Tech-Riesen schießen gegen schärferes Emissions-Reporting

Mehrere Tech-Konzerne wie Amazon, Apple, Ebay, HPE und Salesforce fordern gemeinsam mit Energieversorgern und anderen Industrieunternehmen eine Abschwächung der neuen Vorgaben des Greenhouse Gas Protocol, das die Leitplanken für internationale Regeln zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen vorgibt.

(Foto: Igor Borisenko - GettyImages)

Es ist noch nicht allzu lange her, da schien der Technologie-Branche nichts wichtiger zu sein als ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Konzerne von Apple bis Microsoft gelobten, CO₂-neutral zu sein oder bald werden zu wollen. War schon das oft mehr dem Marketing und geschickten Rechnereien geschuldet, ist das Interesse daran spätestens angesichts des rapiden Ausbaus der KI-Datacenter-Kapazitäten erheblich geschrumpft. Das belegt nun einmal mehr die Reaktion auf die neuen Vorschläge für das Greenhouse Gas Protocol (GHGP) zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen, die in einigen Bereichen eine deutliche Verschärfung vorsehen.

Mit einem öffentlichen Aufruf fordern 66 Unternehmen, darunter auch zahlreiche IT-Größen wie Amazon, Apple, Ebay, HPE und Salesforce, eine Abschwächung der ersten großen Revision der GHGP-Standards seit ihrer Einführung 2015. Insbesondere stören sie sich an der darin geplanten Einführung einer "marktbasierten Bilanzierung", die beim freiwilligen Bezug von CO₂-neutraler Energie eine stündliche Überprüfung auf physischer Lieferbasis vorsieht. Das soll belegbar sicherstellen, dass tatsächlich nur entsprechende Energielieferungen ausgewiesen werden können. Die Konzerne halten das jedoch für den falschen Ansatz, der ihnen zwar viel Arbeit macht, aber nur zu "begrenztem Nutzen für die Genauigkeit der CO₂-Bilanzierung" führe.

Weniger Effekt durch mehr Kontrolle?

Sie äußern sich "extrem besorgt", dass die neue Bilanzierung damit sogar im Gegensatz zur Intention zu "Ineffizienzen bei Maßnahmen des Privatsektors" führen könnte, "was die systemweite Dekarbonisierung verlangsamt" und Unternehmen dadurch "möglicherweise in erheblichem Maße" von der freiwilligen Beschaffung sauberer Energie abhalte. Das könne letztendlich auch "zu höheren Strompreisen für Privatpersonen und Unternehmen" führen, so die Unternehmen weiter. Sie fordern das GHGP-Gremium deshalb "nachdrücklich auf, die bestehenden Leitlinien zu verbessern, jedoch keine entscheidenden Investitionen in die Dekarbonisierung der Stromerzeugung zu behindern, indem sie eine Änderung vorschreibt, die die Teilnahme an diesem freiwilligen Markt grundlegend gefährdet, der als Dreh- und Angelpunkt der Dekarbonisierung in fast allen Wirtschaftssektoren fungiert". Die überarbeiteten Leitlinien müssten "die Beschaffung sauberer Energie fördern und wirkungsvollere Maßnahmen von Unternehmen ermöglichen, anstatt diese unbeabsichtigt zu behindern", so das Papier weiter.

Dass die Konzerne so vehement gegen die neuen GHGP-Vorschläge vorgehen, obwohl diese an sich nicht rechtlich bindend sind, hat einen einfachen Grund: Die Richtlinien des vom World Resources Institute (WRI) und des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) getragenen Gremiums haben sich in den letzten Jahren als Standard etabliert, dessen Vorgaben auch viele Regierungen in ihre entsprechenden Gesetze mit einfließen lassen. Das führt dazu, dass der Organisiation zufolge über 90 Prozent der veröffentlichungspflichtigen Unternehmen aus dem S&P-500.Index das GHG-Protokoll als Basis für ihre Bilanzierung nutzten.

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