KI muss Anforderungen der Produktentwicklung erfüllen

Die Edag Group stellt mit "Edag.ai" eine modulare Systemarchitektur für den produktiven Einsatz künstlicher Intelligenz im Enterprise-Engineering vor. Ziel ist es, den Anwendern die Kontrolle über Datenhoheit, Systemarchitektur und Betriebskosten in der komplexen Produktentwicklung zu sichern.

Gabriel Seiberth ist Executive Vice President Electrics/Electronics bei der Edag Group (Foto: Edag Group)

Anstelle proprietärer API-Anbindungen setzt das Konzept auf einen domänenspezifischen Engineering Harness, der KI-Modelle in eine offene Infrastruktur aus Ontologien, Regelwerken und Werkzeugen einbettet.

Systematisches Framework

Studien zur Effizienz von KI-Initiativen im Industrieumfeld zeigen, dass ein Großteil von Pilotprojekten bisher keinen messbaren betriebswirtschaftlichen Mehrwert generiert. Hauptursachen hierfür sind starre Central-Hosted-Ansätze, unklare Datenarchitekturen sowie Einschränkungen bei der tiefen Prozessintegration. Standardisierte Sprachmodelle, die über externe Schnittstellen angebunden werden, verbleiben meist isoliert vom eigentlichen Engineering-Kontext.

Um diesen Einschränkungen zu begegnen, basiert Edag.ai auf einem Framework namens "5Cs der souveränen KI" (Cost, Control, Compliance, Customization und Compounding). Dieser Ansatz evaluiert Vorhaben nach wirtschaftlichen und technischen Parametern, bevor Implementierungen gestartet werden. Anstatt großflächig unstrukturierte Trainingsdaten zu verarbeiten, nutzt das System strukturierte Smart Data. Diese basieren auf Engineering-Ontologien und Referenzmodellen aus der Produktentwicklung, die mit den spezifischen Firmendaten der Kunden verknüpft werden.

Abkehr von Allzweck-Modellen

Kern der technischen Architektur ist die Abkehr von generischen Allzweck-Modellen (Artificial General Intelligence) hin zu aufgabenspezifischen Steuerungsstrukturen, sogenannten Harnesses. Während Foundation-Modelle vorrangig als reine Verarbeitungsinstanzen fungieren, übernimmt die umgebende Harness-Struktur die Zuordnung von Werkzeugen, den Zugriff auf den Wissensspeicher sowie die Einhaltung deterministischer Regeln.

Der für Entwicklungsabläufe optimierte Engineering Harness adressiert die Anforderungen cyber-physischer Systeme, wie sie etwa bei Fahrzeugarchitekturen oder verteilter Steuergeräte-Elektronik auftreten. Das System berücksichtigt branchenspezifische Regulierungen, die eine durchgängige Nachvollziehbarkeit und Prüfbarkeit aller Ergebnisse von der Anforderungsdefinition bis zur Freigabe vorschreiben. Die zugrunde liegende Plattform ist so konzipiert, dass einzelne Sprach- oder Logikmodelle bei technologischen Fortschritten ausgetauscht werden können, ohne dass das angehäufte Prozesswissen verloren geht.

Offenes Betriebsmodell

Im Gegensatz zu geschlossenen Software-as-a-Service-Lösungen lässt sich die Plattformumgebung auf kundeneigenen Infrastrukturen betreiben. Die Entscheidung über den Einsatz spezifischer Modelle, Werkzeuge und Bereitstellungspfade verbleibt somit vollständig beim jeweiligen Unternehmen. Diese Unabhängigkeit ist insbesondere in sensitiven Sektoren wie der Automobilindustrie oder dem Defence-Bereich eine funktionale Anforderung zum Schutz geistigen Eigentums und zur Einhaltung von Datenschutzbestimmungen.

Neben der grundlegenden Infrastruktur umfasst das System vorgefertigte, anpassbare Anwendungsmodule für spezifische Ingenieursaufgaben. Dazu gehören Komponenten für das Requirements Engineering, die automatisierte Softwareerstellung (Coding) sowie die Analyse von Cybersecurity-Anforderungen. Diese Bausteine lassen sich direkt in bestehende Entwicklungs-Pipelines integrieren und sukzessive an proprietäre Datenbestände anpassen.

Das seit 2015 börsennotierte Unternehmen Edag erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 714 Millionen Euro. Die Holding des 1969 in Deutschland gegründeten Unternehmens hat ihren Sitz seit dem Börsengang im thurgauischen Arbon in der Schweiz. Wesentlichste operative Gesellschaft der Edag-Gruppe ist die Edag Engineering GmbH mit Sitz in Wiesbaden.

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