"Project Jupiter": Oracle sorgt für Beben im KI-Markt
Unter Berufung auf höhere Gewalt hat Oracle die Zahlungen für sein 18 Milliarden Dollar teures Giga-KI-Rechenzentrum "Project Jupiter" unter Vorbehalt gestellt. Während die dadurch möglichen Kapazitätsengpässe Oracle erst in zwei Jahren treffen könnten, sorgt der Schritt bei Investoren unmittelbar für einige hektische Reaktionen.
Der Bau von Oracles Giga-Rechenzentrum "Project Jupiter", das ab 2028 stolze 2,45 Gigawatt vorwiegend auf KI ausgerichtete Kapazität bereitstellen sollte, die nicht zuletzt für die Kooperation mit OpenAI gedacht sind, gerät ins Wanken. Hintergrund ist eine Force-Majeure-Mitteilung (höhere Gewalt) an den Datacenter-Anbieter Stack Infrastructure und eine als Projektentwickler beteiligte Tochtergesellschaft von Blue Owl Capital, mit der Oracle sich ausbedingt, die Mietzahlungen an die Projekt-Partner aufzuschieben. Im Fokus stehen dabei insbesondere Probleme bei der Energieversorgung, die nach dem Dafürhalten des Datenbankkonzerns nicht rechtzeitig zum geplanten Start sichergestellt werden kann. Unter anderem weil Umweltschutzverbände den Bau einer dafür notwendigen Gaspipeline blockieren.
Auch wenn Oracle und Blue Owl betonten, das Vorhaben liege weiterhin im geplanten Zeitplan und werde unverändert fortgeführt, sorgte der Schritt an der Börse für einige Unruhe. Sowohl die Anteile von Oracle als auch Blue Owl ließen im Anschluss zunächst jeweils mehr als vier Prozent nach, den beteiligten Brennstoffzellenhersteller Bloom Energy traf ein Kursrutsch von mehr als sieben Prozent. Auf Seiten von Oracle steht die Frage im Raum, inwieweit das Unternehmen bei einer verzögerten Inbetriebnahme oder einem Ausfall seine Kapazitätszusagen und diesbezüglichen vertraglichen Verpflichtungen einhalten kann. Hinzu kommt, dass die KI-Chips angesichts der schnellen Entwicklung schnell veralten. Der Betreibergesellschaft fehlen einstweilen unmittelbar die Zahlungen für Schuldendienst der über ein Konsortialdarlehen finanzierten Anlage. Einige Banken bieten die Papiere zu den Krediten laut Medien wie der Financial Times bereits mit Abschlägen an Sekundärmärkten an, finden trotz der allgemein guten Stimmung bei entsprechenden KI-Investitionen aber kaum Interessenten dafür.
Energiesorgen lassen Investoren vorsichtiger werden
Der Fall betrifft jedoch nicht nur Oracle, sondern unterstreicht ein allgemeines Risiko im aktuellen Boom bei KI-Infrastrukturen. Aktuelle Analysen gehen davon aus, dass von den derzeit in den USA geplanten rund 400 Gigawatt nur etwa ein Drittel bereits abgesichert ist. Beim Rest hapert es, ähnlich wie bei Oracle, an der Energieversorgung und Finanzierung, insbesondere oft besonders großen und teuren KI-Datacenter. Auf der finanziellen Seite beziffert Morgan Stanley den in den nächsten zwei Jahren weltweit notwendigen Investitionsbedarf auf knapp 3 Billionen US-Dollar. Davon können die hauptsächlich dahinter stehenden Hyperscaler aus ihrem operativen Cashflow allerdings nur die Hälfte selbst abdecken. Die andere Hälfte muss somit im Wesentlichen über Fremdkapital finanziert werden.
Angesichts dieser Dimensionen werden viele Investoren nun allerdings vorsichtiger und schrauben die Risikobewertung nach oben, sodass die ersten dafür geforderten Renditen bereits den zweistelligen Bereich erreichen. Zusätzlich verstärkt wird der Effekt durch die wachsende Angst der Kapitalgeber vor einem Klumpenrisiko bei solchen Anleihen. Dieses Bild bestätigt auch eine Auswertung der Börse in London, die für 78 der bisher 91 in diesem Jahr herausgegebenen entsprechenden Anleihen der Hyperscaler inzwischen Kursabschläge verzeichnet. Bereits im Sommer hatte die Rating-Agentur Moody’s die Studie "Power without delivery" vorgelegt, in der ebenfalls die Energieversorgung als kritischer Punkt bei den gigantischen Investitionen in Rechenzentrumsprojekte herausgearbeitet wird. Damit reiht sich der aktuelle Fall um Oracle in das Bild ein, dass gerade in der mittelfristigen Perspektive immer mehr Schatten über dem anhaltenden Cloud- und KI-Boom aufziehen.
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