Microsoft-Traumstatus MVP gegen alle Widerstände
'Ich bin nun einer der besten Microsoft-Experten der Welt', genießt Patrick Kelbch im Stillen die höchste Auszeichnung, die Microsoft zu verleihen hat. Die Geschichte des 34.-jährigen IT-Unternehmers sagt viel über eine Gesellschaft aus, die Menschen wegen ihres "Anderssein" ausschließt und ihnen vorteilig Talente abspricht. Most Valuable Professional zu werden, beispielsweise.
Patrick Kelbch fehlte in den letzten Jahren auf keiner Impulse, dem großen Systemhaus-Events von Synaxon. Denn den IT-Unternehmer verbindet mit der Systemhaus-Kooperation eine lange und intensive Geschäftspartnerschaft. In diesem Jahr aber wird man ihn auf der Impulse (24. bis 25. März) vermissen, denn Patrick fliegt nach Seattle und wird in Redmond zum ersten Mal an einem sehr elitären Summit von Microsoft teilnehmen. Dazu später mehr.
Das Modell eines mobilen PC Spezialist-Partners war IT-Unternehmer Kelbch wie auf den Leib geschnitten. Synaxon hatte PC Spezialist ursprünglich als Franchise-Modell aufgezogenen - die Retail-Kette für Computer, Zubehör und Reparaturen. Später kamen Managed Services im Flatrate-Angebot dazu. Ein Ladengeschäft wollte und konnte Patrick nicht betreiben, er hat sich von Beginn seiner Unternehmerkarriere an auf Services konzentriert: Kunden bei PC-Installationen unter den Arm zu greifen, sie zu beraten, Server aufzusetzen, technische Probleme remote zu beseitigen.
Vom Schüler und PC-Spezialisten zum KI-Experten in Sachen Microsoft Copilot
Patrick hatte 2005, mit 13 Jahren, seine Leidenschaft für Computer entdeckt und später zum Beruf gemacht – seit Mitte 2020 mit der Firma Preventech IT-Service. Der Name ist Programm: "IT-Probleme erkennen bevor Sie entstehen". Mit Cloud Computing und nun dem Durchbruch der künstlichen Intelligenz verlagert sich Patricks Schwerpunkt auf KI-Beratung – Copilot und Microsoft.
Kelbch, der im Rollstuhl sitzt, nennt sich "Übersetzer für Menschen" – mit "Herz & Humor". Es wäre schön, wenn manch einer Patrick auch mit Herz und Humor begegnen würde. Empathie ist freilich nicht jedem gegeben. Sich in die Lage von anderen zu versetzen, können und wollen viele Menschen nicht. Damit könnte der IT-Unternehmer ja noch leben, der wegen seiner körperlichen Einschränkung bisweilen auch angefeindet wird.
Einer der besten Microsoft-Experten der Welt
Im Kreise seiner Branchenkollegen, den 500 Systemhaus-Verantwortlichen auf der Synaxon-Impulse beispielsweise, fühlt sich Patrick Kelbch aufgehoben und geschätzt, fast so wie in der eigenen Familie. Die Wertschätzung für den IT-Unternehmer darf seit einigen Monaten noch größer sein. Denn sein neuer Titel, den er seit Oktober führt, ist in der Tat eine großartige Auszeichnung für sein jahrelanges Engagement rund um Microsoft-Lösungen. Patrick Kelbch ist nämlich seit letztem Herbst MVP: Most Valuable Professional und gehört mit dieser höchsten Auszeichnung von Microsoft zum handverlesenen Kreis von Experten, die der Hersteller für ihre herausragende technische Kompetenzen würdigt.
Schätzungsweise 3.500 bis 4.000 MVPs gibt es weltweit, rund 200 in der DACH-Region. Patrick Kelbch gehört dazu. "Mein Ziel: die Gemeinschaft zu stärken, echte Lösungen anzubieten und ein echter Copilot für die digitale Zukunft zu sein", liest man in seinem Profil auf der MVP-Webseite von Microsoft. Für ihn ist damit, beruflich, ein Traum in Erfüllung gegangen.
Nominiert hatte ihn vergangenen Sommer MVP Ferdi Lethen-Oellers, der sich "M365 Röstmeister" nennt und mit Patrick eine Mission teilt: Menschen und Organisationen zu helfen ihre Produktivität im Alltag mit Microsoft 365 zu verbessern. "Man sitzt als MVP-Kandidat wie auf heißen Kohlen", sagt Patrick Kelbch. Und als dann Anfang Oktober die E-Mail mit von Microsoft zur MVP-Aufnahme kommt, "ist das Glücksgefühl so unglaublich, dass man es nicht in Worte fassen kann", berichtet er CRN im Gespräch. 'Ich bin nun einer der besten Microsoft-Experten der Welt', denkt er sich und genießt seinen neue MVP-Titel eher im Stillen.
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Bescheiden, stets hilfsbereit – woher nimmt er nur seine Kraft?
Kelbch gehört nicht zur Sorte Mensch, der sein Expertentum wie eine Monstranz vor sich herträgt. Das wird der MVP auch weiter so halten. Wünschen würde er sich aber schon, dass diese Auszeichnung bekannter würde, gerade auch im deutschen Channel und bei Endkunden. "Es gibt so viele Quacksalber da draußen", sagt einer, der bescheiden auftritt, stets hilfsbereit ist und unentgeltlich IT-Wissen auf höchstem Niveau vermittelt.
MVP ist man in erster Linie aus tiefer Überzeugung für das, was man tut. Der kommerzielle Erfolg stellt sich zwangsläufig ein, wenn Kunden spüren, wie leidenschaftlich MVPs an Digitalisierungsprojekte herangehen. "Wer seine Passion offen lebt, wird gesehen, ganz ohne Druck.
Nicht Titel oder Status zählen, sondern das, wofür man brennt", sagt Patrick Kelbch.
Woher nimmt Kelbch, der im Rollstuhl sitzt, das Selbstvertrauen und die positiv ansteckende Kraft? Es gab in seinem Umfeld viele "Experten", die dem seit seiner Geburt körperlich eingeschränkten Patrick eine Diagnose stellten, die ihn exkludiert hätte von Entwicklungen eines "normalen" Kindes und Schülers.
Eltern kämpfen gegen viele Vorurteile an
Angefangen bei der Krankenkasse, die den Eltern eine Therapie verweigerte, damit das ans Bett gefesselte Kleinkind laufen lernt. Lehrer und Ämter mussten die Eltern überzeugen, dass ihr Sohn nicht lernbehindert ist. Zähneknirschend hatte die Grundschule eine Empfehlung für die Realschule ausgestellt. "Es kann vielleicht was werden, wenn er sich anstrengt", gaben Pädagogen der Regelschule Patricks Eltern bei der Einschreibung mit auf den Weg.
Wären sie nicht Akademiker mit dem Wissen um bestehende Möglichkeiten für Inklusion und hätten sie die finanziellen Mittel nicht gehabt, um ihrem Sohn Therapien und Förderungen zu ermöglichen, wäre aus Patrick Kelbch kein IT-Unternehmer geworden, kein MVP und kein Experte, der so sehr eine Lanze für Microsoft bricht und den deutschen Mittelstand für KI und Cloud Technologien fit macht.
Bei der Anna-Freud-Schule in Köln kennen sie die Hürden, vor denen Eltern stehen, deren Kinder körperlich eingeschränkt sind und ihre Talente auf den Regelschulen nicht entfalten können. Dort hatte Patrick schließlich das Abitur gemacht. Fing danach beim WDR eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration an. Schloss 2017 einen zweijährigen Lehrgang zum staatlich geprüften IT-Berater ab und gründete, Mitten in der Pandemie, im August 2020 seine jetzige Firma Preventech IT-Service, der einige Kunden aus seiner vorherigen Tätigkeit als mobiler PC Spezialist-Unternehmer folgten.
Helfende Hände hinter den Kulissen
Drei Mitarbeiter unterstützen Patrick Kelbch in Teilzeit, sein technischer Leiter hält ihm den Rücken frei, wenn er unterwegs auf Partnerkonferenzen von Synaxon oder dem Microsoft-Netzwerk IAMCP ist. Immer mit dabei: Laura Grocholl, die Spezialistin für Videoproduktion und Videomarketing, und Fotografin Tanja Kioschis. Kelbchs "Social Media Crew", die hinter den Kulissen für Momente sorgen, "die nicht nur schön sind, sondern tragen", wie Patick sagt.
Ohne solchen Content kann ein MVP seinen jährlich zu verteidigenden Titel nicht erneuern. Microsoft beobachtet nämlich das Engagement seiner Elite-Experten sehr genau. Prüft regelmäßig nicht nur die Menge an Inhalten, sondern vor allem auch die Wirkung der Aktivitäten seiner wertvollsten Botschafter.
Sein Traum: Abtauchen auf den Seychellen
Als ob ihn die Leidenschaft für Technologie und die Titelverteidigung MVP 2026 nicht schon genug fordert, hat Patrick Kelbch noch eine zweite Passion: Tauchen. Mit seiner Mutter, die Tauchlehrerin ist, hat er schon öfter die Tiefen der Meere erkundet. Von den Seychellen ist Patrick fasziniert, der bunten, gleichwohl vom Klimawandel bedrohten Unterwasserwelt. Kann man von dort aus remote arbeiten? Einen IT-Dienstleister in Deutschland am Laufen halten, gar ausbauen? Hobby und Beruf an Traumstränden im indischen Ozean vereinen?
"Vielleicht in 10 Jahren", sagt Patrick Kelbch. Doch als nächstes steht erst einmal der MVP Summit in den USA auf dem Programm. Der frisch gekürte MVP freut sich, dort die Kollegen und Kolleginnen dieser exklusiven Microsoft-Community aus Deutschland zu treffen: Allen voran Ferdi Lethen-Oellers, Alexander Eggers, Andreas Schüler, Christoph Twiehaus, Dino Bordonaro, Ragna Heil und Nicole Wiske, eine von lediglich einem Dutzend Frauen mit MVP-Status hierzulande.
Und klar freut sich Patrick auf das nächste Event seiner "Lieblingskooperation" Synaxon, deren Systemhausevent Impulse am heutigen Dienstag leider mit dem MVP Summit im Microsoft Headquarter in Redmond kollidiert.
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