MSP-Day von Elovade: Die Event-Überraschung des Jahres

An Events der Distributoren hierzulande mangelt es nicht, doch es geht nicht um Quantität, sondern Qualität der Inhalte für die Besucher aus dem Channel. Und die waren auf dem MSP-Day von Elovade durchweg hervorragend. Das hat auch mit der Idee des Konzepts zu tun, die der VAD aus Wetzlar von Italien nach Deutschland gebracht hat und ehrgeizig ausbauen will.

Elovade-Chef Philip Weber: Die Premiere des 1. MSP-Day des VADs in Frankfurt/Main war vielversprechend. "Sonne im Gesicht. Gute Gespräche im Kopf. Und jede Menge Impulse für das, was den IT-Channel gerade wirklich bewegt", so das Fazit eines Partners (Foto: Erik Przybilla / Przybilla STUDIOS)

Erstmals hat der Value Add Software-Distributor Elovade seine Partner in DACH zum MSP-Day nach Frankfurt/Main geladen. "Sonne im Gesicht. Gute Gespräche im Kopf. Und jede Menge Impulse für das, was den IT-Channel gerade wirklich bewegt", zieht Jens Hampe, Leiter Vertrieb und Produktmanagement bei SysTec Computer, ein Fazit. Networking, Fachinput und der Channel-Austausch empfand er als "ziemlich gute Kombination". Am Vorabend ging es los: Auf der Dachterrasse des Upper East Site mit Blick auf die Frankfurter Skyline war Networking bei Grillköstlichkeiten angesagt. Am nächsten Tag in der Klassikstadt standen nicht einfach nur "Vorträge" von Hersteller-Referenten auf dem Programm, die Elovade im Portfolio führt. Genauer genommen, gab es fast gar keine Marketingbeschallung von Vendoren, weil Praxiserfahrungen aus dem MSP-Alltag das inhaltliche Gerüst des MSP Days bildeten.

MSPs berichten für Systemhäuser und MSPs. So wie Jens Hampe, der Wege zum skalierbaren MSP-Modell am Beispiel seines Unternehmens SysTec Computer skizziert. Eine "MSP- und CSP-Erfolgsgeschichte" trägt er vor.

Grill-Vorabend mit Blick auf die Skyline von Frankfurt. Die perfekte Einstimmung für die MSP-Community auf den folgenden Konferenztag in der Klassikstadt (Foto: Erik Przybilla / Przybilla STUDIOS)

KI: "Wer diesen Trend verpasst, verliert den Anschluss an seine Kunden"

Kein Event ohne das Megathema schlechthin. Max Nienaber, Head of Consulting bei große Austing GmbH spricht, woraus es bei KI im Systemhaus ankommt. Co-Vortragender ist Mike Koene, CEO des Startups Inno KI (innoGPT) aus Vechta. Schatten-KI gibt es nicht mit mandantenfähigen Workspaces und DSGVO-konformer Infrastruktur. Herr über die Daten bleibt das Systemhaus. Tenor: Generative KI ist das am schnellsten wachsende Service-Segment für wiederkehrende Umsätze bei Systemhäusern. Und weil das Referentenduo sagt: "Wer diesen Trend verpasst, verliert den Anschluss an seine Kunden", halten Nienaber und Koene ihren Vortrag "KI im Systemhaus" zwei Mal.

M&A: Gemeinsam wachsen unter dem Dach der Datagroup

IT-Dienstleister Datagroup wurde im gleichen Jahr wie Bechtle gegründet (1983) und hat zwar nicht so viele Unternehmen (mehr als 30) wie die Neckarsulmer (mehr als 100) gekauft. Aber vom Leiter M&A bei Datagroup, Timon Koch-Heintzeler, erfahren viele Systemhaus-Chefs, worauf strategische Investoren wie Datagroup Wert legen, wenn andere Systemhäuser mit den Schwaben aus Ostfildern zusammengehen und wachsen wollen.

MSP- und CSP- Erfolgsgeschichte

Weitere Breakouts folgen zu Themen Marketing im Systemhaus Tobias Linden, CMO compuTech), Krisenprävention (Kai Schuricht, Chef Produkte und Service bei Code Blue by Dussmann), gut vorbereitete Cyberattacken nach vorherigem Social Engineering (Alexander Politz, Vorstandsvorsitzender IT-Sicherheitscluster e.V.). Über Wege zum skalierbaren MSP-Modell spricht Jens Hampe, Leiter Vertrieb und Produktmanagement bei SysTec Computer. Er stellt die "MSP- und CSP- Erfolgsgeschichte" am Beispiel seines Unternehmens vor.

"Menschen arbeiten mit Menschen zusammen"

Elovade-Chef Philip Weber eröffnet den MSP-Day, berichtet von einem neuen "Kollegen", der für ihn 24x7 im Hintergrund arbeitet. Wird er künftig eine Armada digitaler Agenten orchestrieren statt 250 leibhaftige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen führen, die in der Elovade-Gruppe in DACH, Italien, UK und den Nordics Tag für Tag für die rund 9.000 aktiven Partner da sind? Schließlich nennt Weber den Lizenzvertrieb bei seinem VAD "strukturiertes Massengeschäft", mit dem Elovade über 100 Mio. Euro jährlich umsetzt und bald den Umsatz verdoppeln will.

Weitere Akquisitionen in Europa werden folgen (in Irland ist man in Gesprächen, Osteuropa, Frankreich und Benelux schaut man sich genauer an). Neue Hersteller ins Portfolio aufgenommen - Paessler und Sendmarc sind neu dazugekommen. Und auch eigene Elovade-Lösungen mit Technologiepartnern wie Mailstore oder Wasabi, zusammengeführt im der Cloud-Verwaltungskonsole, werden ausgebaut sowie Angebote um KI-Enablement der Partner ergänzt.

Automation ist auch bei Elovade ein großes Thema, weil es auch ein wichtiges Thema für MSPs ist. Aber eines passiert nicht, zumindest noch nicht. "Wir sollen kein Plattform-Distributor werden", sagt Weber mit Blick auf Wettbewerber, die Distributoren sind, aber Marketplace-Anbieter genannt werden wollen und in ihrem B2B-Channel eine "Amazonisierung" des digitalen Handels vorantreiben.

Passt da noch die DNA von Elovade, der ehemaligen, nach den Gründern bekannten Ebertlang? Den Handschlag will Philip Weber, trotz des durch KI ausgelösten Strukturwandels im Channel, nicht missen. Worauf er sich Montagmorgen meisten freue, wird er von der Moderatorin gefragt. "Menschen arbeiten mit Menschen zusammen, mit aufeinander eingespielten Teams, die eine Channelkultur leben und weiterentwickeln. Das macht Spaß", sagt er. "Claude", Webers KI-Bot, wird das vermutlich gar nicht gerne hören, wo doch KI eigentlich jeden Nutzer spiegelt und die Maschine ihn in seiner Gedankenwelt selbstverstärkt.

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Große Politik, Kondom mit bösen Folgen

Globale Zeitenwenden: Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, spricht über digitale Souveränität und über Bündnispolitik oder das, was von ihr noch übrig ist. (Foto: CRN)

Auf die Weltbühne der großen Politik nimmt Wolfgang Ischinger die Gäste des MSP-Day mit. Wenn der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz über die sich neuformierende Geopolitik spricht, bzw. das, was von einstigen Staatenbündnissen und ihren regelbasierten Vertragswerken noch übrig ist, legt sich über die eigentlich rosige Zukunft der IT-Dienstleistungsbranche ein leichter Schatten. Digitale Souveränität, die Ischinger in Europa für notwendig hält, ist von Machtpolitik und machtbesessenen Autokraten und unberechenbaren Narzissten nicht zu trennen. Technologie ist immer schon Teil eines Risikomanagements gewesen. In welchem Maße sich europäische Unternehmen von Technologien aus den USA oder China abhängig machen müssen oder wollen, dazu kann der ehemalige Diplomat und Botschafter Deutschlands in den USA freilich keine Einschätzung geben.

Nach seinem Vortrag, die mit der ein oder anderen Anekdote spickt ist, ist für IT-Berater eines klarer geworden: Wer als Trusted Advisor bei Kunden auftritt, muss die Themen Risikoanalyse, Governance, Datenhoheit, Datenschutz und Cybersicherheit zusammendenken. Ischingers Blick auf die Geopolitik lassen Systemhaus-Chefs über den Tellerrand ihrer Branche hinausblicken. Ein weitender, wohltuender Blick über das Tagesgeschäft hinaus.

In das Tagesgeschäft einer gewaltig großen Industrie, mit der es MSSPs jeden Tag zu tun bekommen, zieht einen dann Mark T. Hofmann rein. Er beleuchtet in seiner Keynote "Die Schattenseiten der KI" die nach USA und China drittgrößte "Volkswirtschaft": die arbeitsteilige, hoch professionell und ausgesprochen "kunden"-orientierte Cybercrime-Industrie. Freundliche Supportmitarbeiter an der Hotline führen Unternehmen, deren Daten gestohlen oder verschlüsselt wurden und die nun erpresst werden, sehr gerne durch den Zahlungsprozess. Sie präsentieren sich als vertrauensvolle "Dienstleister" und wollen so auch wahrgenommen werden, dass man sich auf sie verlassen kann. Schwer nachzuvollziehen, dass man ausgerechnet jenen trauen soll, die den digitalen Stillstand ausgelöst und damit den gesamten Betrieb eines Krankenhauses oder eines Fertigungsunternehmens lahmgelegt haben.

"Den würden sie doch auch nicht überall reinstecken wollen?" Cyber-Profiler und Psychologe Mark T. Hofmann über eine Awareness-Kampagne, die im Kopf bleibt(Foto: CRN)

Hofmann ist Cyber-Profiler und studierter Psychologe, der im Darknet die Motivation der Akteure nachvollzieht. Geld ist übrigens bei weniger als der Hälfte der Hacker die dominierende Triebfeder ihres kriminellen Handwerks. Drei von vier Akteuren berichten Hofmann anonym, dass sie die Herausforderung suchen, Sicherheitshürden zu überwinden und in Unternehmensnetzwerke einzudringen. Ihr Ego wächst mit jedem erfolgreichen Angriff, weil sie es können.

Prävention ist daher unausweichlich, Awareness für den Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin zwingend erforderlich. Nicht mit erhobenem Zeigefinger und langweiligem Content, der vor den Gefahren von Cybercrime warnt. Hofmann hat über einem Pissoir ein Plakat gesehen: Darauf abgebildet ein Kondom, aus dem die Spitze eines USB-Sticks ragt, darunter der Spruch: "Den würden sie doch auch nicht überall reinstecken wollen". Das mag in machen Ohren frivol klingen. Aber solche Bilder erzeugen kognitive Dissonanz und bleiben besser im Gedächtnis hängen als der jährliche Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland. Das Bedrohungsszenario in jedem BSI-Bericht ist einem schon so vertraut wie das Wetter, leider.

MSP-Day – ein Format für die Community

Der erste MSP-Day von Elovade hat das Potential, weit mehr als die Hausmesse des Distributors zu sein. Die Hessen haben sich das Format von ihrer italienischen Tochtergesellschaft Elovade Italia, der ehemaligen Achab in Mailand, abgeschaut. Die haben vor einigen Jahren den MSP-Day in Riccione in Leben gerufen und als neutrales Event positioniert, auf dem auch Hersteller ausstellen können, die Elovade nicht im Portfolio führt. Rund 800 Gäste und 40 Austeller sind in diesem Jahr an die Adriaküste nach Norditalien gekommen. "Wir haben vor, den MSP-Day auch hier so groß und erfolgreich zu etablieren", sagt Philip Weber. Der erste Schritt mit dieser Event-Überraschung des Jahres in Frankfurt/Main ist Elovade Deutschland geglückt.

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