KIX Service Software-Chef: "Die Leute wollen weg von Non-EU-Anbietern"

KIX ist eine IT-Management-Lösung auf Basis von Open Source. Mit ]init[ (kein Tippfehler) wollen die Chemnitzer im Behördengeschäft wachsen. Die Systemhausgruppe ist in Europa ein Schwergewicht unter den IT-Dienstleistern.

Ein Bild, das Menschliches Gesicht, Person, Kleidung, Wand enthält. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

KIX-CEO Rico Barth beobachtet: Kunden wollen "ITSM-Software weiterhin On-Prem auf eigenen Servern oder in einer sicheren DE-Cloud betreiben" (Foto: KIX)

Der Markt für das IT-Management ist riesig, entsprechend groß und fragmentiert ist die Anbieterlandschaft: International präsenten Hersteller mit starker Vertriebsausrichtung auf MSP konkurrieren mit vielen regionalen Playern, die einen historisch starken Fokus auf das Direktgeschäft haben, zunehmend aber den Vertrieb über den Channel forcieren. KIX Service Software ist ein Paradebeispiel für letzte Strategie. Das Unternehmen aus Chemnitz wurde vor 20 Jahren unter anderem von Thomas Maier gegründet, 2024 stieß Rico Barth dazu. Beide führen das Unternehmen mit aktuell rund 50 Beschäftigten und haben kürzlich eine neue Partnerschaft bekanntgegeben, die helfen kann, das internationale Geschäft der Ostdeutschen zu beflügeln.

International heißt: vorwiegend in Europa, und zwar dezidiert mit dem Claim: "Service-Organisationen ein maßgeschneidertes Angebot aus erstklassigem IT-Consulting und einer digital souveränen Service-Management-Lösung zu bieten". Der neue Partner ist die ]init[ AG für digitale Kommunikation. Der Zusatz täuscht ebenso wie die eigenwillige Schreibweise des Firmennamens irritiert.

Das Unternehmen ist seit 30 Jahren im Systemausmarkt unterwegs, hat rund 1.400 Mitarbeiter an dreizehn Standorten in Deutschland, Belgien, Österreich, der Schweiz und Portugal, CEO Harald Felling konnte 2024 198,5 Mio. Euro vermelden. Vor allem öffentliche Auftraggeber gehören zur Kundengruppe von ]init[. Und für diese Klientel hat der Dienstleistr nun sein Portfolio ausgebaut – um die Open Source-Lösung KIX des gleichnamigen Anbieters aus Chemnitz.

Im Rahmen der Partnerschaft stellt KIX die Service-Management-Software "KIX Pro" bereit, die sich "sowohl für den schlanken Service Desk, klassisches IT-Service-Management und auch für abteilungsübergreifendes Enterprise Service Management einsetzen lässt", so der Anbieter. Durch die Kooperation bekommen Kunden und Partner nun "einen denkbar einfachen Zugang: Consulting-Expertise und Projekterfahrung durch ]init[, die passende Plattform durch KIX", heißt es weiter.

Langfristig Datenhoheit sichern

Seit der zweiten Amtszeit es US-Präsidenten Trump sieht man in Euro kritisch auf die technologischen Abhängigkeiten, auf die brüchige transatlantische Partnerschaft mit den USA: Sowohl KIX als auch ]init[ bekunden, eine verstärkte Nachfrage nach digital souveränen Lösungen festzustellen. Kunden wollten wissen, ob sich so kritische Software wie die zur Verwaltung von Client On-Prem oder in einer europäischen Cloud betreiben lasse. "Die politischen Entwicklungen in letzter Zeit haben zu einem Umdenken geführt, das ist deutlich zu spüren", sagt KIX-Geschäftsführer Rico Barth und führt weiter aus: "Die Leute wollen weg von Non-EU-Anbietern und ihre ITSM-Software weiterhin On-Prem auf eigenen Servern oder in einer sicheren DE-Cloud betreiben". Nur so könnten Unternehmen und Institutionen "ihre Datenhoheit langfristig behalten", sagt Barth. Daher die Kooperation mit ]init[. Man sei sich schnell einig geworden.

]init[ schärft durch die Partnerschaft mit den Ostdeutschen sein Profil als herstellerunabhängiger Dienstleister. "Mit KIX schaffen wir für unsere Kunden eine neue Option im Service Management, bei der Datensouveränität von Anfang an mitgedacht ist. So lassen sich Prozesse verlässlich steuern, ohne Kontrolle abzugeben. Ich freue mich auf die ersten gemeinsamen Projekte, kommentiert Denis Meißner, Director Application Management bei ]init[. Dass IT-Dienstleister ihren Kunden mehr Wahlfreiheit bieten können, hat neben den Aspekt der Digitalen Souveränität auch noch einen anderen Vorteil: Anwenderkunden wollen und müssen auch IT-Kosten verlässlich kalkulieren können.

In der Vergangenheit haben viele Softwareanbieter immer wieder ihre Preise erhöht. Den Frust bekommen Partner der Hersteller ab, die die Preissteigerungen der Hersteller verargumentieren müssen. Preistransparenz, Fragen zu Preisstabilität, zur Gefahr eines Vendor-Lock: Dienstleister müssen auf solche Fragen der Kunden Antworten geben können. Wenn sie eine gewisse Auswahl an Hersteller-Lösungen im Portfolio führen, können sie ihrem Ruf als herstellerübergreifender Trusted Advisor unter Beweis stellen.

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