Rechenzentren: Playmobil sticht Anthropic aus

Nach dem Entschluss zur Verlagerung der Produktion ins Ausland will Playmobil sein Areal zum Rechenzentrumscampus für seine Digital-Tochter umbauen. Damit blockiert der Spielzeughersteller ein Projekt des KI-Konzern Anthropic einige Kilometer weiter, für das nicht mehr ausreichend Strom zur Verfügung steht.

(Foto: Horst Brandstätter Group / Playmobil)

In Mittelfranken konkurrieren derzeit zwei äußerst ungleiche Unternehmen um den Bau von Rechenzentren: Der rasant aufsteigende KI-Konzern Anthropic und der angeschlagene Spielzeughersteller Horst Brandstätter Group. Und es sieht ganz so aus, als hätte der kleine Lokalmatador Playmobil-David die deutlich bessern Chancen als der KI-Goliath mit all seinen Investment-Milliarden. Der wollte eigentlich gemeinsam mit der Gemeinde Neuhof an der Zen eine entsprechende Anlage im beschaulichen Weiler Hirschneuses errichten. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet (BR), droht das nun allerdings zu scheitern, da der dafür benötigte Strom bereits einem anderen versprochen ist, und zwar Playmobil.

Für die Seite von Anthropic kommt das einigermaßen überraschend, hatte Playmobil doch erst im Sommer seine Produktion am Standort in Dietenhofen eingestellt und rund 350 Mitarbeitende entlassen, um die Plastikfiguren und -Welten künftig günstiger im Ausland zu fertigen. Eigentlich sollte damit der Weg frei sein, dass der Energielieferant N-ERGIE das etwa 5 Kilometer entfernte Anthropic-Rechenzentrum mit entsprechenden Kapazitäten versorgen kann. Doch die Horst Brandstätter Group denkt nicht daran, mit der Produktion auch das 18 Hektar große Industrieareal stillzulegen. Ganz im Gegenteil soll es für einen dreistelligen Millionenbetrag in einen "Playmobil digital" Rechenzentrumscampus umgewandelt werden, der sowohl internationalen als auch lokalen Unternehmen offensteht und den wachsenden Bedarf an KI- und Cloud-Infrastrukturen adressiert, wie das Unternehmen jetzt mitteilt.

"Wo über Jahrzehnte Playmobil produziert wurde, wollen wir künftig eine der wichtigsten Infrastrukturen der digitalen Zukunft ermöglichen", erklärt Matthias Fauser, Vorstand der Horst Brandstätter Group. Er ist überzeugt: "Dietenhofen kann damit zu einem bedeutenden Standort für KI, Digitalisierung und digitale Souveränität in Deutschland werden." Bau und Betrieb soll demnach ein Team "mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in den Bereichen Rechenzentren und IT" übernehmen.

Zusage für Playmobil digital – kein Strom für Anthropic

"Wir transformieren ein bestehendes Industrieareal, statt neue Flächen auf der grünen Wiese zu erschließen", Stichelt Matthias Fauser, Vorstand der Horst Brandstätter Group, gegen Anthropics Pläne (Foto: Horst Brandstätter Group)

Um das Playmobil-Rechenzentrum mit Energie zu versorgen, ist ein auf der bereits bestehenden 110-kV-Netzanbindung mit zwei separaten Zuführungen aufbauender Strompfad von zunächst 100 Megawatt vorgesehen, mit der Option auf weiteren Ausbau. Laut dem Playmobil-Hersteller hat N-ERGIE ihm die entsprechenden Kapazitäten auch bereits fest zugesagt. Gegenüber dem BR wollte N-ERGIE den direkten Zusammenhang mit dem Anthropic-Projekt zwar nicht kommentieren, bestätigte aber, dass die Nachfrage für geplante Rechenzentren die aktuell vorhandenen Kapazitäten deutlich überschreite.

Bei Playmobil nimmt man die Causa Anthropic und ihre Lesart indes laut "mit einem Schmunzeln zur Kenntnis". Das Unternehmen betont, man habe sich nie gegen andere Projekte ausgesprochen und unterstreicht, dass der geplante Campus niemandem den Weg versperre, sondern ihn vielmehr für eine Vielzahl an Partnern öffne. "Willkommen in Dietenhofen. Hier trifft sich die Welt: der Mittelständler aus der Region, der klassische Rechenzentrumsbetreiber, Unternehmen, Konzerne und der internationale Hyperscaler", erklärt René Feser, Vorstand der Horst Brandstätter Group. "Wir schließen niemanden aus, im Gegenteil: Wir laden alle ein, Teil dieses Campus zu werden“, sagt René Feser, Vorstand der Horst Brandstätter Group."

Dabei hat die Geschichte neben der industriellen und wirtschaftlichen auch noch eine politische Dimension. Denn trotz ihrer Nähe liegen in verschieden Landkreisen – Hirschneuses gehört zu Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (Landrat Christian von Dobschütz, CSU), während Dietenhofen im Kreis Ansbach (Landrat Marco Meier, Freie Wähler) liegt.

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