, hochgradig nervöse Anleger, die bei der kleinsten Meldung in Panik verfallen. Das ist seit Herbst und verstärkt seit Jahresanfang die Lage an den Börsen. Die Nachricht eines kleinen, bis dato völlig unbekannten Analystenhauses, Citrinis, hat am Montag ausgereicht, um einzelne Technologieaktien in den Keller zu schicken. "Experten" haben lediglich zusammengefasst, was die Folge von künstlicher Intelligenz vor allem für Wissensarbeit sein könnte und ihre Gedanken zu Ende gedacht. Ihr Abwärtsszenario: Zuerst Produktivitätsgewinne, dann Massenentlassungen, Einkommens- und Kaufkraftverluste, sinkende Konsumausgaben, Verfall von Immobilienpreisen, steigende Unternehmensinsolvenzen und noch mehr Jobverluste. Fehlt in diesem Teufelskreislauf eigentlich "nur" noch der sozialpolitische Sprengstoff: Maschinenstürmer und Umsturz.
Die Sorge vor tiefgreifenden gesellschaftlichen Umwälzungen, vor dem Gespenst, treibt Technologieunternehmen freilich nicht um. Sie sehen sich hier nicht in der Verantwortung, sondern die CEOs müssen Kapitalgeber überzeugen, dass Milliarden-Investitionen jetzt nötigen sind, um später viel Geld zu verdienen. Dann nämlich, wenn die Ökonomie hauptsächlich auf Daten und KI basiert. Googles Investitionsplan sieht Ausgaben von 185 Mrd. US-Dollar für Rechenzentren aus. Das war bis vor kurzem mehr als Wettbewerber Amazon.
Doch CEO Andy Jassy erklärte zuletzt auf einer Analystenkonferenz kurzerhand, in diesem Jahr ein Viertel mehr in die AWS-Rechenzentren stecken zu wollen als ursprünglich vorgesehen und erhöhte die Investitionen auf 200 Mrd. Dollar. Der Aktienkurs von Amazon gab daraufhin zweistellig nach.
Googles-CEO Sundar Pichai gab nun mehr Details zu den aktuellen Bauplänen für neue Rechenzentren in den USA bekannt. "Wir sehen, dass unsere Investitionen in KI und Infrastruktur den Umsatz und das Wachstum in allen Bereichen vorantreiben", sagte er im Februar während der Bekanntgabe der Finanzergebnisse für das vierte Quartal 2025. "Um die Kundennachfrage zu befriedigen und die sich uns bietenden Wachstumschancen zu nutzen, werden unsere Investitionen im Jahr 2026 voraussichtlich zwischen 175 und 185 Milliarden US-Dollar liegen", so Pichai.
So geht Google Bau neuer Datacenter vor
Die Pläne zum Bau eines neuen Rechenzentrums in Wilbarger County, Texas, sowie in Pine Island, Minnesota, hat Google nun konkretisiert. Das neue Rechenzentrum in Texas wird mit "fortschrittlicher Luftkühlung" gebaut, unterstützt von AES Corp., das Energiemanagementdienste und Strom bereitstellen wird.
"Die Rechenzentren von Google sind langfristige Investitionen in die Gemeinden, die wir unser Zuhause nennen. Unser neuer Standort in Wilbarger County wird da keine Ausnahme sein", sagte Amanda Peterson Corio, globale Leiterin für Rechenzentrumsenergie bei Google, in einer Erklärung.
"In Zusammenarbeit mit AES werden wir direkt neben dem Rechenzentrum eine neue saubere Energieerzeugung in Betrieb nehmen, um die Auswirkungen auf das lokale Stromnetz zu minimieren und die Energiebezahlbarkeit zu schützen", so Corio. "Wir kombinieren diese neue Energiequelle außerdem mit einer fortschrittlichen Luftkühlung, um den Wasserverbrauch im Betrieb zu eliminieren und sicherzustellen, dass Texas sowohl nachhaltig als auch ressourcenreich bleibt."
Google gab bekannt, dass es nun mehr als 7.800 Megawatt an neuer Energieerzeugung und -kapazität für das texanische Stromnetz unter Vertrag genommen habe.
Das neue Rechenzentrum ist Teil des Plans von Google, bis 2027 40 Milliarden US-Dollar in Texas für Cloud- und KI-Infrastruktur zu investieren. Weitere neue Rechenzentren sind in den Counties Armstrong und Haskell in Texas geplant.
Neues Rechenzentrum in Minnesota
Google baut außerdem ein neues Rechenzentrum in Pine Island, Minnesota. Dazu wurde ein Vertrag mit Xcel Energy geschlossen, bei dem sich Google gegenüber dem Stromlieferanten verpflichtet, einen erheblichen Teil der neuen Wind-, Solar- und Batterieenergie für sein neues Rechenzentrum abzunehmen. Corio, Leiter der Energieabteilung des Google-Rechenzentrums, sagte, das neue Rechenzentrum "unterstützt unser Ziel, KI- und Cloud-Kapazitäten so auszubauen, dass sie den Orten, an denen wir tätig sind, einen langfristigen Mehrwert bieten." Das Rechenzentrum in Minnesota und das damit verbundene Energieprojekt werden voraussichtlich über 1 Milliarde US-Dollar kosten.
456 Milliarden US-Dollar Run Rate von Google
Die Run Rate (jährlich wiederkehrende Einnahmen) von Google liegt derzeit bei 456 Milliarden US-Dollar. Der Technologieriese erzielte im vierten Quartal 2025 einen Gesamtumsatz von 114 Milliarden US-Dollar, was einem Umsatzanstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Das Betriebsergebnis von Google stieg im Jahresvergleich um 16 Prozent auf rund 36 Milliarden US-Dollar. Die Cloud-Sparte von Google, Google Cloud, erzielte einen Gesamtumsatz von 17,7 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com. Er wurde von CRN Deutschland ergänzt.
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