KI in MS 365: Anwender zwischen Hoffnung und Zweifel

Fast drei Viertel der Unternehmen in Deutschland sehen in Microsoft 365 eine erhebliche operative Herausforderung, der sie gerne mit KI beikommen würden. Allerdings hat fast jedes zweite Unternehmen entsprechende Maßnahmen aus Sorge um Sicherheit und Compliance schon wieder rückgängig gemacht.

"KI wird häufig in Umgebungen eingesetzt, die dafür noch nicht bereit sind." Nurschan Bisenov, Solution Specialist, CoreView (Foto: CoreView)

Die Verwaltung ihrer wachsenden und immer komplexer werdenden Microsoft-365-Umgebungen stellt Unternehmen vor immer größere Probleme. Im Rahmen der Studie "2026 State of AI in Microsoft 365" des auf den Schutz und das Management von Microsoft-365-Tenants spezialisierten Anbieters CoreView, bestätigten 82 Prozent der weltweit befragten IT-Führungskräfte, dass darin für sie und ihre Organisation eine erhebliche operative Herausforderung liegt. In Deutschland sind haben demnach 74 Prozent solche Probleme beim Management von MS 365. Viele von ihnen hoffen darauf, diese Hürden mit der Hilfe Künstlicher Intelligenz deutlich reduzieren oder gar ganz abbauen zu können. Mehr als zwei Drittel sehen in einem KI-gesteuerten Management enorme Vorteile für die eigenen Prozesse.

Doch die Realität sieht oft noch ganz anders aus und zeigt, dass auch die KI und ihre sichere Integration ihre Tücken haben. So haben 46 Prozent der deutschen Unternehmen KI-basierte Änderungen in Microsoft 365 aufgrund von Sicherheits- oder Governance-Bedenken sogar wieder rückgängig gemacht, weltweit vollführten 51 Prozent solch eine Rolle rückwärts. "Microsoft 365 erfordert mehr und mehr operativen Aufwand. Diesen wollen Unternehmen zunehmend durch Automatisierung reduzieren", fasst Nurschan Bisenov, Solution Specialist bei CoreView, zusammen. "Wenn jedoch keine Governance- und Sicherheitskontrollen vorhanden sind, löst KI das Problem nicht, sondern verschärft es sogar noch."

KI und die (begründete) deutsche Angst vor dem Kontrollverlust

Insofern hat die besonders große Skepsis deutscher Unternehmensführungen gegenüber KI durchaus eine gewisse Berechtigung. Mit 46 Prozent fördern hiesige Geschäftsführungen den Einsatz von KI deutlich zurückhaltender als im internationalen Vergleich, wo es 70 Prozent sind. Im Gegenteil berichten 34 Prozent der deutschen IT-Verantwortlichen sogar, dass sie bei der Einführung von KI auf Widerstand ihrer Geschäftsführung treffen. Weltweit geht das nur knapp einem Viertel (24 Prozent) der Kollegen so.

Im Konkreten konzentriert sich die Sorge der Verantwortlichen gegenüber der KI vor allem auf die Bereiche Zugriff, Kontrolle und Rückverfolgbarkeit. So befürchten etwa 46 Prozent der Befragten, die KI könnte durch eine uneingeschränkte Automatisierung ohne Überprüfung oder Genehmigung durch eine Menschliche Aufsicht die Sicherheitslage, Berechtigungen oder Tenant-Konfigurationen verändern und so Gefährdungen verursachen. 44 Prozent sorgen sich zudem, dass übermäßige oder dauerhafte Administratorrechte erhalten und sich dadurch zum "Superuser" mit einer Vielzahl von Rechten entwickeln, die gegen das Least-Privilege-Prinzip verstoßen oder über den vorgesehenen Umfang hinausgehen. Ebenso viele der Befragten sind argwöhnisch, dass sich KI-gesteuerte Aktionen nicht nachvollziehen oder rückgängig machen lassen könnten. Darüber hinaus sehen 42 Prozent der deutschen IT-Verantwortlichen auch ein Risiko für durch die KI ausgelöste Compliance-Verstöße sowie einen Verlust der Transparenz oder Kontrolle über sensible Konfigurationen (weltweit: 38 Prozent).

Ängste und Sorgen, die aus Sicht von Bisenov nicht ganz unbegründet sind: "Ohne Struktur und Leitplanken führt die Automatisierung dazu, dass Risiken schneller entstehen, als sie adressiert werden können." Gleichzeitig wird die Hilfe der KI künftig dringend benötigt. Denn 45 Prozent der Großunternehmen hatten nach eigenen Angaben innerhalb der letzten 12 Monate mit mindestens einem Vorfall zu kämpfen, bei dem eine Fehlkonfiguration von MS 365 zu einem Sicherheits- oder Compliance-Vorfall geführt hat. Damit gilt es für Dienstleister, ihre Kunden bei der KI-Einführung entsprechend zu beraten und unterstützen, indem diese Punkte in Kommunikation und Technik aufgegriffen werden.

Dass diese Mühe durchaus auf fruchtbaren Boden fallen kann, zeigt sich auf der anderen Seite. Was die deutschen Unternehmen bei KI so behutsam vorgehen lässt, sind der Studie zufolge keine unkontrollierten Ängste oder grundlegende Ablehnung gegenüber KI, sondern recht konkrete Gedanken und Sicherheitsbedenken. Mit nur 32 Prozent hat die Einführung von KI in Deutschland im internationalen Vergleich (46 Prozent) den geringsten negativen Einfluss auf die Arbeitsmoral. Während weltweit 51 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen befürchten, ihr Arbeitsplatz könnte durch KI ersetzt werden, sind es in Deutschland nur 42 Prozent.

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