Cisco Live: Cloud Control, AI Canvas und Quantensicherheit

Cisco bringt auf der Cisco Live neue Technologien für agentische KI, Sicherheit und Quantenresilienz auf den Weg. Im Zentrum stehen Cisco Cloud Control, AI Canvas und Agent Studio, die Kunden bei der Verwaltung KI-getriebener Infrastrukturen, der Verbesserung von Betrieb und Telemetrie sowie der Vorbereitung von Netzwerken und Verschlüsselung auf Post-Quanten-Bedrohungen unterstützen sollen.

(Foto: Cisco)

Cisco hat am Dienstag seine jährliche Cisco-Live-Konferenz in Las Vegas eröffnet und dabei mehrere neue Technologien vorgestellt, die agentische KI und verbesserte Sicherheitsfunktionen in Rechenzentrums- und Cloud-Infrastrukturen bringen sollen. Ciscos umfassende Offensive bei agentischer KI und Sicherheit konzentriert sich in weiten Teilen auf Cisco Cloud Control, eine einheitliche Plattform über die Networking-, Security- und Observability-Portfolios des Unternehmens hinweg, die erstmals auf der Cisco Live 2025 vorgestellt worden war.

Jeff Schultz, Senior Vice President Portfolio Strategy in der Produktsparte des Unternehmens, erklärte bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Cisco Live, dass der neue Vorstoß bei agentischer KI zu einem Zeitpunkt komme, an dem die Branche KI-Agenten zunehmend als Kollegen menschlicher Beschäftigter betrachte. "Was wir derzeit sehen, wenn unsere Kunden Agenten-KI ausrollen, ist, dass buchstäblich jede Aktion eines Agenten sowohl eine Routing-Herausforderung, eine Vertrauensentscheidung als auch ein Telemetrie-Ereignis darstellt", erklärte Schultz. "Weil sie im gesamten Unternehmen eingesetzt werden – in Rechenzentren ebenso wie in Campus- und Niederlassungsumgebungen –, erzeugt jede ihrer Aktionen Netzwerkverkehr und Netzwerkentscheidungen. Sicherheit ist ein kritisches Thema, und Telemetrie steht inzwischen bei allem zur Verfügung, was sie tun, um ihre Aktionen und deren Ergebnisse wirklich zu verstehen."

Während die ChatGPT-Welle laut Schultz zu "spitzenartigen" Lasten und Anforderungen an Rechenzentrums- und Cloud-Infrastrukturen geführt habe, sorge agentische KI nun für eine anhaltende, kontinuierliche Nachfrage nach Infrastruktur. Zudem brächten Agenten, die mit anderen Agenten zusammenarbeiten und auf Systeme zugreifen, viele Risiken für die Infrastruktur mit sich. "Wir konzentrieren uns sehr klar darauf, diese kritische Infrastrukturschicht für das KI-Zeitalter zu sein", fügte er an.

Im Rahmen der One-Cisco-Strategie betrachtet Cisco Networking-, Security-, Observability- und Collaboration-Technologien laut Schultz entlang einiger gemeinsamer zentraler Ziele:

"Wir innovieren stark bei Möglichkeiten, diese Rechenzentren mit hoher Leistung miteinander zu verbinden und Rechenzentren mit Arbeitsplätzen zu verknüpfen", führte er dazu aus. "Und digitale Resilienz ist die Grundlage. Daten auf neue und einzigartige Weise nutzen zu können, um alles zu verstehen, was Ihr Unternehmen gefährden könnte – ob Infrastrukturproblem, Sicherheitsbedrohung oder Agenten, die außerhalb ihrer Leitplanken und Regeln arbeiten –, all das wird durch Cisco AI beschleunigt."

Cisco Cloud Control

Die neueste Version von Cisco Cloud Control ist aus der Fragestellung entstanden, wie Unternehmen arbeiten sollen, wenn Menschen und Agenten beginnen, zusammenzuarbeiten, erklärte DJ Sampath, Senior Vice President und General Manager von Ciscos AI Software and Platform Group. "Es geht nicht nur darum, dass Menschen sich durch Dashboards klicken und versuchen mitzuhalten, sondern um ein echtes kollaboratives Betriebsmodell, bei dem Agenten die schwere Arbeit übernehmen und Menschen die Kontrolle über das behalten, was wichtig ist", führte Sampath aus.

Im Mittelpunkt von Cisco Cloud Control stehen laut Sampath agentische Betriebsabläufe, also AgenticOps. "Cisco Cloud Control ist eine Plattform, auf der all das zum Leben erwacht", sagte er. "Wir konzentrieren uns darauf, domänenübergreifende Telemetrie mit der Stärke zweckgebundener Modelle zu ermöglichen, die wir mit mehr als 40 Jahren Cisco-Daten und -Wissen aufgebaut haben, und gemeinsam vertrauenswürdige Agenten zu schaffen, die als digitale Kollegen dienen."

Cisco Cloud Control basiert auf der Cisco Data Fabric, die von der Splunk-Plattform als einheitlicher Datenschicht getragen wird. Sie liefert domänenübergreifende Telemetrie für sämtliche Kundenbereiche über alle Cisco-Produkte, -Plattformen, -Services und -Agenten hinweg. Möglich wird das laut Sampath durch zweckgerichtete Modelle, die auf bestimmte Aufgaben und Probleme zugeschnitten sind. Dazu gehören ein tiefes Netzwerkmodell, ein Cybersicherheitsmodell namens Foundation-Sec sowie Frontier-Modelle. "Es geht darum, die richtige Intelligenz der richtigen Art von Aufgabe zuzuordnen – genau das tun wir hier", sagte er. "Wir nutzen eine Kombination aus Telemetrie und zweckgerichteten Modellen, um diese vertrauenswürdigen Agenten aufzubauen. Wenn man Modellintelligenz mit Telemetrie kombiniert, ermöglicht genau das den Agenten, die gewünschten Ergebnisse zu liefern."

Cisco habe ein starkes End-to-End-Angebot, das nur funktioniere, wenn alle Komponenten genutzt würden, sagte Lane Irvine, Alliance Leader bei Long View Systems, einem Lösungsanbieter aus Calgary in Alberta und langjährigen Cisco-Channel-Partner. "Jetzt können wir das zusammenführen und die Cisco-Plattform besser nutzen", ordnete er die Neuheiten ein. "Das ist eine große Chance. Ich denke, es ist ein wichtiger Schritt, während sich abzeichnet, dass Cisco-Präsident und Chief Product Officer Jeetu Patel alle Plattformen übernimmt. Cisco versucht, ein stärker synergetisches Umfeld für diese gemeinsame Entwicklung zu schaffen, und ich denke, Cloud Control ist dafür ein wichtiger Schritt."

Mit Cisco Cloud Control will Cisco nach Angaben von Faisal Bhutto, President und CEO von Alykas, einem Lösungsanbieter aus Houston und langjährigen Cisco-Channel-Partner, alles über eine zentrale Steuerungsebene verwalten. Die Realität sei, dass OEMs wie Cisco ihre Technologie-Stacks besser kennen als jeder andere, sagte Bhutto gegenüber CRN. "Cisco kennt Meraki, weiß, wie es funktioniert und wie es betrieben wird", erläuterte er. "Cisco kennt die Catalyst-Reihe, UCS, das gesamte Fabric und deren Betriebsweise. Kunden wollen deshalb, statt eigene Automatisierungswerkzeuge für ein WAN oder SD-WAN über mehrere Standorte oder eine große SaaS-Umgebung zu entwickeln, dass OEMs wie Cisco agentische KI bereitstellen, die sie zusammen mit ihren Mitarbeitern nutzen können. Das Versprechen ist da. Ich kann mir gut vorstellen, dass das immer realer wird und unsere Kunden in Cloud Control Zugriff auf agentische Bots haben, die nach Freigabe Maßnahmen ausführen."

Nach Bhuttos Dafürhalten werden sich die meisten Kunden nicht wohl damit fühlen, agentische KI eigenständig handeln zu lassen. "Aber es gibt definitiv einen großen Mehrwert, wenn Kunden all dieser NOC-Ressourcen [Network Operations Center] nicht mehr in diesem Umfang brauchen, weil agentische KI das übernehmen kann – die Entscheidungsgewalt aber dennoch bei ihnen bleibt", prognostizierte er. "Wenn eine Konfigurationsänderung oder eine andere Anpassung ausgerollt werden muss, geht man in Cloud Control, genehmigt die Änderung und dann wird sie ausgerollt. Ich denke, damit werden sich Kunden wohler fühlen."

Cisco Cloud Control ist am Dienstag in den USA in eine kontrollierte Verfügbarkeitsphase gestartet, weitere Regionen sollen demnächst folgen.

Weitere Neuheiten von Cisco

DJ Sampath, SVP and General Manager, AI Software and Platform (Foto: Cisco)

Innerhalb von Cisco Cloud Control befindet sich Cisco AI Canvas, eine Umgebung, in der Menschen und KI-Agenten in Echtzeit zusammenarbeiten können, um komplexe Probleme zu untersuchen, zu korrelieren und zu lösen, sagte Sampath. Auch AI Canvas gehe in die kontrollierte Verfügbarkeit. Damit das funktioniert, hat Cisco am Dienstag außerdem Agent Studio vorgestellt. "Agent Studio ermöglicht es, Drittanbieter-Agenten nahtlos einzubinden, die unterstützen, und zusätzlich dabei zu helfen, eigene Agenten zu entwerfen sowie die Agenten zu nutzen, die wir bei Cisco für Kunden entwickeln", so Sampath. "[Agent Studio] führt all diese Bausteine systematisch zusammen, aber wir erkennen auch an, dass heute jeder IT-Administrator, Security Operator und Betreiber zunehmend selbst zum Builder wird."

Mit Codex und Claude Code können Unternehmen laut Sampath komplexe Systeme schnell aufbauen: "Wir wollen Teams dabei helfen, jeden einzelnen Vorgang so anzupassen, dass er zu ihren jeweiligen Workflows passt. Deshalb starten wir einen App Builder – einen Bereich zum Erstellen und Anpassen von Anwendungen und Workflows innerhalb von Cisco Cloud Control. Damit wird Cloud Control im Grunde zu einer Umgebung, die von OpenAIs Codex angetrieben und nativ in Cisco Cloud Control integriert ist."

Cisco habe viel in KI und agentische KI investiert, konstatierte Irvine von Long View Systems. "Wenn Kunden heute auf ihre Umgebungen schauen, haben sie höhere Erwartungen daran, was diese leisten müssen – und genau hier müssen Cisco und andere mit agentischen KI-Agenten ansetzen", zeigte er sich überzeugt. "Die Frage ist: Wie steuern wir das aus betrieblicher Sicht? Wie gewinnen wir Einblick in das, was passiert? Wir wollen prädiktive Erkenntnisse erhalten. … Agentische KI öffnet die Tür dazu."

Darüber hinaus bezeichnete Irvine auch Ciscos Arbeit rund um AI Canvas als sehr interessanten Ansatz. "Wenn ich ein Netzwerkproblem habe, kann es sein, dass mein Netzwerk dadurch langsam ist", sagte er. "Aber was bedeutet das? Wo wirkt sich das aus? Ich muss mir alles ansehen – von Sicherheit über Infrastruktur und Wireless bis hin zu Informationen über Endnutzer. Ich muss diesen gesamten Datenstrom betrachten, um zu analysieren und schnell zu erkennen, wo ein Problem liegt, bis hin zur Anwendungsebene. Und mit dem Cisco-Portfolio werden wir dafür deutlich bessere Einblicke haben. AI Canvas bietet die Plattform, um das über die gesamte Infrastruktur hinweg zu tun."

Quantencomputing

Neben der KI war Cisco in letzter Zeit auch beim Thema Quantencomputing sehr aktiv, wie Anurag Dhingra, Senior Vice President und General Manager von Ciscos Enterprise Connectivity and Collaboration Group, ausführte. So habe Cisco etwa seine Post-Quanten-Kryptografie weiterentwickelt und Anfang dieses Jahres Unterstützung für Post-Quanten-Kryptografie in Smart Switches und Routern eingeführt. "Jetzt weiten wir das auf SD-WAN-Verbindungen aus, um den gesamten Datenverkehr während der Übertragung zu schützen", kündigte er an.

Cisco hat in dieser Woche zudem wesentliche Erweiterungen seiner Post-Quanten-Verschlüsselungsfähigkeiten vorgestellt. Dazu zählen signierte digitale Images im Rahmen des sicheren Software-Hardware-Trust-Anchors beim Secure Boot sowie für eine Post-Quanten-Welt vorbereitete Kryptobibliotheken, so Dhingra.

Irvine bestätigte, dass die Kunden definitiv bereits damit begännen, sich damit zu beschäftigen, was es bedeutet, quantum-ready zu sein. "Ich glaube nicht, dass jeder das Risiko bereits vollständig versteht, aber Cisco muss dieses Thema auf jeden Fall offensiv angehen", fügte er hinzu. "Wir müssen unsere Kunden über Quantum-Readiness und die Anforderungen an quantum-ready Infrastruktur aufklären, denn das Prinzip 'harvest now, decrypt later' [Daten schon jetzt für eine spätere Entschlüsselung sammeln] findet bereits statt. Wir müssen daher auf Post-Quanten-Kryptografie vorbereitet sein."

Darüber hinaus stellte Cisco neue resiliente Infrastrukturdienste vor, die Kunden und Partnern dabei helfen sollen, die neuen Sicherheitstechnologien des Unternehmens zu integrieren. Laut Bhaskar Jayakrishnan, Senior Vice President of Engineering for Customer Experience bei Cisco, umfassen die resilienten Infrastrukturdienste einen dreistufigen Ansatz: Risiken bewerten, Infrastruktur modernisieren und defensive Resilienz aufbauen.

Ein Vorstoß, den auch Bhutto von Alykas gutheißt. Er zeigte sich überzeugt, dass mehr selbstheilender, proaktiver und präventiver Schutz den Mitarbeitern und Kunden hilft, sich stärker auf Tempo und Umsetzung zu konzentrieren, statt sich Sorgen zu machen und vor Angreifern schützen zu müssen. "Die Realität ist, dass ähnliche Fähigkeiten im Lauf der Zeit auch in die Hände von Angreifern gelangen und sie ständig neue Wege finden, einzudringen und Schwachstellen auszunutzen", erklärte er. "Warum habe ich das ungute Gefühl, dass ein LLM wie Mythos irgendwo bereits existieren könnte und vielleicht schon genutzt wird, um Sicherheitsprobleme auszunutzen? Man darf nicht vergessen: In der Sicherheitswelt geht es nicht nur um einzelne Threat Actors. Es gibt auch staatliche Akteure, und das ist eine ganz andere Dimension. Wer sagt uns, dass ein feindlich gesinnter Staat nicht bereits daran arbeitet, einen solchen Vorsprung zu gewinnen?"

Neu von Cisco ist außerdem die Quantum Ready Assessment als Teil von Cisco IQ. Sie arbeitet mit neuer quantum-ready Hardware, um die Bereiche zu identifizieren, die am stärksten von "harvest now, decrypt later"-Angriffen gefährdet sind, erläuterte Jayakrishnan. "Wir helfen unseren Kunden dabei, ihre Landschaft zu bewerten, damit sie wissen, worauf sie sich vorbereiten müssen und welche Netzwerkgeräte ersetzt oder aufgerüstet werden sollten, um Quantum-Readiness zu erreichen." Das Ergebnis seien Quantum-Safe-Assessments, so Jayakrishnan weiter. "Wir geben unseren Kunden eine Top-down- und Bottom-up-Sicht darauf, ob sie ihre gesamte Umgebung betrachten, den eigenen Reifegrad im Vergleich zu den regulatorischen Anforderungen ihrer Region bewerten und die nächsten Maßnahmen festlegen können – etwa Hardware-Upgrades, Software-Updates, Feature-Anpassungen oder die Frage, wie groß der quantum-sichere Anteil ihrer Umgebung bereits ist."

Quantum-Readiness habe weniger mit Zukunftstechnologie zu tun als mit der Frage, wie bestehende Verschlüsselung, Identität und Vertrauensmodelle in Unternehmen modernisiert und verwaltet werden, befand Irvine. "Ohne diese Verschlüsselung und Sicherheit in der heutigen Umgebung ist alles, was noch kommt, irrelevant – und wir müssen sicherstellen, dass wir schon jetzt darauf vorbereitet sind, auch wenn die unmittelbaren Auswirkungen begrenzt sind."

Quantenresilienz sei seit Jahren ein Thema, auch wenn KI es in den vergangenen zwei Jahren etwas überlagert habe, unterstrich Bhutto die Wichtigkeit dieser Neuheiten. "Jeder muss klären und sicherstellen, dass die Verschlüsselungsmechanismen und Schlüssel, die wir heute verwenden, quantenresilient sind, sobald Quantencomputing breiter verfügbar und zu bestimmten Preispunkten zugänglich wird", sagte er. "Andernfalls lassen sie sich leicht brechen. Kunden machen sich darüber Sorgen, aber ehrlich gesagt hat die KI-Debatte fast alles andere überlagert. Quantensicherheit war vor zwei Jahren ein großes Thema. Heute sind Kunden jedoch so stark auf agentische KI fokussiert, dass sie deutlich weniger darüber sprechen."

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.

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