KI-Boom bringt kräftigen Schwung für Security-Investitionen

Viele europäische Unternehmen stocken derzeit ihre IT-Sicherheitsbudgets signifikant auf, um die wachsende Zahl von KI-Agenten und -Tools in ihren IT-Landschaften einzuhegen und den wachsenden Compliance-Anforderungen gerecht zu werden. Während der Bedarf an entsprechender Software boomt, ist Security-Hardware immer weniger gefragt.

(Foto: peshkov - GettyImages)

Der Durchbruch der KI von der Experimentier- in die Produktivphase im Unternehmensumfeld sorgt auch in anderen Bereichen für wachsende Investitionen. Besonders deutlich ist das im Security-Umfeld zu beobachten, das die passenden Absicherungen anbietet, um insbesondere die steil zunehmende Zahl der weitgehend oder komplett autonom arbeitenden Agenten im Unternehmenseinsatz unter Kontrolle zu bekommen. Dieser Trend wird sich nach dem Dafürhalten der Analysten von Context in den nächsten Monaten weiter verstärken.

Ein Punkt, an dem sie das festmachen, ist das Wachstum der von europäischen Unternehmen und Behörden getätigten Investitionen in Security-Software, die im ersten Quartal 1,4 Prozent über dem Vorjahr lagen. Was zunächst eher nach äußerst schwachem Wachstum oder Stagnation klingt, täuscht über den wahren Impuls im Markt hinweg, wie die Marktforscher erläutern. Das gilt allein schon in Bezug auf den Ausgangswert, denn 2025 hatten die entsprechenden Ausgaben bereits einen Sprung von knapp 20 Prozent nach oben gemacht. Hinzu kommen weitere Faktoren wie die angespannte Wirtschaftslage und der durch konkurrierende Prioritäten bei PCs und Infrastruktur zusätzlich erhöhte Budgetdruck.

"Die Art dessen, was Organisationen absichern müssen, verändert sich schneller, als die meisten Sicherheitsstrategien Schritt gehalten haben", konstatiert Joe Turner, VP of Research bei Context. "Denn die Grenzen dessen, was geschützt werden muss, erweitern sich über Menschen und Geräte hinaus auf autonome KI-Agenten, die eigenständige Entscheidungen innerhalb der Unternehmensinfrastruktur treffen." Weil diese Entwicklung erst an ihrem Anfang steht, wird sie ihre volle Wirkung auf Investitionspläne der Firmen erst in den nächsten Quartalen entfalten.

Identitätsmanagement und Zero-Trust besonders gefragt

Das größte Wachstum innerhalb der verschiedenen Bereiche erwarten Turner und seine Kollegen im Bereich identitätszentrierte Sicherheitsmodelle. Sind diese doch die Grundlage aller Anstrengungen, um die Zugriffsrechte und damit die Risiken in den Griff zu bekommen, welche die teil- oder vollautonom handelnden KI-Systeme als neue Identitäten im Unternehmensnetzwerk mit sich bringen. Allerdings erfordert diese Absicherung teilweise andere Strategien und Maßnahmen als der traditionelle Schutz von Endpunkten oder Perimetern, was sich laut Context im Markt bereits in einer deutlich wachsenden Nachfrage nach entsprechenden Tools und Architekturen äußert.

Aus dem gleichen Grund wenden sich parallel dazu auch immer mehr Organisationen Zero-Trust-Architekturen und automatisierten Compliance-Lösungen zu. Durch neue Vorgaben wie NIS2, DORA und den AI Act wird sich diese Bewegung den Prognosen von Context zufolge im zweiten Halbjahr noch deutlich verstärken. Um die damit einhergehenden Anforderungshürden zu meistern und die drohenden Risiken und Strafen zu vermeiden, bleibt den meisten Unternehmen nichts anderes übrig, als in diesen Bereichen dementsprechend zu investieren und aufzurüsten. Dieser Druck verspricht dem Channel große Chancen, wenn sie ihn den Kunden gezielt abnehmen können.

Ganz anders sieht es hingegen im Bereich der Hardware für IUT-Sicherheit aus. (siehe nächste Seite)

Ausgaben für Security-Hardware schrumpfen beständig

"Diese Entwicklung markiert einen bedeutenden Wandel in der Art und Weise, wie Unternehmen Cybersicherheit angehen." Joe Turner, VP of Research, Context (Foto: Context)

Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten: Während sich der IT-Channel im Softwarebereich auf gute Chancen durch ein starkes Investitionsumfeld machen darf, ist Sicherheitshardware im Gegenzug immer weniger gefragt. Im ersten Quartal ging die Nachfrage nach den Zahlen von um weitere 5,7 Prozent zurück. Eine Entwicklung die nach dem Dafürhalten der Marktforscher weiter anhalten wird und dazu führen, dass Security- Hardware auf Dauer zu einem spezialisierten Segment der IT-Sicherheit wird, das sich vorwiegend auf souveräne Infrastruktur, industrielle Resilienz und compliance-spezifische Umgebungen konzentriert.

Veränderter Investitionszyklus unter neuen Vorzeichen

Die Context-Analysten erwarten aufgrund dieser Ausgangslage weit mehr als nur eine Verschiebung in den Bugets. Vielmehr rechnen sie mit einem komplett neuen Investitionszyklus im Security-Umfeld, der sich grundlegend vom vorherigen unterscheidet. Statt wie bislang vor allem reaktiv und in enger Verbindung mit Sicherheitsverletzungen oder Hardware-Erneuerungszyklen zu investieren, wird es demnach künftig viel mehr darum gehen, strukturelle Veränderungen in der Arbeitsweise von Organisationen zu erzielen und verankern.

All das wird den Prognosen zufolge maßgeblich geprägt von der Kombination aus der KI-Einführung und dem zunehmenden regulatorischer Druck, die eine systematischere Neubewertung der Sicherheitslage erzwingen. Und der damit einhergehende Boom dürfte schon bald beginnen, seine Wirkung zu entfalten. "Ein KI-Agent mit Zugriff auf Finanzsysteme oder Kundendaten stellt in derselben Weise ein Sicherheitsrisiko dar wie ein privilegierter menschlicher Nutzer", führt Turner aus. "Die Werkzeuge, um damit umzugehen, entwickeln sich noch, aber die Investitionen beginnen jetzt – noch vor den regulatorischen Fristen, die dies alternativlos machen werden."

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