Cisco One und 360: Einfach besser
Mit seiner "One Cisco"-Plattform-Strategie will der Hersteller die hohe Komplexität seines Portfolios einhegen. Zusammen mit dem darauf abgestimmten neuen Cisco 360 Partnerprogramm, soll das auch den Partnern ihr Geschäft mit Cisco deutlich vereinfachen.
Manchmal bringt es für Unternehmen besondere Herausforderungen mit sich, wenn sie ein Schwergewicht in ihrem Markt sind – und ein entsprechend großes Portfolio aufgebaut haben. Ein gutes Beispiel dafür ist Cisco Systems, das laut Jeetu Patel, Präsident und Chief Product Officer des Unternehmens, jahrelang unter dem Gewicht seines eigenen breiten Portfolios gelitten hat. Noch vor drei Jahren sei die Komplexität des Angebots für viele nur sehr schwer zu erfassen gewesen. "Die Breite des Portfolios, die eigentlich unser größter Vorteil hätte sein sollen, wurde tatsächlich zu einem Nachteil. Warum war es ein Nachteil? Weil es zu kompliziert war, um es zu verstehen. Wir haben das sehr in Silos betrachtet. Wir waren wie eine Holding mit einer Reihe von Akquisitionen", führt Patel gegenüber CRN aus.
Auch intern konzentrierten sich die Mitarbeiter bei Cisco ihm zufolge auf ihre eigenen Silos. Das habe sich jedoch mit der tiefgreifenden Geschäfts- und Führungstransformation in den vergangenen Jahren ins genaue Gegenteil umgekehrt, sodass die Bandbreite des Portfolios nun der größte Vorteil des Unternehmens sei. "Niemand sonst kann das Netzwerk vollständig mit Sicherheit und Datenplattform zusammenführen und eine Observability darüber ermöglichen – und dabei unsere eigenen Halbleiter herstellen. Alles – von der Hardware bis zu den Anwendungen, von der Physik bis zur Semantik – haben wir selbst entwickelt, und alles integriert sich nahtlos. Das geschieht auf einer einheitlichen Plattform mit einer gemeinsamen Managementebene", so Patel. "Das ist für mich ein bedeutender Unterschied, aber ich glaube, es war schwer für die Leute, das voll zu erfassen, bis es umgesetzt war."
Der "One Cisco"-Ansatz
Der Umbruch bei Cisco manifestierte im vergangenen Jahr unter anderem in mehreren größeren Führungswechseln. Zum Beispiel verließ der ehemalige Splunk-CEO und Cisco-Präsident für Go To Market, Gary Steele, das Unternehmen. Etwa ein Jahr nach dem Abschluss der 28-Milliarden-Dollar-Splunk-Übernahme wechselte er im April zum Drohnen- und Verteidigungs-Start-up Shield AI. Seine Nachfolge trat Oliver Tuszik an. Noch im selben Monat stieg der beliebte frühere globale Channel-Chef und EMEA-Präsident von Cisco als Executive Vice President of Global Sales und Chief Sales Officer in das oberste Führungsteam auf. Patel wurde im August 2024 nach vier Jahren Leitung der Security- und Collaboration-Bereiche zum Chief Product Officer befördert. Im Mai übernahm er zusätzlich die Rolle des Präsidenten, was Ciscos Engagement für einen einheitlichen Plattform-Ansatz weiter unterstreicht.
Für David Harper, CRO des US-Lösungsanbieters und Cisco-Partners iT1, sind die Auswirkungen bereits deutlich spürbar. Aus seiner Sicht nehmen die "One Cisco"-Idee und der Plattform-Ansatz zur Vereinheitlichung des Portfolios die Channel-Partner mit und finden zudem bei Kunden zunehmend Anklang. "Aus Cisco-Perspektive geht es wirklich darum, alles unter einem Dach zu vereinen – mit einem Enterprise Agreement, um den gesamten Cisco-Stack in der Organisation zu verwalten. Das nehmen die Kunden ebenfalls wahr. Nicht nur durch das, was Cisco präsentiert, sondern auch durch den Mehrwert, den iT1 und unsere Cisco-Praxis einbringen können", erklärt Harper.
Tuszik zu Cisco 360: Weniger Komplexität, mehr Chancen
Weiteren Rückenwind für den Plattform-Ansatz erwarten sich der Vertriebskanal vom bald startenden Cisco 360-Partnerprogramm, wie mehrere Partner-Vertreter gegenüber CRN berichten. Es löst das alte Partnerprogramm ab, mit dem das Unternehmen zwar über zwei Jahrzehnte erfolgreich war, das aber nicht mehr zum sich schnell verändernden Markt und Wettbewerb passt. Als ein Beispiel dafür nennt Steve Wylie, Vice President und General Manager, Northeast, beim kalifornischen Cisco-Partner Trace3, die zahlreichen Start-ups im Bereich Network-as-a-Service auf den Markt drängen und den Partnern dabei höhere Margen bieten. "Die Realität ist: Partner müssen Veränderungen akzeptieren, aber diese kleineren Unternehmen sind nicht der Plattform-Player, der Cisco ist", sagt Wylie. "Cisco braucht dieses neue Programm auch, um dem entgegenzuwirken, was diese kleinen Unternehmen machen."
Wie erfolgsversprechend dieses Konzept der Zusammenführung ist, unterstreicht auch Tuszik immer wieder. So führte er etwa während seiner Keynote auf dem Cisco Partner Summit 2025 aus, dass die erfolgreichsten Cisco-Partner schon heute alle eine ähnliche Strategie verfolgen: Statt lediglich Einzelprodukte zu vertreiben, verkaufen sie eine umfassende Lösung, die ihre eigenen Stärken mit der Kraft des Cisco-Portfolios kombiniert. Die Voraussetzungen dafür sind beinahe ideal. Um zukünftigen IT- und KI-Anforderungen gerecht zu werden, müssen Unternehmen ihre Infrastruktur modernisieren. Daraus ergeben sich "riesige" Chancen, die Cisco und seine Partner nicht ungenutzt lassen dürfen, betont Tuszik.
Aus seiner Sicht bietet das Cisco-360-Partnerprogramm die optimale Grundlage dafür. Es sei gezielt dafür entwickelt worden, den Partnern zu helfen, diese Chancen mit der Plattform des Tech-Giganten für sich zu nutzen. "Um es klar zu sagen: Unser Fokus liegt nicht auf dem Verkauf von Produkten. Es geht darum, Ergebnisse und Mehrwert zu liefern. Wenn wir als One Cisco auftreten, bündeln wir die volle Kraft unseres Portfolios und unserer Services und stellen sicher, dass alles vom ersten Tag an funktioniert", erklärte er auf dem Event. "Dafür ist Ihre Partnerschaft entscheidend."
Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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