Microsoft zahlt die meisten Steuern in der EU in Irland

Erstmals veröffentlicht Microsoft Zahlen zu Umsatz, Ertrag und Steuerabgaben nach EU-Ländern aufgeschlüsselt. Der Fiskus in Irland profitiert am meisten, in Deutschland ist die Steuerlast vergleichsweise gering, der französiche Staat geht leer aus – "Sonderfalls", sagt Microsoft.

"Wir wissen, dass es kontroverse Meinungen darüber gibt, ob Unternehmen genug Steuern zahlen", sagt Microsoft-Chef-Jurist in EMEA, Jeff Bullwinkel (Foto: Microsoft)

Aufgrund neuer EU-Transparenzvorgaben hat Microsoft erstmals den "Public Country-by-Country Report" in Europa für das Geschäftsjahr 2025 (1.Juli 2024 bis 30. Juni 2026) veröffentlich. Darin ist eine Ländertabelle mit Angaben von Umsatz, Erträgen, Steuern und Mitarbeiterzahl enthalten. Microsoft ist nicht entgangen, welche Angabe vor allem jene Firmen interessiert, die, anders als multinationale Konzerne, eine überproportionale Steuerlast tragen. "Wir wissen, dass es kontroverse Meinungen darüber gibt, ob Unternehmen genug Steuern zahlen, und sind der Ansicht, dass die Darstellung dieses Kontextes zu einer fundierteren Diskussion beiträgt", äußerst sich Jeff Bullwinkel in einem Blogbeitrag auf der Unternehmenshomepage. Er ist Jurist und leitet von London aus die Rechts- und Regulierungsabteilungen von Microsoft in EMEA.

Dem Report zufolge ist Deutschland mit 3.471 Mitarbeitern der zweitgrößte europäische Standort von Microsoft. Stärkste Länderorganisation ist Irland mit 6.654 Beschäftigten. In Deutschland betrug der Umsatz im Berichtszeitraum 11,686 Mrd. US-Dollar, die an den Fiskus abgeführte Ertragssteuer belieft sich auf 174,2 Mio. Dollar. Für Irland weist der Bericht einen Umsatz von 196 Mrd. Dollar aus, die Steuerlast lag bei 5,584 Mrd. Euro.

Fiskalischer Knotenpunkt Irland

Microsoft zahlte in der EU rund 6,3 Mrd. Dollar Steuern, davon entfielen über 88 Prozent auf Irland. Der Report bezieht Stellung für diese Gewinnkonzentration: In Irland habe Microsoft das interne Finanzwesen zentralisiert, außerdem sei dort auch die Veraltung des geistigen Eigentums des Konzerns angesiedelt. Die deutschen Gesellschaften hingegen seien überwiegend auf Vertrieb, Marketing, administrative Unterstützung sowie Forschung und Entwicklung fokussiert.

Irland ist für Microsoft auch wegen seiner niedrigen Unternehmssteuersätze ein fiskalischer Knotenpunkt: Dort zahlen große Techkonzerne rund 15 Prozent, in Deutschland hingegen summieren sich Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und kommunale Gewerbesteuern auf rund 30 Prozent – eine der höchsten Abgaben für Unternehmen in der EU.

Steuererstattung in Frankreich

In Frankreich weist die Tabelle einen Umsatz von 6,67 Mrd. Dollar aus, die tatsächlich gezahlten Steuern lagen dort im negativen Bereich bei 96,4 Mio. Dollar. Microsoft spricht von einem statistischen Ausreißer, der auf einmalige Rückerstattung von in den Vorjahren zu viel gezahlten Steuern zurückzuführen sei. In den drei vorangegangenen Jahren habe Microsoft insgesamt 374 Mio. Dollar an Steuern in Frankreich entrichtet. In Frankreich beschäftigt der Softwareriese laut Tabelle 2.568 Mitarbeiter.

Kuriosität am Rande: Obwohl Türkei, Vietnam und der Karibikstaat Trinidad und Tobago nicht zur EU gehören, tauchen sie im EU-Länderbericht auf. Das Vereinigte Königreich ist nicht aufgeführt.

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