Neue Virtualisierungslösungen von Lenovo – mit oder ohne VMware
Virtualisierungsoffensive bei Lenovo: Der Technologiekonzern stellt Kunden und Partnern Alternativen bereit, die sich von Marktführer VMware oder anderen Anbietern abwenden wollen oder müssen. Zudem will Lenovo Wettbewerbern wie Dell und HPE Paroli bieten.
Lenovo will Lösungspartnern mit einer Reihe neuer Infrastrukturlösungen und Services dabei helfen, Modernisierungsfragen rund um die Virtualisierung bei Kunden zu bewältigen – unabhängig davon, ob sie sich wegen der Folgen der Übernahme durch Broadcom von VMware abwenden.
Scott Patti, Vice President in Lenovos Infrastructure Solutions Group erklärt gegenüber CRN, der chinesische Technologiekonzern wolle Partner und Kunden mit den am Mittwoch angekündigten neuen Angeboten "dort abholen, wo sie sich auf ihrer ISV-Auswahlreise befinden".
"Es geht darum, unseren Kunden Auswahlmöglichkeiten zu geben. Wir wollen ihnen im Grunde ein möglichst großes Angebot zur Verfügung stellen, aus dem sie wählen können. Wir wollen dabei helfen, die Lösungen zu kuratieren. Es ist nicht einfach nur: 'Hier sind ein paar Komponenten, Kunde, finde es selbst heraus, was für dich passt'", so Patti über die Virtualisierungsoffensive von Lenovo. Der Manager wechselte vergangenen Dezember zu Lenovo, nachdem er zuvor 19 Jahre lang bei Dell Technologies gearbeitet hatte.
Lenovo treibt die Modernisierung der Virtualisierung auch voran, um sich weiter von Wettbewerbern wie Dell und HPE abzuheben. Die Infrastructure Solutions Group hat aktuell einen sehr guten Lauf: Der Umsatz im ersten Geschäftsquartal, das im Juni endete, wurde verdoppelt und erreichte mit 8,5 Mrd. Dollar einen Rekordwert. Treiber ist die KI-Nachfrage.
Chris Bogan, Vice President of Alliances beim in Houston ansässigen Lenovo-Systemintegrationspartner Mark III Systems, erklärt gegenüber CRN, der Schritt sei ein weiterer Weg, mit dem Lenovo versuche, seinen Anteil gegenüber Wettbewerbern im Rechenzentrumsmarkt auszubauen. "Sie sind ziemlich innovativ, wenn es darum geht, auf Softwareanbieter und ISVs zuzugehen. Ich denke, das ist ein Beispiel dafür", sagt er.
Neue vorvalidierte Lösungen könnten bei Lieferproblemen helfen
Zu Lenovos neuen Angeboten gehören ein Intel-basierter ThinkAgile-VX-Server für VMware-Umgebungen sowie vorvalidierte Lösungen für Systeme, die von konkurrierenden Virtualisierungsanbietern wie Microsoft, Red Hat, Nutanix und Suse unterstützt werden. Darüber hinaus stellte das Unternehmen eine Reihe von Bereitstellungsservices für Kunden mit unterschiedlichen Supportanforderungen vor.
Das neue ThinkAgile-VX850-V4-System ist das erste Produkt der VX-Serie mit Intels Xeon-6-CPUs und richtet sich an Kunden mit hohem Speicherbedarf für Workloads mit strukturierten und unstrukturierten Daten, einschließlich In-Memory-Datenbanken.
Patti erläutert, das System baue auf jüngsten Ankündigungen auf, die Lenovo gemeinsam mit VMware auf der jüngsten VMware-Explore-Veranstaltung gemacht habe, unter anderem rund um Memory Tiering.
Die neuen vorvalidierten Lösungen decken mehrere konkurrierende Virtualisierungsplattformen ab, darunter Red Hat OpenShift, Nutanix, Suse, Microsoft Azure Local und Microsoft Hyper-V.
Diese Lösungen fallen unter das Lenovo-Express-Solutions-Portfolio, das Teil des Top-Choice-Express-Programms des Unternehmens ist. Laut einem Schreiben, das Lenovo im Juli an Partner verschickte, würde für die Produkte in diesem Programm das ganze Jahr über ein Angebotsfenster von 30 Tagen gelten. 90 Prozent der Bestellungen seien innerhalb von zehn Tagen ausgeliefert worden, so Lenovo.
Patti sagt, dies könne Partnern in einem, wie er es nannte, "sehr dynamischen Liefermarkt" helfen. Damit bezog er sich auf die KI-getriebene Komponentenversorgungskrise, die bei vielen Hardwareprodukten lange Lieferzeiten verursacht und OEMs, darunter in einigen Fällen auch Lenovo, dazu veranlasst hatte, Angebotsgültigkeiten für mehrere Monate in diesem Jahr zu verkürzen, bevor sie wieder auf 30 Tage zurückgesetzt wurden.
Michael Goldstein, Market President für Südostflorida beim in Fort Myers, Florida, ansässigen Lenovo-Managed-Services-Partner Entech, sagt, die Systemverfügbarkeit sei wegen der Engpässe das größte Problem seines Unternehmens gewesen, weshalb Lenovos Angebot attraktiv klinge. "Wir müssten uns die Spezifikationen der Express-Modelle ansehen, um zu prüfen, ob sie ins Raster passen. Aber es ist gut zu wissen, dass diese Express-Modelle verfügbar sind, wenn jemand in der Klemme steckt", sagt er.
Lenovo will Partner unabhängig von der Virtualisierungsplattform unterstützen
Patti stellt klar, dass Lenovo zwar nicht "auf die eine oder andere Virtualisierungsplattform ausgerichtet" sei, weil das Unternehmen eine breite Basis von Kunden und Partnern bedienen wolle. Dennoch sei Lenovo da, um Lösungsanbieter zu unterstützen, die aufgrund von Programmänderungen nach der Übernahme durch Broadcom für 69 Mrd. Dollar im Jahr 2023 ihren Partnerstatus bei VMware verloren hatten.
Broadcom hatte erklärt, man reduziere die Zahl der Partner in den VMware-Programmen, um sich auf jene zu konzentrieren, die "historische Leistungsniveaus, technisches und anderes relevantes Fachwissen" nachgewiesen hätten.
"Durch einige Dynamiken in der Branche ist sogar die Partner-Community betroffen. Was dürfen sie weiterverkaufen? Was dürfen sie nicht weiterverkaufen?", merkt Patti an. "Deshalb wollen wir auch für sie da sein. Wir wollen sicherstellen, dass sie großartige Technologie haben, mit der sie arbeiten können."
Patti zufolge ziele Lenovos Virtualisierungsoffensive auch auf Kunden, die gezwungen seien, eine Welt nach VMware in Betracht zu ziehen. Kunden sehen sich teils mit drastischen Preiserhöhungen konfrontiert, da VMware viele Lösungen nicht mehr anbietet und Änderungen an den Lizenzbedingungen vorgenommen hat. VMware hat sein traditionell auf unbefristete Lizenzen basierendes Geschäftsmodell zugunsten von Subscription-Umsätzen geändert.
Patti deutet jedoch an, dass einige Kunden möglicherweise auch aus anderen Gründen ihrre bestehende Virtualisierungsplattform wechseln wollten – auch wenn sie keine Lösungen von VMware einsetzen. "Manchmal gibt es einen kommerziellen Grund, warum sie wechseln möchten. Manchmal einen technischen, weil bestimme Workload oder Anwendung in einer anderen Umgebung einfach besser laufen."
Unabhängig von der jeweiligen Situation sieht der Manager Lenovo als wichtigen Technologiepartner für Lösungsanbieter und Kunden, die Virtualisierungs-Upgrades vorbereiten. "Wir führen sie durch unsere Sicht auf ihre IT-Umgebung und geben ihnen dann einen Überblick über die Landschaft, wie wir sie sehen, und helfen ihnen bei der Entscheidung, wohin sie sich langfristig in ihrer Virtualisierungsinfrastruktur entwickeln wollen", so Patti.
Neue Services und Lösungen sollen Kunden helfen, sich auf KI zu konzentrieren
Lenovo verbessert mit einem neuen Service namens Lenovo "Premier Deploy for Infrastructure" die Art und Weise, wie der Technologieanbieter Kunden beim Einrichten von Virtualisierungslösungen unterstützt.
Dieses Angebot besteht aus drei Bereitstellungsoptionen: Standard Deploy, Premier Deploy und Premier Deploy Plus. Die beiden letztgenannten umfassen Implementierungs- und Betriebsübergabe-Support für Kunden und Partner, die zusätzliche Unterstützung benötigen.
Patti erklärt ferner, dass Partner möglicherweise über eigene Fähigkeiten verfügen, um Kunden beim Aufbau neuer virtualisierter Umgebungen zu unterstützen. Der Bereitstellungsservice von Lenovo sei für jene im Channel gedacht, die sich möglicherweise auf andere Bereiche spezialisiert haben und denen das Implementierungs-Know-how fehlt. "Wir holen den Partner dort ab, wo er in Bezug auf seine entscheidenden Fähigkeiten steht, wo er sein Geschäft vorantreibt, und unterstützt ihn dort, wo es sinnvoll ist", so der Lenovo-Manager.
Mehr Zeit für KI-Projekte
Auch wenn Partner keine Hilfe bei Bereitstellungen benötigen, könne Lenovo ihnen laut Patti dabei helfen, zusätzlichen Aufwand bei Kundenprojekten zu reduzieren. Als Beispiel vereist er darauf, dass Lenovo die Stabilität von Firmware-Updates für ThinkAgile-Systeme validiere, damit Partner und Kunden "diese Puzzleteile" nicht selbst zusammensetzen müssten.
Indem Lenovo verschiedene Wege anbietet, Virtualisierungsbereitstellungen zu vereinfachen, hofft das Unternehmen laut Patti, Partnern und Kunden mehr Zeit für KI-Projekte verschaffen zu können. "Unsere Vision ist es, Kunden dabei zu helfen, ihre virtualisierten Umgebungen und ihre Infrastruktur zu modernisieren, damit sie mehr Zeit haben, nach vorn auf KI und künftige Workloads zu blicken. Deshalb ist uns das so wichtig."
Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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