750 Mio. Dollar-Partnerfonds: Google will Channel ins Zeitalter der KI-Agenten führen
Google spricht von einem "Paradigmenwechsel" und investiert 750 Mio. US-Dollar in sein 120.000 Partner angehörendes Ökosystem. Neue Ressourcen und Anreize sollen Lösungsanbieter "besser in die Lage versetzen, die Nachfrage im Bereich der künstlichen Intelligenz zu nutzen", so der Anbieter.
Kevin Ichhpurani, Präsident des globalen Ökosystems von Google Cloud, erklärte CRN in einem Interview, während der jährlichen Veranstaltung "Google Cloud Next 2026" in Las Vegas, dass der 750 Mio. Dollar schwere Partnerfonds Lösungsanbietern helfen soll, sich darauf einzustellen, wie KI und KI-Agenten die Channel-Ökonomie verändern. Das "alte" Paradigma folgte der Logik: 'Lass mich einen bereits bestehenden Prozess digitalisieren', so der Manager, und skizziert: "Hier sind alle technischen Fähigkeiten, die Partner benötigen. Hier ist die Preisliste. Im neuen Paradigma ist die Interaktion mit dem Kunden aber ganz anders: Der Kunde sucht nach einem Ergebnis. Also beginnt man, sich verschiedene Geschäftsergebnisse anzusehen, die der Kunde benötigt. Wie kann ich dann den Geschäftsprozess durch die Einführung von Agenten komplett neu gestalten? Das ist ein sehr wesentlicher Paradigmenwechsel", so Ichhpurani.
Peter FitzGibbon, Senior Vice President und Leiter der Google-Lösungssparte bei Insight Enterprises – Platz 20 der CRN "2025 Solution Provider 500" – erklärt CRN in einem Interview, dass die zunehmende Akzeptanz des Google-Angebots "Gemini Enterprise" in den letzten Monaten einer der größten Geschäftsfaktoren für seinen Geschäftsbereich sei.
Kunden zögern nicht mehr bei KI-Investitionen in Gemini Enterprise
Für Insight liegen Chancen darin, den Wert von Gemini Enterprise Kunden vorzurechnen, sie bei der Mitarbeiterschulung und beim Change-Management zu unterstützen sowie Governance-Strukturen rund um Gemini Enterprise zu etablieren, so FitzGibbon.
Lösungsanbieter Insight habe bereits mehr als 8 Millionen kostenpflichtige Lizenzen verkauft. "Agentische Entwicklung ist mittlerweile absolut Mainstream", sagt der Manager. "Es gibt kein zögerliches Abwarten mehr, wie wir es 2024 und 2025 erlebt haben. Die Kunden, die sich darauf einlassen, tun dies mit voller Überzeugung."
Partner spielen weiterhin eine wichtige Rolle im Geschäft von Google, sagt Ichhpurani. Etwa 80 Prozent der zusätzlichen Einnahmen für Google Cloud seien den Partnern zu verdanken. Das Co-Selling-Geschäft auf dem Marktplatz sei um 90 Prozent gewachsen, die partnerbezogenen Buchungen hätten sich mehr als verdoppelt, sagt der Google-Manager. "Das ist ein gutes Zeichen für das zukünftige Wachstum von uns allen".
David Smith, Googles kürzlich ernannter Channel-Chef und Leiter der Partnerprogramme, der nach rund 30 Jahren beim Konkurrenten Microsoft zu dem KI- und Cloud-Riesen kam, erklärt im CRN-Interview, dass Google KI-Tools in sein Partnerprogramm integriere, um es "zum autonomsten Programm zu machen, das Lösungsanbietern zur Verfügung steht".
Neben der Erforschung von Funktionen wie KI-generierten Leistungsbeschreibungen (SOWs) verfolgt Google laut Smith die Vision von 90-tägigen Transformation-Sprints zur Stärkung der Eigenverantwortung anstelle eines jährlichen Innovationsrhythmus. Partner können mit weiteren Kompetenzen von Google rechnen, die ihnen helfen, ihre Fähigkeiten zu erweitern und sich von anderen im Ökosystem abzuheben.
Smith sagt, die Veranstaltung Google Cloud Next 2026 habe ihn seinem Ziel nähergebracht, in den ersten 100 Tagen seiner neuen Tätigkeit 500 Google-Partner zu treffen. Während des zweitägigen traf er sich mit etwa 200 Partnern.
Google-Partner sollten zudem neue Chancen erkennen, da der Technologieriese die Integration seiner kürzlich erfolgten Übernahme von Wiz vorantreibt; auch Wiz-Partner könnten Chancen ergreifen, wenn sie eine Ausweitung ihrer Google-Aktivitäten in Betracht zögen.
Einblick in den 750-Millionen-Dollar-Partnerfonds von Google Cloud
Der Fonds konzentriert sich auf groß angelegte Schulungen und Enablement sowie auf Kooperationen, bei denen Google Forward-Deployed Engineers (FDEs) einsetzt. Die FDEs werden mit Partnern in praktischen Workshops zusammenarbeiten und diese unterstützen, sagt Ichhpurani.
Der Fonds umfasst Pre-Sales-Investitionen wie die Kofinanzierung von Minimum Viable Products (MVPs), die Produktionsdaten von Kunden nutzen, ein Geschäftsergebnis zeigen und dann in größerem Umfang skaliert werden. Der Fonds umfasst auch Post-Sales-Aktivitäten wie Anreize zur Förderung von Kunden-Projekten zur Aktivierung von Googles KI-Tools.
"Zukunft, in die wir unser Ökosystem führen wollen"
Ichhpurani zufolge können Partner auf Googles Agentenplattform aufbauend Agenten entwickeln und diese in Gemini Enterprise integrieren, um eine größere Verbreitung zu erreichen.
Zu den ergebnisorientierten Geschäftsmodellen, die Dienstleistungspartner verfolgen könnten und die im Zeitalter der KI-Agenten sinnvoll sind, gehören die Messung der Anzahl von Kundendienstanfragen, im Gesundheitsbereich die Anzahl von Patienten, die nach einer Operation nicht erneut ins Krankenhaus aufgenommen werden, sowie Marketing-Konversionsraten. "Das sehen wir als die Zukunft, in die wir unser Ökosystem führen wollen".
Satish Thomas, Vice President of Applied AI and Platform Ecosystem bei Google Cloud, der wie Smith ebenfalls eine lange Karriere bei Microsoft hinter sich hat (vor rund 20 Jahren begannt er dort als Praktikant), und der im Januar zu Google wechselte , erklärt gegenüber CRN, dass der 750-Millionen-Dollar-Fonds zusätzlich zu einem Commit-Total-Addressable-Market (TAM) von fast 250 Milliarden Dollar stehe, den Kunden für den Erwerb von Partnerlösungen nutzen können, die in den Marktplätzen von Google angeboten werden.
Agenten-Marktplätze: Google Cloud Marketplace, Gemini Agent Gallery
Thoma zufolge will Google das weltweit größte Ökosystem aus von Google entwickelten und Drittanbieter-Agenten über Branchen, Funktionen und Geschäftsprozesse hinweg aufbauen. Agenten seien über den Google Cloud Marketplace, die Gemini Enterprise Agent Gallery und die Google Workspace-Suite von Produktivitätsanwendungen auffindbar und einsetzbar, so der Manager. "In all meinen Jahren in der Branche war ich noch nie so begeistert von dem, was wir alle gemeinsam als Ökosystem im Namen unserer Kunden erreichen werden."
Für Google-Kunden verkürzt KI die Zeit, die für die Erstellung von Arbeitsergebnissen und das Treffen von Entscheidungen benötigt wird, so Thomas. Nutzer suchen nach Handlungssystemen mit Agenten, die Muster aufdecken und Prozesse im Namen des Nutzers kontinuierlich optimieren - im Gegensatz zu einem statischen Aufzeichnungssystem.
Googles Investitionen in den Marketplace richten sich nicht nur an seine größten Lösungsanbieter, so Thomas. Lösungsanbieter unterschiedlicher Größe, mit verschiedenen Branchenspezialisierungen und Geschäftsmodellen sollten hier Chancen erkennen.
Systemintegratoren und andere Lösungsanbieter entwickeln bereits wiederverwendbare Agenten für den Einsatz über den Marktplatz, sagt er, wobei Partner auch bei der Bereitstellung auf der letzten Meile helfen können. Während Partner Googles Marktplätze für die Auftragsabwicklung bereits weitläufig nutzen, investiere der Anbieter laut Thomas darin, den Marktplatz für die Suche und Beschaffung zu verbessern.
KI-Transformation in verschiedenen Branchen
Partner spielen eine entscheidende Rolle bei der Erschließung der KI-Transformation in einer Vielzahl von Branchen, sagt Googles Chef des Partner-Ökosystems Ichhpurani - von der Neugestaltung von klinischen Studien bei Pharmaunternehmen bis hin zur Bearbeitung von Schadensfällen durch Versicherungsgesellschaften. Google hat die wichtigsten KI-Anwendungsfälle, die es bei Kunden beobachtet, auf 120 verschiedene Aufgabenbereiche eingegrenzt, die erhebliches Potenzial für die "Agentifizierung" hätten. Das Marktvolumen für agentische KI beziffert Google auf über 20 Billionen US-Dollar.
Dies sei eine gemeinsame Chance mit den Partnern, bekundet Ichhpurani. Google verfügt über FDEs, die gemeinsam mit Partnern vorgefertigte Agenten entwickeln und die sie auf Googles Marktplatz vertreiben können.
So hat vor allem Salesforce diesen Monat ein FDE-Partnernetzwerk ins Leben gerufen, um ausgewählten Lösungsanbietern mehr technisches Fachwissen zu vermitteln und ihnen direkte Verbindungen zu den internen Produktteams von Salesforce zu ermöglichen.
Googles Alleinstellungsmerkmal
Während Anthropic, OpenAI und andere KI-Start-ups beginnen, eigene Channel-Partnerprogramme aufzubauen und Unternehmen mit ihren Produkten locken, bleibt Google der Anbieter, auf den man setzen sollte – unter anderem aufgrund des vollständigen Technologie-Stacks, den das Unternehmen auf den Markt bringt, erklärten Führungskräfte des Konzerns gegenüber CRN.
"Es gibt buchstäblich niemanden sonst, der es mit Google aufnehmen kann, wenn es darum geht, was wir Partnern aller Größenordnungen bieten können", sagt Smith selbstbewusst. "ISVs, SIs aller Größen und Kompetenzstufen sowie einige unserer großen, bedeutenden Partner".
Als Beispiel für die Breite des Produktportfolios von Google nennt Thomas, dass der Anbieter im Rahmen von Next 2026 unter anderem die achte Generation seiner Tensor Processing Units (TPUs) für neuronale Netzwerk-Workloads sowie weitere Infrastrukturinnovationen vorgestellt habe. Google biete zudem Lösungen für die verschiedenen Ebenen der KI-Transformation an, von Agenten und Anwendungen bis hin zu Modellen, Daten und Sicherheit.
"Wir lösen wahrscheinlich die größte Herausforderung für viele dieser Unternehmen, nämlich die Verbreitung und das Vertrauen der Unternehmen", so Thomas. "Es ist der ganzheitliche Ansatz, bei dem die gesamte Google Cloud zum Tragen kommt, um diese Geschäftsziele zu erreichen und unsere Kunden auf ihrem Weg zur KI zu unterstützen."
Googles Datenplattform kann den Treibstoff freisetzen, der KI und KI-Agenten antreibt, unabhängig davon, in welcher Cloud sich die Daten befinden – ein leistungsstarkes Werkzeug, wenn Kunden ihre Daten noch organisieren müssen, bevor sie KI implementiere, erläutert der Manager.
Partner müssten weiterhin ihr Fachwissen in den Bereichen Branche, Domäne, Geschäftsprozesse, Technik und Change-Management einbringen, um die Google-Lösungen erfolgreich umzusetzen, so Ichhpurani. "Stellen Sie sich Gemini Enterprise als die Plattform vor, und der Partner verwandelt sie dann in eine Lösung", sagt der Präsident des globalen Ökosystems von Google Cloud, Kevin Ichhpurani.
Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden