Mehr Frauenpower für die Cyberabwehr!

Das kostenlose E-Book "Women in CTI" beleuchtet die höchst unterschiedlichen Karrieren von 16 erfolgreichen Frauen im Bereich Cyber Threat Intelligence. Damit soll es nicht nur potenzielle Nachahmerinnen motivieren, sondern auch den Frauen in der Branche mehr Gehör verschaffen und aufzeigen, welche wichtigen Beiträge sie leisten.

"Darum geht es in den 16 Geschichten in diesem E-Book: Einstiegshürden zu senken, indem wir die Geschichten von Frauen erzählen, die diesen Weg geebnet haben, damit andere ihm folgen können. Wir wollen den Berufsstand stärken und ihn offener, kooperativer und kommunikativer machen, damit wir alle uns besser denn je gegen Bedrohungen verteidigen können." Mary D’Angelo, Senior Solutions Lead, Filigran und Mitbegründerin WCTI (Foto: Filigran)

Trotz aller Fördermaßnahmen und MINT-Initiativen in Schulen und Bildungseinrichtungen sind Frauen in der IT-Branche und im Security-Bereich noch immer deutlich unterrepräsentiert. Die Bundesagentur für Arbeit beziffert ihren Anteil unter den IT-Fachkräften in Deutschland auf gut 18 Prozent, selbst inklusive begleitender Funktionen in Support, Vertrieb und Verwaltung sollen es nur knapp 30 Prozent sein. Angesicht von mehr als 80.000 fehlenden Fachkräften muss es also die gesamte Branche als wichtige Aufgabe und Priorität sehen, dieses Ungleichgewicht zu ändern und attraktiver für Frauen zu werden.

Leise Töne statt Alpha-Gehabe

Doch wie kann das gelingen? Einen wichtigen Ansatzpunkt dafür liefert die Organisationspsychologie mit der Beschreibung und Untersuchung der beiden Phänomene des Gender Confidence Gap und des Gender Self-Marketing Gap. Bei ersterem geht es vor allem um das fehlende Selbstvertrauen, aufgrund dessen sich Frauen bei gleicher oder gar überlegener Eignung und Qualifikation meist schwächer einschätzen als ihre männlichen Gegenparts, die andersherum gerne zur Selbstüberschätzung neigen. Am Ende ist das oft ein gewichtiger Grund, warum sich Frauen den Einstieg ins IT-Umfeld allgemein oder konkrete Jobs darin nicht zutrauen.

Gleichzeitig sorgen dieselben Grundmechanismen im Arbeitsalltag dafür, dass Frauen auch in der Selbstvermarktung deutlich zurückhaltender sind und ihre Sichtweisen, Fähigkeiten und Erfolge weniger offensiv einbringen, oder sich von der Angst vor Fehlern oder ihren vermeintlich überlegenen männlichen Kollegen gar völlig einschüchtern lassen. "Im Gespräch mit anderen Threat-Intelligence-Teams fiel mir auf, dass oft nur ein oder zwei Frauen anwesend waren, die zumeist aber eher still blieben", berichtet Einat Argon, die selbst als Manager Customer Success beim französischen Cyber-Threat-Intelligence-Anbieter (CTI) Filigran tätig ist. "Als ich mich dann mit ihnen unterhalten habe, war ich fasziniert von der Kompetenz dieser Frauen."

Frauen im verdienten Rampenlicht

Das E-Book beleuchtet anhand der Beispiele von 16 erfolgreichen Frauen in der CTI-Branche, wie unterschiedlich die Wege dorthin sein können und welche Hürden unterwegs warten (Foto: Screenshot / WCTI / Filigran)

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Mary D’Angelo (Senior Solutions Lead) beschloss sie deshalb die Initiative "Women in CTI" (WCTI) zu gründen und diesen beiden Faktoren gezielt mit einem kostenlosen E-Book entgegenzuwirken, das sich besonders – aber keineswegs ausschließlich – an Frauen richtet. "Women in CTI: The Careers, Lessons, and Stories Shaping Cyber Threat Intelligence" stellt 16 erfolgreiche Frauen aus der CTI-Branche ins Rampenlicht und gibt ihnen eine Stimme. "So entstand unsere Initiative und Mary und ich begannen, gemeinsam mit diesen Frauen Artikel zu verfassen, ihre Namen sichtbar zu machen und sie als Vordenkerinnen zu positionieren", erläutert Argon. Ziele, die auch die CRN und ihre Muttergesellschaft The Channel Company mit unseren weltweiten Initiativen und Awards Women of the Channel und Women in Tech aktiv unterstützen.

Vom Theater ins Rechenzentrum: Es geht auch ohne Coding

"Für mich ist es nicht nur immer wieder bereichernd, mit ihnen allen zusammenzuarbeiten, sondern dabei auch noch berufliche und persönliche Beziehungen aufzubauen." Einat Argon, Manager Customer Success, Filigran und Mitbegründerin WCTI (Foto: Filigran)

Neben den konkreten Fallbeispielen der Vorbilder beleuchten die beiden Autorinnen in ihrem E-Book dazu auch Hilfestellungen und Netzwerke, die den Einstieg in CTI erleichtern können, zeigen auf, wie der Umgang mit KI im Arbeitsalltag gelingt und widerlegen gängige Mythen zum Berufsbild. Ihre Beispiele zeigen dabei nicht einfach nur, dass sich Frauen dort behaupten und wertvolle Mitglieder der Cybersecurity-Community werden können, sondern sprechen auch gezielt typische Fehlwahrnehmungen aufgrund der genannten Effekte an.

Ein zentrales Beispiel dafür ist die irrige Annahme, dass eine Karriere in der CTI-Welt zwangsläufig Coding-Kenntnisse und eine enge Verbindung zur IT-Welt erfordere. Die vorgestellten Frauen kommen zum Teil aus völlig anderen Bereichen wie Geistes- und Politikwissenschaften, Marketing, Recruiting, Ingenieurwesen, Militär und der Theaterbranche und widerlegen diese Einschätzung damit eindrücklich. Trotz dieser völlig unterschiedlichen Voraussetzungen und Karrierewege sind sie heute allesamt tragende Stützen der CTI-Industrie bei Herstellern und Organisationen wie Canva, CoreWeave, Deakin University, Flashpoint, Horizon3, Richemont und Sophos.

Mehr Sicherheit durch mehr Vielfalt

Jasmina Zito kam ursprünglichen aus dem kreativen und Gaming-Umfeld. Heute ist bei Canva für Threat Intelligence und Red Team verantwortlich (Foto: Screenshot / WCTI / Filigran)

Einerseits soll das Buch anderen Frauen mit diesen greifbaren Beispielen, Persönlichkeiten und Tipps helfen, ihre Bedenken abzubauen und sie ermutigen, sich eine Karriere in der Cyber Threat Intelligence oder anderen Bereichen der IT- und Security-Branche aufzubauen. Zugleich ist es aber auch ein eindrückliches Plädoyer an die Branche, sich endlich ernsthaft und stärker um neue und ihre vorhandenen weiblichen Fachkräfte zu bemühen. Nicht einfach nur, um die Fachkräftelücke zu schließen, sondern weil die größere Vielfalt und andere Blickwinkel ganz konkret dazu beitragen, die Branche zu verbessern.

Gerade angesichts der immer komplexeren und vielfältigeren Sicherheitsbedrohungen ist es nicht nur nach dem Dafürhalten der Autorinnen und ihrer Mitstreiter:innen unabdingbar, diese aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. "'Women in CTI' entstand aus der Erkenntnis, dass nur sehr wenige Frauen zu den Diskussionen über Threat Intelligence beitragen. Einat und ich wissen aber, dass Frauen in diesem Bereich unglaubliche Arbeit leisten", unterstreicht D’Angelo. "Wenn ihre Stimme und ihr Wissen kein Gehör finden, entgehen der gesamten CTI-Community jedoch Kompetenz, Potenzial und Sicherheitserkenntnisse. Intelligence wird erst dann wertvoll, wenn sie geteilt und umgesetzt werden kann. Fehlende Perspektiven führen zu einem unvollständigen Bild." Eines der wichtigsten Ziele ihrer Initiative und des E-Books sei es daher, "einander Türen zu öffnen und sicherzustellen, dass die nächste Frau, die sich für unsere Branche interessiert, nicht allein dasteht".

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