Nach Schwarzem Donnerstag: SAP-Aktie eröffnet Börsenhandel deutlich im Plus
Die SAP-Aktie macht am frühen Freitagmorgen einen Teil ihres massiven Verlusts vom Vortag wett. Mit einem schwächeren Ausblick auf das Wachstum im Cloud-Geschäft hatte SAP die Börse geschockt: Die SAP-Aktie schloss am Donnerstag mit minus 16 Prozent und beschleunigte die Abwärtsdynamik seit vergangenem Herbst.
Nach dem Schwarzer Donnerstag für SAP erfolgt am Freitagmorgen an der Börse eine Gegenreaktion: Die Aktie startet mit einem Plus von über 5 Prozent in den Handel. Gestern brachen die Papiere von Europas größtem Softwareunternehmen nach Vorlage von Zahlen für das vierte Quartal 2025 und das Gesamtjahr um 16 Prozent ein und gingen mit 164,62 Euro aus dem Xetra-Handel. Die Marktkapitalisierung sank um 34 Milliarden Euro. SAP, Schwergewicht im Deutschen Aktienindex, zog das Börsenbarometer ins Minus: Der DAX verlor rund 2 Prozent und schloss bei 24.309 Punkten.
Gegenüber dem historischen Höchststand der SAP-Aktie Mitte Februar 2025 bei rund 280 Euro beträgt das Minus aktuell 59 Prozent. Zuletzt notierten die SAP-Papiere Mitte Februar 2024 auf dem Kursniveau von Donnerstag.
Grund für die drastische Reaktion: Die Walldorfer hatten im vierten Quartal weniger Neuverträge für das Cloud-Geschäft abgeschlossen als erwartet. Die Wachstumsrate beim Cloud-Auftragsbestand werde in den kommenden 12 Monaten geringer ausfallen als bislang angenommen.
Das starke Signal, auf das Investoren seit dem kontinuierlichen Rückgang ab Mitte Oktober letzten Jahres warten, bleib aus. Daher der freie Fall nach Vorlage guter Zahlen. Das 10-Mrd.-Euro schwere Aktienrückkaufprogramm konnte die Talfahrt nicht stoppen.
Das Statement von SAP-Chef Christian Klein überzeugte den Kapitalmarkt nicht: "Das vierte Quartal war durch ein starkes Cloudgeschäft gekennzeichnet. Durch den guten Auftragseingang wuchs der Total Cloud Backlog um 30 Prozent auf ein Rekordniveau von 77 Mrd. Euro an und mit dem beträchtlichen Wachstum des Current Cloud Backlog im vierten Quartal haben wir eine solide Basis, um beschleunigtes Wachstum bei den Umsatzerlösen bis 2027 zu erreichen".
Kleins Zitat zu 30 Prozent Wachstums bei "Total Cloud Backlog" ist allerdings auf Währungskurseffekte zurückzuführen. Bei konstanten Wechselkursen betrug das Plus lediglich 22 Prozenz. Gleicher Effekt bei anderen Kennzahlen. "Current Cloud Backlog" weist eine währungsbereinigte Wachstumsrate von 25 Prozent, bzw. 16 Prozent aus. Clouderlöse in Höhe von 21,02 Mrd. Euro stiegen im Gesamtjahr 2025 um 23 Prozent bzw. währungsbereinigt um 26 Prozent. Erlöse für Cloud ERP Suite von 18,12 Murd. Euro verbuchten ein Plus von 28 Prozent, bzw. währungsbereinigt 32 Prozent.
Die Umsatzerlöse erhöhten sich im Gesamtjahr 2025 um 8 Prozent. bzw. währungsbereinigt um 11 Prozent auf 36,8 Mrd. Euro. Der Jahresüberschuss sprang auf 7,33 Mrd. Euro, nach 3,12 Mrd. Euro im Vorjahr.
Auch Kleins Aussage zum KI-Geschäft verpuffte angesichts sinkender Wachstumsdynamik bei Cloud. "SAP Business AI ist zu einem wichtigen Wachstumstreiber geworden und bereits in zwei Drittel unserer Cloud-Vertragsabschlüsse im vierten Quartal enthalten. Gleichzeitig verzeichnen wir eine starke Nutzung künstlicher Intelligenz in der gesamten ERP-Suite."
Analysten-Ratings
Kaum uneinheitlicher könnte die Meinung von Börsenanalysten über SAP sein, nachdem die die Vorlage der Zahlen vom Donnerstag zur Kenntnis nahmen. Armin Kremser von der DZ Bank senkten den fairen Wert der SAP-Aktie von 210 auf 150 Euro und beließ es bei "Verkaufen". Der Auftragsbestand im Cloud-Segment habe enttäuscht
US-Bank JPMorgan senkte das Kursziel von 260 Euro von zuvor 290 und spricht sich für "Übergewichten" aus. Es herrsche "Sturm in der Cloud", so Analyst Toby Ogg am Donnerstagabend in seinem Bericht. Der Auftragsbestand Current Cloud Backlog mit einem währungsbereinigten Plus von einem Viertel habe die Erwartung verfehlt. 2024 habe das Plus noch 29 Prozent betragen.
Nay Soe Naing von der Privatbank Berenberg senkte das SAP-Kursziel von 280 auf 250 Euro, beließ es aber bei der Éinstufung "Kaufen". An den langfristigen Anlagezielen habe sich nicht verändert, der massive Kurseinbruch rechtfertige nicht die moderate Verfehlung der Erwartungen.
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