Konsolidierung im ERP-Markt: Was hinter der Fusion von Softengine und Step Ahead steckt

Neue Zielgruppen mit Branchenlösungen erschließen, Absatzkanäle stärken und Investitionen in die Entwicklung - vor allem KI – stemmen: ERP-Anbieter rücken angesichts großer Herausforderungen zusammen. Softengine und Step Ahead agieren künftig unter einem Dach. 2024 war für die Münchner Step Ahead ein schwieriges Jahr.

Künftig unter einem Dach der Softengine: Andreas Fresi (Leiter Business Unit Steps Solutions), Dominik Hartmann (CEO Softengine) und Ekkehard Ziesche (Leiter Business Unit Steps Solutions) v.l.n.r. (Foto: Softengine)

Die ERP-Hersteller Softengine aus der Pfalz und die Münchner Step Ahead schließen sich zusammen. Beide agieren mit ihren diversen Branchenlösungen im deutschsprachigen Raum für mittelständische Kunden. Softengine hat rund 250 Beschäftigte und zählt eigenen Angaben zufolge circa 2.800 Kunden mit rund 75.000 Nutzern ihrer Software. Step Ahead bringt knapp über 100 Mitarbeiter in die Softengine-Holding ein. Der Druck, sich zusammenzuschließen, wird von mehreren Faktoren getrieben.

Step Ahead unter Druck: Erlöse bei Softwarewartung und Dienstleistungen brechen ein

Step Ahead in Deutschland beispielsweise hat ein Wachstumsproblem. Nicht so sehr bei der Lizenzeinnahmen, die laut Geschäftsbericht 2024 um 38 Prozent kräftig gewachsen sind, aber nur einen sehr kleinen Anteil am Gesamtumsatz von knapp 15,4 Mio. Euro ausmachen (minus 3 Prozent im Vergleich zu 2023). Auch Einnahmen aus dem Mietmodell sind 2024 gestiegen, und zwar um 5 Prozent auf rund 7,9 Mio. Euro. Was Probleme bereitet: Die Umsätze aus Softwarewartung (minus 20 Prozent auf 1,2 Mio. und Dienstleistungen (minus 17 Prozent auf 2,6 Mio.) waren 2024 deutlich zweistellig gesunken. Allerdings zeigt diese Verschiebung der Umsatzströme einen schon vor längerer Zeit einsetzenden Trend in der Softwarebrache. Im Mietmodell und SaaS-Bezug ist Softwarewartung meist nicht nötig, die Kunden arbeiten immer auf aktuellen Versionen und benötigen auch weniger Dienstleistungen.

Zudem aber schlitterte die österreichischen Tochter Step Ahead Austria 2024 in die Überschuldung. Die deutsche Muttergesellschaft musste einspringen. Ähnliches Bild 2024 in der Schweiz: Die dortige Landesgesellschaft von Step Ahead hatte 2024 ein negatives Eigenkapital und war auf finanzielle Hilfen der deutsche Step Ahead angewiesen. Immerhin steht in der deutschen Gesellschaft für 2024 ein Jahresüberschuss von 950.000 Euro in der Bilanz. Der Abschluss für 2025 liegt im Handelsregister noch nicht vor.

"Strategische Neuausrichtung von Softengine"

Angesichts notweniger Investitionen vor allem bei KI-Entwicklungen und Integration in die Branchenlösungen von Step Ahead war die Fusion mit einem Wettbewerber nahelegend. Dazu Softengine: "Der Zusammenschluss vereint Branchenkompetenz, zusätzliche Entwicklungskapazitäten und KI-Innovationen zu einem der umfassendsten ERP-Ökosysteme im deutschsprachigen Raum".

Die Step Ahead-Gruppe stärke die Kompetenz der "neuen Softengine" in den Bereichen Handel, Service-Dienstleistung, Softwareunternehmen und IT-Systemhäuser mit ihren Lösungen stepsERP, godesysERP, inERP und amtangeeCRM. Die Integration sei "Teil der strategischen Neuausrichtung von Softengine als ERP-Ökosystem für den Mittelstand", heißt es in der Pressemitteilung, die überschrieben ist mit "Softengine und Step Ahead formieren sich zum vertikalen ERP-Powerhouse für den Mittelstand".

Was das konkret bedeutet? "Mit Step Ahead gewinnen wir nicht nur zusätzliche technologische Expertise, sondern vor allem ein Team, das unsere Vision teilt: Unternehmenssoftware muss die individuellen Anforderungen mittelständischer Unternehmen abbilden und zudem den Weg in eine KI-gestützte Zukunft ebnen", so Dominik Hartmann, CEO von Softengine.

Kunden wollen "keine ERP-Software von der Stange"

Sein Unternehmen will die Position als ERP-Spezialist für den Mittelstand weiter ausbauen. Man habe nun branchenspezifische ERP-Software für Kunden aus Handel und E-Commerce, Dienstleistung, IT-Systemhäuser und Softwarehersteller, Fertigung, medizintechnischen Fachhandel, Mineralölhandel, Vending "sowie zahlreiche weitere Branchen und verdeutliche Softengines Strategie: Der Mittelstand braucht heute keine ERP-Software von der Stange,sondern Lösungen, die die Sprache seiner Branche sprechen", heißt es weiter.

Es geht um Innovationsgeschwindigkeit

Alle bestehenden Produkte, Kundenbeziehungen und Ansprechpartner der angeschlossenen Anbieter an insgesamt 17 Standorten (14 in Deutschland, zwei in Österreich und einer in der Schweiz) würden unverändert bestehen bleiben.

Der Zusammenschluss mit Step Ahead erfolge "aus einer starken Marktposition heraus und unterstreicht eine klare Strategie: Die Anforderungen an moderne Unternehmenssoftware wachsen kontinuierlich". Künstliche Intelligenz, Automatisierung, Integration und branchenspezifische Prozessunterstützung erforderten "hohe Investitionen in Entwicklung und Know-how". Durch die Bündelung der Kompetenzen könnten "beide Unternehmen ihre Innovationsgeschwindigkeit deutlich erhöhen".

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