"AWS ist einzigartig in seiner Kunden- und Partnerbesessenheit"

Die frisch gebackene Caylent-Chefin Valerie Henderson erklärt im Interview mit CRN, warum sie AWS im Bereich Unternehmens-KI für führend hält und wie die exklusive Partnerschaft es ermöglichen soll, die Umsätze kräftig zu steigern, ohne dafür die Zahl der Mitarbeiter signifikant erhöhen zu müssen.

Valerie Henderson ist die neue CEO von Caylent (Foto: Caylent / CRN)

Seit einer Woche ist Valerie Henderson neue CEO von Caylent. Der AWS Premier Partner aus Kalifornien ist weltweit aktiv und beschäftigt fast 1.000 Mitarbeiter. In ihrem ersten Interview mit CRN unterstrich sie umgehend ihr Vertrauen AWS und die KI-Strategie des Hyperscalers, die sie als optimale Grundlage für agentische KI-Innovation bei den Unternehmenskunden aber auch sich selbst sieht. Aus ihrer Sicht eröffnet das Dienstleistern völlig neue Wege zu großem Wachstum, ohne dafür jedoch den Headcount in gleichem Maße nach oben schrauben zu müssen. Darüber hinaus erläuterte sie, was die Partnerarbeit von AWS auszeichnet und wie Caylent nach Zielen für weitere Übernahmen sucht, um Lücken zu schließen.

CRN: Wie ist Caylent derzeit aufgestellt und wie wollen Sie wachsen?

Valerie Henderson: Traditionell haben Dienstleistungsunternehmen die Mitarbeiterzahl mit dem Umsatz skaliert. In diesem neuen, stärker ergebniswertorientierten Modell muss das nicht mehr der Fall sein. Für uns geht es hier um die Frage: "Wie schulen und befähigen wir unsere Teams, mehr leisten zu können?" Und wenn man ergebnisorientierte und wertorientierte Arbeit verpackt und bepreist, geht es nicht mehr einfach nur darum, mehr Zeit, Material und Mitarbeiterzahl hinzuzufügen. Man sollte Aspekte wie den Umsatz pro Mitarbeiter tracken und beobachten, wie sich das im Zeitverlauf entwickelt.

Wir betrachten KI nicht als etwas Separates, als gäbe es ein KI-Team oder KI-Ingenieure. Das gesamte Caylent-Geschäft muss von unserer KI-Plattform angetrieben werden. Wir haben eine eigene Wissensdatenbank und Innovation namens Evo. Wir nutzen Claude Enterprise. Jede einzelne Person bei Caylent sollte sie nutzen, um Prozesse zu automatisieren und zu beschleunigen, wo möglich. Denn das ist doch das Schöne an KI: Der Zinseszinseffekt, mit dem man mehr Zeit für Kreativität und Innovation gewinnt, während repetitive Arbeiten in den Grundstrukturen des Unternehmens automatisiert werden.

Wir erwarten, immer mindestens genauso schnell zu wachsen wie AWS, wenn nicht schneller. Wir haben also grundsätzlich ehrgeizige Ziele, umso mehr, nachdem diese jetzt nicht mehr zwangsläufig an die Mitarbeiterzahl gebunden sind, wie es früher der Fall war. Das ist großartig.

CRN: Beschreiben Sie uns bitte, inwieweit auch Ihre Kunden damit jetzt ihren Umsatz skalieren können, ohne die Mitarbeiterzahl zu erhöhen.

Henderson: Wir haben letztes Jahr Trek10 übernommen. Sie haben viel Zeit und Aufwand investiert, um ein echtes agentisches MSP-Angebot zu schaffen, das rund um die Uhr für Kunden proaktiv sein kann und nicht zwangsläufig an die Mitarbeiterzahl gebunden ist. Menschen müssen einige dieser Aufgaben nicht mehr erledigen, da sie automatisiert sind. So können sie sich auf die wichtigsten Aspekte der Infrastruktur-Ebene der KI-Betriebe konzentrieren und die beste Kundenerfahrung bieten. Ich finde, der Maßstab für Kundenerfahrung muss kontinuierlich steigen.

KI hat in dieser Branche vieles nivelliert. Ich denke aber, wir können uns hier mit unserer Erfahrung sowie der umfassenden Mustererkennung und unserem tiefen Verständnis der AWS-Plattform abheben. Denn deren Nutzung und die darauf aufsetzende Automatisierung sollten auch die Kunden wirklich auf das nächste Level bringen.

CRN: Was sind Ihre Pläne hinsichtlich Caylents AWS-Partnerschaft. Bleiben Sie weiterhin voll auf AWS fokussiert?

Henderson: Wir waren stets der Meinung, dass der Aufbau auf AWS der richtige Weg ist. Es gab Zeiten, in denen Leute ihre Strategie in Fragei gestellt haben. Aber meiner Ansicht nach hat AWS genau das getan, was sie immer tun: Sie sind wirklich kundenbesessen. Sie versuchen, dem Kunden Optionen zu bieten, aber auch die entscheidende Grundlage, um das zu skalieren.

Was sie mit Amazon Q und Agentcore gemacht haben, ist beeindruckend. Unsere Aufgabe ist es, diese Fähigkeiten für Kunden zu operationalisieren. Wir haben immer daran geglaubt, dass wir das, was AWS entwickelt, in zählbare Ergebnisse verwandeln können – das definiert uns. Und jetzt sollten wir in der Lage sein, diese Ergebnisse vorhersehbar noch schneller und günstiger zu machen. Früher musste man sich entscheiden: Ist es schneller? Ist es günstiger? Ist es besser? Das ist nicht mehr nötig. Man kann jetzt alles drei haben. Es beeindruckt mich, wie AWS wächst. Hunderte Milliarden Dollar potenzieren sich immer weiter.

CRN: Ist AWS aus Ihrer Sicht ein partnerfreundlicher Anbieter und ein guter Partner?

Henderson: Ich habe in meiner Karriere mit allen Cloud-Anbietern gearbeitet, und AWS ist wirklich einzigartig in seiner Kunden- und Partnerbesessenheit. Die Art, wie sie nach Feedback fragen und dieses dann umsetzen – und auch die Geschwindigkeit dabei – sind branchenführend. So ist es eine beidseitige Beziehung. Wir bringen stetig Kundensignale zu AWS, und sie innovieren weiterhin bei Services und Infrastruktur, auf die Kunden angewiesen sind.

Aber sie sind nie zufrieden. Das macht ihre spezielle "Day-One"-Mentalität aus – sie versuchen immer und auf beiden Seiten, bei Kunden und Partnern, besser zu werden. Das ist einzigartig. Viele Partner bauen Programme und lassen sie einfach laufen. Vielleicht gibt es ab und zu eine Anpassung, aber die Veränderungen, die AWS kontinuierlich vornimmt, sind etwas Besonderes.

Deshalb glauben wir, dass AWS die beste Plattform ist, um darauf aufzubauen. Denn davon profitieren nicht nur die Kunden, sondern auch das Partner-Ökosystem. Was Ruba [Borno, AWS-Vizepräsidentin, globale Spezialisten, Partner] und ihr Team in den letzten Jahren geleistet haben, ist bemerkenswert. Es gab große Veränderungen, die Partner dafür belohnen, eine eigene Meinung zu haben, Innovationen auf AWS voranzutreiben und schnell zu handeln. Das ist aus meiner Sicht etwa wahrlich Besonders.

CRN: Was ist ein ähnliches Alleinstellungsmerkmal von AWS im KI-Bereich?

Henderson: Sicherheit und die Schutzmechanismen rund um KI. Früher wurde oft von Schatten-IT gesprochen, also von Mitarbeitenden, die verschiedene Technologielösungen nutzten. Wie Menschen KI und verschiedene LLMs nutzen und welche Daten sie bekommen, das ist für Kunden ein echtes Anliegen.

Und das ist das Schöne an Amazon Bedrock und wie es gebaut wurde. AWS hat AgentCore von Anfang an mit Schutzmechanismen entwickelt, mit denen sich Unternehmen nicht nur dadurch absetzen, dass sie skalieren können, sondern dass sie dies auch sicher tun können. Diese Sorge ist für Kunden sehr real, und wir fühlen eine große Verantwortung, ihnen zu helfen, von Infrastruktur über Daten bis zur Anwendungsebene die passende Sicherheitsumgebung dafür zu gestalten.

CRN: Sie haben einige Übernahmen hinter sich, zuletzt kam Trek10 dazu. Plant Caylent noch weitere Zukäufe?

Henderson: Ja, wir beobachten den Markt ständig. Es gibt gerade enorm viele Möglichkeiten. Wir wollen eine äußerst solide Plattform schaffen, damit bei künftigen Fusionen und Übernahmen diese Unternehmen schnell integriert werden können und sich nahtlos in Caylent einfügen, um unseren aktiven Kunden dabei zu helfen, noch mehr zu erreichen und spannende Projekte zu realisieren.

Die Übernahme von Trek10 war besonders einzigartig, da es eine Fähigkeit mitbringt, die uns bisher fehlte. Ich denke, das ist ein Bereich, den wir weiter beobachten: Wo gibt es Fähigkeiten oder Trends, die uns heute noch fehlen und die wir sinnvoll durch Zukäufe ergänzen können? Wir haben ein großartiges Team, das Kunden immer fragt: "Wer leistet in diesem Ökosystem tolle Arbeit und warum?" Wir bleiben stets neugierig.

CRN: Wie lief die Integration von Trek10?

Henderson: Trek10 ist großartig. Ich finde, das Team und die Führungskräfte waren fantastisch und haben mit Caylent-Kunden zusammengearbeitet, um Innovationen voranzutreiben. Ihr Team sagte: "Wir können agentisch vorgehen. Wir können als MSP für KI-Betrieb helfen, denn das wird gebraucht, wenn agentische Plattformen aufgebaut werden. Und wie werden diese langfristig gebaut, betrieben und verwaltet?" MSPs galten lange als Plattform, die man sehr spezifisch betrachtete – das ändert sich aktuell. Wir suchen immer nach potenziellen M&A und werden das weiterhin tun.

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.

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