Stolpersteine und Booster für KI im Mittelstand
Mehr als drei Viertel der mittelständischen Unternehmen in Deutschland setzen bereits KI im Produktivbetrieb ein. Allzu oft sind das allerdings noch immer Pilotprojekte, bei deren Integration und Absicherung sie Hilfe von Dienstleistern brauchen, um das volle Potenzial zu erschließen.
Die KI-Welle ist im deutschen Mittelstand angekommen. Das bestätigt die Studie "AI zwischen Vision und Umsetzung – Wie der Mittelstand den Schritt von Pilotprojekten zur breiten Umsetzung schafft", die das Analystenhaus techconsult im Auftrag von Cancom und ServiceNow durchgeführt hat. In der ihr zugrunde liegenden Befragung der IT- und Business-Entscheider von Firmen zwischen 500 und 2.000 Mitarbeitern in Deutschland gaben 76 Prozent an, dass KI in ihrem Unternehmen bereits produktiv genutzt wird. Zumeist handelt es sich dabei um Tools wie generative KI und Chatbots, aber auch Agenten werden bei 21 Prozent der Firmen bereits genutzt oder zumindest evaluiert. Weitere 36 Prozent wollen Agentic AI noch in den nächsten 12 Monaten einführen, um damit die nächste Stufe der der Prozessoptimierung und Automatisierung zu erreichen.
Der Bedarf an entsprechenden Lösungen sowie der dafür benötigten Hardware und Service- sowie Beratungsleistungen wird damit auf absehbare Zeit weiter wachsen. "Die Studie zeigt deutlich, dass AI im Mittelstand die Experimentierphase verlassen hat", fasst Simon Russin, Vice President Enterprise Applications bei Cancom, zusammen. "Der entscheidende nächste Schritt ist nun die kontrollierte und skalierbare Integration in unternehmenskritische und wertschöpfende Prozesse."
Isolierte KI erzeugt Silos und Risiken
Allerdings gibt es dabei auch einige Hürden. Oft haben die Unternehmen schon beim Übergang von der Experimentierphase in den Produktivbetrieb mit einigen Problemen zu kämpfen. In der Befragung zeigt sich das daran, dass nur 26 Prozent die KI bereits vollständig in ihre Kernprozesse integriert haben. Der größere Teil der Unternehmen betreibt sie also weiterhin nur im Rahmen von Pilotprojekten oder isolierten Anwendungsfällen und kann ihr volles Potenzial dadurch meist nicht heben. Teils geschieht das, weil ihnen schlichtweg die Kompetenzen fehlen, teils hapert es der Studie zufolge aber auch an einer entsprechenden Strategie. Beides Punkte, an denen Dienstleister gut ansetzen können.
In der genaueren Betrachtung konstatiert die Studie hierzu, dass Unternehmen mit einem klaren "AI-First"-Ansatz ihre KI deutlich häufiger vollständig operationalisiert haben und untermauert damit den Zusammenhang zwischen Strategie und Reifegrad. Dem stehen allerdings 49 Prozent der Befragten gegenüber, die beim KI-Einsatz zumindest bislang auf isolierte Bereichsstrategien setzen. Das bremst nicht nur die KI aus, sondern führt in den meisten Fällen zugleich zu Datensilos, ineffizienten Parallelstrukturen und auch zusätzlichen Sicherheitsrisiken. Ähnliches gilt für jene 16 Prozent, die einräumen, dass bei ihnen unkontrollierte "Schatten-KI" genutzt werde.
Dabei laufen sie just den hehren Bemühungen der Unternehmen zuwider, das Sicherheitsniveau anzuheben und die Compliance auch unter den zunehmend anspruchsvollen Bedingungen sicherzustellen. Nicht zuletzt deshalb geben wohl 38 Prozent als größtes Hindernis bei der KI-Integration die Bereiche IT-Sicherheit und Risikomanagement an, gefolgt von Kosten und Budgetrestriktionen (28 Prozent). Fehlendes Knowhow liegt hier mit 25 Prozent nur auf dem dritten Rang. Ähnlich häufig genannt werden regulatorische Anforderungen an die Datensouveränität (23 Prozent) und regulatorische Unsicherheiten (22 Prozent).
Dienstleister mit Integrations-, Branchen- und Sicherheitskompetenz gesucht
Angesichts der zu erwartenden weiteren Verschärfungen im Zuge von Regelwerken wie dem EU AI Act, NIS2, EU-DSGVO und der damit einhergehenden Überführung von freiwilliger Governance in regulatorische Pflichten werden gerade diese Punkte weiter an Bedeutung gewinnen – für die Unternehmen, wie auch ihre Dienstleister. Immerhin nennen schon jetzt 28 Prozent der befragten Unternehmensvertreter ausdrücklich die nachweisbare Compliance-Fähigkeit als Kriterium bei der Wahl ihrer IT-Dienstleister.
Darüber hinaus sollten diese infrastrukturellen und organisatorischen Fähigkeiten einbringen, um die bestehenden Silos aus den Fachbereichen und Projekten in integrierte IT- und Prozessarchitekturen zu überführen. Gesucht sind der Umfrage zufolge strategische Transformationspartner mit technischer AI-Expertise (40 Prozent), Branchenverständnis (35 Prozent) sowie einen ganzheitlichen Architekturansatz (34 Prozent). Dabei stellen die Unternehmen ganz klar das belastungsfähige Ergebnis in den Vordergrund. Nur für 23 Prozent spielt die Geschwindigkeit eine entscheidende Rolle bei der Wahl des IT-Partners.
"Unternehmen benötigen heute mehr als isolierte AI-Anwendungen. Gefragt sind integrierte Plattformen, die Daten, Prozesse und AI sicher miteinander verbinden", konstatiert Alwin Schauer, AVP Alliances & Channels Ecosystem bei ServiceNow. Eine Entwicklung, die mit entsprechenden Anforderungen an Dienstleister einhergeht. "Gerade mit Blick auf Agentic AI werden Transparenz, Kontrolle und Governance zu entscheidenden Voraussetzungen für den produktiven Einsatz autonomer Systeme", ergänzt Schauer.
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