KI im Fokus: Microsoft richtet sich neu aus

Durch die Neuausrichtung seines KI- und Copilot-Geschäfts auf vier organisatorische Säulen unter frischem Führungspersonal will der Konzern sich besser für die KI-Zukunft aufstellen und den Sprung "von einer Sammlung großartiger Produkte hin zu einem wirklich integrierten System" schaffen, kündigt CEO Satya Nadella an.

"So schaffen wir den Übergang von einer Sammlung großartiger Produkte hin zu einem wirklich integrierten System, das für unsere Kunden einfacher und leistungsfähiger wird." Satya Nadella, CEO, Microsoft (Foto: Microsoft)

Der KI-Boom steht unmittelbar vor dem Eintritt in die entscheidende Phase des Übergangs vom Experimentierstadium in den Produktivbetrieb. Wie groß die damit verbundenen Hoffnungen und möglichen Veränderungen sind, unterstreicht nun Microsoft, indem es sich eine strategische Neuausrichtung verordnet, die den Cloud-Giganten besser für diese KI-Zukunft aufstellen soll. Im Zentrum steht dabei der Copilot, der effizienter, leichter nutzbar und tiefer in die Produktwelt integriert werden soll.

Nicht zuletzt wohl, um das bisher eher verhaltene Interesse der Kunden zu steigern und sich so einen Platz unter den führenden KI-Anbietern zu sichern. Zwar hatte Microsoft zum Jahresanfang mehrere Meilensteine wie ein Wachstum der bezahlten Nutzerlizenzen um 160 Prozent sowie eine Verzehnfachung der täglich aktiven Nutzer vermeldet. Allerdings zeigt die nackte Zahl von 15 Millionen Copilot-Lizenzen zugleich, dass damit erst etwas mehr als 3 Prozent der rund 450 Millionen eigenen Business-Kunden erreicht werden.

Auf technischer Seite werden dazu die bisher getrennten Stränge für kommerzielle und private Nutzer zusammengeführt und das Copilot-Team deutlich aufgewertet. Den organisatorischen Rahmen soll eine umfassende Umstrukturierung schaffen, mit der der Softwarekonzern das Geschäft auf vier neue Säulen stellt und dafür auch das Führungsteam dementsprechend umbaut.

Eigenen Angaben zufolge will das KI- und Cloud-Schwergewicht schon "in den nächsten Wochen" mit den entsprechenden Anpassungen aller betroffenen Bereiche an die neuen Strukturen beginnen. "Unsere Organisationsgrenzen spiegeln künftig Systemarchitektur und Produktausgestaltung wider, sodass wir kohärentere und wettbewerbsfähigere Erlebnisse bieten können, die sich mit den Fähigkeiten der Modelle weiterentwickeln", erklärt Microsoft-CEO Nadella. "Ich freue mich darauf, wie wir gemeinsam all dies nutzen, um Menschen, Organisationen und die Welt zu stärken."

Microsoft setzt auf vier Säulen und viel frisches Personal

Die vier organisatorischen Säulen, auf die Microsoft sein neues Fundament aufbaut, sind:

Die Verantwortung für die M365-Apps- und die Copilot-Plattform-Säulen sollen sich Charles Lamanna, Perry Clarke und Ryan Roslansky teilen. Offenbar bereits in Vorbereitung auf die Reorganisation waren sie alle erst kürzlich befördert worden und berichten seitdem direkt an CEO Satya Nadella. Das trifft außerdem künftig auch auf Jacob Andreou zu, der erst im vergangenen von der Snapchat-Mutter Snap zu Microsoft gekommen ist. Der bisher für Produkte und Wachstum der KI-Sparte zuständige Corporate Vice President steigt zum Copilot Executive Vice President auf und übernimmt damit die Verantwortung der Säule Copilot Erlebnis. Dort soll er Nadella zufolge "das Copilot-Erlebnis für Verbraucher und Unternehmen leiten und Design, Produkt, Wachstum und Entwicklung vorantreiben."

Jacob Andreou verantwortet künftig die Copilot Experience (Foto: Microsoft)

Gleichzeitig wird Andreou aber auch den aktiven Austausch mi der KI-Säule fördern, indem er "eine gestrichelte Berichtslinie zu mir behalten wird", ergänzt Mustafa Suleyman, der als CEO von Microsoft AI im Rahmen des Umbaus seine operative Verantwortung für die Copilot-Produkte abgibt. Stattdessen konzentriert er sich künftig auf Forschung und Entwicklung sowie Integrationsaspekte. Ziel ist die Entwicklung proprietärer KI-Modelle als Basis für spezifisch auf Unternehmen zugeschnittene Lösungen. Diese sollen die Produkte über das gesamte umfangreiche Portfolio des Anbieters hinweg verbessern und Effizienzsteigerungen bei den Stückkosten ermöglichen, um den KI-Workload-Service in den kommenden Jahren zu skalieren.

Microsoft will eigene KI-Modelle und Superintelligenz entwickeln

Neben der Weiterentwicklung der vorhandenen Technologien und Produkte erhoffen sich Microsoft und Suleyman dazu auch Durchbrüche in der KI-Forschung, etwa bei "Superintelligenz"-Innovationen. Er ist überzeugt, die neuen Strukturen und Aufgaben werden es ihm ermöglichen, seine "gesamte Energie auf unsere Superintelligence-Bemühungen zu konzentrieren und in den nächsten fünf Jahren erstklassige Modelle für Microsoft liefern zu können". Um dabei auch die Anwendungsfälle und die Integration stets mit im Blick zu haben, bleibt Suleyman durch Maßnahmen wie einen aktiven Austausch und die Teilnahme an Meetups in viele der täglichen Abläufe von Microsoft AI involviert und soll auch Andreou bei der Produktstrategie unterstützen. "Mustafa ist mit seinem tiefen Fokus und Engagement für die Weiterentwicklung der Modellwissenschaft einzigartig qualifiziert, um dies voranzutreiben. Gleichzeitig stellt er sicher, dass menschliche Kontrolle, Selbstbestimmung und wirtschaftliche Chancen im Mittelpunkt dieser Entwicklungen stehen", erklärt Nadella.

Andreou, Suleyman, Roslansky, Clarke und Lamanna bilden gemeinsam das neue Copilot Leadership Team (LT) und sollen sie in den nächsten Wochen nun daran arbeiten, die Teams an die neue Struktur anzupassen. Dabei werde man sich insbesondere auf Aspekte wie Markenstrategie, Produktfahrplan, Modelle, Kerninfrastruktur und Nutzererlebnisse konzentrieren, so Suleyman. Ebenfalls schon einige Tage vor der Ankündigung waren zudem noch weitere Führungsposten neu und umbesetzt worden. Während das seit 35 Jahren im Konzern arbeitende Microsoft-Urgestein Rajesh Jha, sich im Juli vom Posten des Executive Vice President der Experiences + Devices Group in den Teil-Ruhestand verabschieden und nur noch als Berater fungieren wird, durften sich unter anderem Pavan Davuluri, Jeff Teper, Sumit Chauhan und Kirk Koenigsbauer über eine Beförderung freuen.

Dieser Artikel basiert in Teilen auf Material unserer Schwesterpublikation crn.com.

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