Lars, but not Least: Periphere Pandemiegefahr

Während die meisten Hersteller und Reseller ihre großen Chancen derzeit im Umfeld von KI und Souveränität suchen, zeigt der Bitkom ihnen ein im wahrsten Sinne des Wortes vernachlässigtes Betätigungsfeld mit reichlich Absatzpotenzial auf: Die Hardware-Hygiene.

Die in Deutschland verbreitete Methode der gelegentlichen Kaffeespülung reicht nach dem Dafürhalten der Bitkom-Experten nicht aus, um das Entstehen der nächsten Pandemie zwischen "U" und "I" zuverlässig zu verhindern (Foto: Lars Bube)

Wenn die ersten warmen Sonnentage das Grau des Winters vertreiben, verfällt ganz Deutschland in emsiges Frühjahrstreiben und poliert Fahrzeuge, Wohnräume und Außenanlagen auf Hochglanz. Selbst die KI fühlt sich bemüßigt zu dichten:

"Der Winter weicht, die Sonne lacht, der Frühling hat es gut gemacht.
Nun wird geputzt, geräumt, gelacht, die Wohnung blitzblank neu erwacht.
Kein Staubkorn bleibt, der Lappen fliegt, wenn man den grauen Winter biegt.
Frisch duftet nun das ganze Haus, die Frühlingslust sieht herzlich aus!"

Allerdings scheint sich diese Lust am ausgelassenen Frühjahrsputz auf jene Bereiche zu beschränken, die vorwiegend dem Müßiggang dienen, während am Arbeitsplatz mangelnde Hygiene die Geräte wie Tastaturen, Mäuse und Bildschirme zu wahren Virenschleudern mutieren lässt.

Doch zum Glück legen die unerbittlichen Mahner des Bitkom den Finger mitten in diese schmerzliche Wunde und halten allen Schmutzfinken angesichts dieser bräsigen Nachlässigkeit beim Saubermachen des digitalen Raums schonungslos den Spiegel vor. Im Rahmen einer investigativen Umfrage unter rund 1.000 Nutzern von PCs und Notebooks konnte der Digitalverband die in IT-Insiderkreisen wie etwa unter den Geräteverantwortlichen in den IT-Abteilungen schon länger kolportierte Vermutung belegen, dass die Mehrheit der Deutschen ihre Peripheriegeräte viel zu wenig bis gar nicht putzt. "Trotz ihrer häufigen Nutzung werden Computer vergleichsweise selten gereinigt", fasst Dr. Sebastian Klöß, Experte für Consumer Technology beim Bitkom, die schockierenden Ergebnisse zusammen. Dabei weiß zumindest der promovierte Experte: "Gerade die Tastatur kommt aber ständig mit den Händen in Kontakt, sodass sich dort schnell Schmutz und Keime sammeln können."

Die Tastatur als Lebensraum

Nur 1 Prozent der Befragten nehmen den Kampf gegen solche Mikro-Fieslinge wirklich ernst und lassen ihnen mit einer täglichen Säuberung des Tastenbretts mit Spezialtüchern, Reinigungsmitteln oder ähnlichen Helferlein keine Chance, während weitere 9 Prozent wenigstens einmal die Woche eine entsprechende Grundreinigung durchführen. Jeweils knapp ein Viertel aber lassen die notwendige Ernsthaftigkeit vermissen und riskieren fahrlässig die Gesundheit ihrer Familie, indem sie die Tastatur nur einmal monatlich (25 Prozent) oder gar jährlich reinigen (26 Prozent). Weitere 9 Prozent wischen ihre Peripherie gar nur alle paar Jahre feucht durch.

Die letzten 25 Prozent schließlich halten dieses Prozedere für gänzlich überflüssig – vielleicht, weil sie davon ausgehen, dass die unregelmäßigen Spülungen mit heiße, Kaffee schon ihr Übriges tun werden. Das bestätigt die Beobachtung aus dem Büroalltag, wonach manch ein Kollege aus seiner Tastatur problemlos ein veritables Mittagessen für eine Kleinfamilie herausschütteln könnte, wenn er sie angesichts des jahrelang ausgehärteten Kitts darunter nur hochheben könnte.

Zumindest etwas besser steht es demnach immerhin um die Hygiene der Bildschirme. Zwar reinigen auch hier nur – wahrscheinlich die gleichen – 1 Prozent ihr Display täglich. Dafür wischen 11 Prozent mindestens einmal wöchentlich und 36 Prozent wenigstens einmal im Monat die Mattscheibe. Deutlich sichtbare Schlieren dürften unterdessen auf den Monitoren derjenigen (23 Prozent) das Bild trüben, die nur etwa einmal im Jahr zum antistatischen Putztuch greifen. Der Rest hält seine Geräte wohl als teils schon lebenden Beweis vor, dass schmutzige Bilder auch von Staub und Kleckereien auf dem Gerät kommen können und nicht nur aus dem Internet.

Leichter Einstieg in Managed-Service-Modelle

Mit Managed-Cleaning-Services können sich Fachhändler leicht ein zweites Standbein erschließen (Foto: Lars Bube)

Für den Channel sind das, selbstverständlich abgesehen von den Implikationen für das eigene Eingabegerät, gute Nachrichten. Zeigen sie doch eindeutig, dass Systemhäuser und Fachhändler hier allzu leichtfertig ein gigantisches Cross-Selling-Potenzial liegen lassen. Die margenstarken Schlangenöle und Weltraumfaser-Putztücher, die im Internal-and-External-Antivirus-Total-Protection-Paket mit vermarktet werden können, sind hier nur der Anfang. Schließlich ist die richtige Reinigung eine Wissenschaft für sich, wie jeder Refurbisher bestätigen wird. Dr. Klöß empfiehlt als Grundregel: "Wichtig ist, bei der Reinigung keine aggressiven Substanzen zu verwenden und darauf zu achten, dass keine Flüssigkeit in das Gerät eindringt." Solange das Granderwasser also nur über das Gerät drüber läuft, sollte alles in Ordnung sein.

Gerade bei Business-Kunden, denen das zu aufwendig oder komplex ist, könnten Systemhäuser, Mietanbieter und Leasing-Spezialisten das beispielsweise nutzen und sich ein zweites Standbein aufbauen. Beispielsweise mit einer Art Tastatur-Abo, das jeden Monat ein neues oder zumindest frisch vom Profi aufbereitetes Gerät für jeden Arbeitsplatz verspricht. Selbstredend nach guter Tradition des Leasingvertrags im Poltschen Sinne, mit im Kleingedruckten gut verstecktem Aufpreis für die Abholung und Reinigung der genutzten Geräte. Immerhin geht es hier nicht nur um die Gesundheit und Lebenserwartung der firmeneigenen IT-Assets, sondern auch der der eigenen Mitarbeiter – und wer würde daran sparen wollen?

Die Königsklasse der modernen IT-Welt wäre es hier natürlich, das mit Reinigungsspezialisten vollgepackte Swiffer Operations Center (SOC) eines Refurbishers zu nutzen, um damit den leichten Einstieg in den Bereich Managed Cleaning-Services zu schaffen. Auf Basis der täglichen Nutzungsgewohnheiten und der Anwesenheit lässt sich per KI für jeden Mitarbeiter individuell den optimalen Zeitpunkt für die nächste Reinigung bestimmen. So werden mit dem Einsatz modernster KI-Technologien und einer möglichen Kostensenkung gleich zwei wichtige Punkte angesprochen, für die aktuell bei den Kunden ein solides Budget vorhanden ist. Das reicht dann vielleicht auch noch, um besagten Bröselsammler einmal jährlich zum Essen einzuladen, während die fleißigen Helferlein im Hintergrund heimlich seine Tastatur per Trennschneider vom Schreibtisch lösen und austauschen.

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