Refresh für Ryzen AI: AMD nimmt Intel und Nvidia ins Visier
Mit großen Ambitionen schickt AMD zur CES sein neues Lineup ins Rennen: Während die neuen Ryzen AI 400-CPUs im PC-Segment Intels Modelle übertreffen sollen, verspricht der Hersteller für die leistungsstärkeren Ryzen AI Max-Prozessoren sogar den Chip in Nvidias DGX Spark Mini-PC schlagen – zumindest beim Preis-Leistungs-Verhältnis.
AMD hat die CES 2026 genutzt, um eine neue Reihe von Ryzen AI-Prozessoren vorzustellen. Einige von ihnen treten direkt gegen Intels aktuelle Modelle in PCs sowie besonders dünnen und leichten Laptops an. Gleichzeitig fordert das Unternehmen aber auch den Platzhirsch Nvidia DGX Spark im neuen Bereich der Mini-KI-Workstations heraus.
Ryzen AI 400 und Ryzen AI 400 Pro
Mit der neuen Ryzen AI 400-Serie, zu der 7 Standard- und 6 Pro-Modelle für Enterprise-Nutzer gehören, steigert der kalifornische Chipdesigner die maximale CPU-Frequenz auf 5,2 GHz und erhöht nach eigenen Angaben die NPU-Leistung auf 60 Billionen Operationen pro Sekunde (TOPS) für Laptops, die mit Microsofts Copilot+ PC-Programm kompatibel sind. Im Vergleich dazu erreichten die Vorgänger-Chips Ryzen AI 300 maximal 5,1 GHz und 55 TOPS. Darüber hinaus will AMD diese Leistung künftig auch auf andere Plattformen bringen und kündigte entsprechende Pläne für sockelbare Ryzen AI 400-Modelle für Desktop-PCs an. Erste Laptops und andere kompakte Geräten von Dell Technologies, HP Inc., Lenovo und weiteren OEMs sollen noch im ersten Quartal auf den Markt kommen, die Desktops werden dann im zweiten Quartal erwartet.
AMD positioniert die neue Generation der Ryzen AI-Chips für Nutzer, die Geräte mit der besten CPU-, GPU- und NPU-Leistung in Kombination mit mehrtägiger Akkulaufzeit und "führender KI-Leistung und -Erfahrung" wünschen. Dafür erhöhen die Ryzen AI 400-Prozessoren auch die Grafikfrequenz auf bis zu 3,1 GHz und die Speicher-Geschwindigkeit auf maximal 8.533 Megatransfers pro Sekunde (MT/s), gegenüber den 2,9 GHz Grafikfrequenz und 8.000 MT/s Speicher-Geschwindigkeit der vorherigen Generation. Unverändert gegenüber der Ryzen AI 300-Serie bleiben die maximal 16 Kerne und 32 Threads auf Basis der Zen-5-Architektur sowie die maximal 16 GPU-Kerne auf Basis der RDNA 3.5-Architektur.
Im Vergleich zu Intels 8-Kern-CPU Ultra 9 288V mit ihren 30-Watt behauptet AMD, dass der 28-Watt ziehende 16-Kerner Ryzen AI 9 HX 470 beim Multitasking 30 Prozent schneller, bei der Content-Erstellung 70 Prozent schneller, beim Gaming 10 Prozent schneller und beim Cinebench 2024 nT-Benchmark 70 Prozent schneller ist – und das im Akkubetrieb im ausgewogenen Energiemodus. "Mit den Ryzen AI 400-Serie-Prozessoren führen wir in jedem Anwendungsfall, egal wofür Sie Ihren PC nutzen", unterstrich Rahul Tikoo, Senior Vice President und General Manager von AMDs Client Business Unit, in einem Pressebriefing.
Alle neue AMD Ryzen AI 400 / Pro CPUs im Überblick:
Neue AMD Ryzen AI Max: Vergleiche mit Nvidia DGX Spark
Gleichzeitig verbessert AMD auch seine vor einem Jahr eingeführten Ryzen AI Max-Prozessoren. Um deren Leistungssteigerung zu belegen, führt AMD Vergleiche mit den Chips in der Nvidia DGX Spark Mini-Workstation und dem MacBook Pro mit Apples M5-Chip an.
Die Max-Chips sind größer und leistungsfähiger als die Standard-Ryzen AI-Prozessoren, vor allem dank der maximal 40 GPU-Kerne auf Basis der RDNA 3.5-Architektur. Dadurch erreicht die integrierte GPU AMD zufolge bis zu 60 Teraflops. Das Topmodell bietet bis zu 16 Zen 5-Kerne, 32 Threads und einen Boost von 5,1 GHz. Alle anderen Modelle erreichen 5,0 GHz und bieten eine NPU-Leistung von 50 TOPS. Ein zentrales Merkmal der Ryzen AI Max-Serie ist außerdem die Möglichkeit, bis zu 128 GB Systemspeicher für die große, integrierte GPU zuzuweisen, wodurch sie sich besonders gut für große KI-Modelle und andere anspruchsvolle Aufgaben empfehlen soll. "Mit den Ryzen AI Max-Prozessoren haben wir den ultimativen Prozessor für Content-Ersteller und Gamer entwickelt und auf einem gemeinsamen Design zusammengeführt. Damit haben wir einen neuen PC-Typ für KI-Entwickler geschaffen, die große Leistung benötigen", so Tikoo.
Mit der Erweiterung der Produktpalette führt AMD 8- und 12-Kern-Modelle ein, die bis zu 40 GPU-Kerne haben und 60 Teraflops erreichen. Das bedeutet im KI-Bereich eine Leistungssteigerung um 50 Prozent gegenüber den 8- und 12-Kern-Produkten aus dem Vorjahr, die mit ihren 32 GPU-Kernen bis zu 40 Teraflops erreichen. Damit sieht sich AMD nun auch stark genug aufgestellt, um selbst Nvidia anzugreifen. Das untermauert der Hersteller mit neuen Vergleichen, in denen er etwa die HP Z2 Mini G1a Mini-Workstation mit ihrem Ryzen AI Max+ 395 Pro und 128 GB Systemspeicher der Nvidia DGX Spark gegenüberstellt, die mit dem GB10-System-on-Chip und ebenfalls 128 GB Speicher läuft, und mit der Nvidia im vergangenen Jahr diese neue Workstation-Klasse für KI-Entwickler begründet hatte.
AMD behauptet, dass das HP-Gerät 50 Prozent mehr Tokens pro Sekunde und Dollar für OpenAIs 20 Milliarden Parameter umfassendes GPT-OSS-Sprachmodell und 70 Prozent mehr Tokens pro Sekunde und Dollar für die 120-Milliarden-Parameter-Version desselben Modells liefert. "Vergleicht man die Ryzen AI Max-Plattform mit dem neuesten Nvidia DGX Spark, erhält man eine fantastische KI-Leistung zu einem deutlich besseren Preis als beim DGX Spark, wie hier bei den neuesten GPT-OSS-Modellen gezeigt", sagte Tikoo. Darüber hinaus betonte AMD, dass im Gegensatz zum DGX Spark, der auf einer angepassten Version des Linux-basierten Ubuntu-Betriebssystems läuft, Ryzen AI Max-Systeme sowohl Windows als auch Linux unterstützen und somit Tausende von Windows-Anwendungen laufen lassen können.
Mit Blick auf Apple führte das Unternehmen an, dass das Asus ROG Flow Z13 Laptop mit dem Ryzen AI Max+ 395 Pro einen MacBook Pro mit Apples aktuellem M5-Chip laut internen Benchmarks um 40 Prozent bei KI-Inferenz, 80 Prozent beim Multitasking, 80 Prozent bei der Content-Erstellung und 60 Prozent beim Gaming übertreffe. Damit sieht sich AMD in einer starken Position gegenüber den Chips im DGX Spark und im M5-basierten MacBook Pro und rechnet sich gute Chancen im Bereich leistungsstarker PCs mit kleinem Formfaktor aus. Auch wenn Tikoo einräumte, dass dieses Segment deutlich kleiner ist als der Bereich für die Standard-Ryzen-AI-Chips: "Wir sehen definitiv großes Interesse an den Ryzen AI Max-Chips im Bereich Content-Erstellung und KI-Entwicklung. Aber die Ryzen AI Max-Chips sind nicht für die große Mehrheit der alltäglichen Anwendungsfälle wie Büroarbeit, mobiles Arbeiten, Consumer oder Gaming gedacht, sondern für spezielle Aufgaben."
Darüber hinaus hat AMD auch eine Reihe neuer Ryzen AI Embedded-Chips vorgestellt, die in Bereichen wie Automotive, Smart Healthcare, Robotik und anderen autonomen Subsystemen ebenfalls den Druck auf Nvidia erhöhen sollen.
Dieser Artikel entstand mit Material unseres geschätzten Kollegen Dylan Martin von crn.com.
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