IT-Sicherheit und Souveränität: Lage, Lage, Lage
Ging der Trend in der IT-Branche jahrelang in Richtung globalisierter Cloud-Infrastrukturen und Dienstleistungen, hat sich das mit dem Trend zur digitalen Souveränität inzwischen wieder umgedreht. So geben etwa fast drei Viertel der deutschen Unternehmen an, lokale Sicherheitsdienstleister zu bevorzugen.
Mit den geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Monate ist das Thema Digitale Souveränität in den letzten Monaten für viele europäische Firmen in ihrer Prioritätenliste ganz weit nach oben gerückt, meist nur noch übertrumpft von Künstlicher Intelligenz. Dass es sich dabei nicht nur um eine kurzfristige Marketingblase handelt, sondern um ein handfestes Kriterium bei mittel- und langfristigen strategischen Geschäftsentscheidungen, belegt nun einmal mehr die aktuelle Ausgabe der jährlichen Security-Studie "Cybersicherheit in Zahlen" von G Data CyberDefense, Statista und Brand Eins.
Managed Security Services aus der Nachbarschaft
Dass darin inzwischen 71 Prozent der befragten Unternehmensvertreter angeben, ihnen sei der Standort ihres IT-Security-Dienstleisters wichtig oder sehr wichtig, unterstreicht den Trend zu lokalen Anbietern. Zwar war die geographische Nähe für deutsche Firmen im internationalen Vergleich schon immer ein besonders wichtiger Faktor für das Vertrauen in einen Anbieter, allerdings hat sich das zuletzt wieder deutlich verschärft. Noch 2024 hatten nur rund 60 Prozent der Unternehmen einen so großen Wert auf die Nähe zu ihrem Security-Dienstleister gelegt. Gleichzeitig hat sich der Anteil derjenigen, für die der Standort keine Rolle spielt allein innerhalb des letzten Jahres beinahe halbiert.
Europäische Anbieter gefragt
In ähnlichem Maße wie für die Dienstleister gilt das auch für die Anbieter. Hier geben fast 97 Prozent derjenigen Unternehmen, die auf lokale Dienstleister setzen, an, dass sie von diesen auch bevorzugt Dienste und Produkte von Security-Herstellern aus Europa beziehen wollen. Während auswertige Anbieter hier auch in den letzten Jahren schon einen schwierigen Stand hatten (siehe Grafik), gab es eine interessante Verschiebung im Hinblick auf die Anbieter-Präferenz innerhalb Europas. Hatte diese von 2023 auf 2024 von einer Dominanz der deutschen hin zu einem Gleichstand zwischen deutschen und europäischen IT-Security-Anbietern verändert, schwang das Pendel im vergangenen Jahr zurück, sodass deutsche Hersteller nun wieder eindeutig vorne liegen.
"Die Entwicklung zeigt, dass digitale Souveränität und Kontrolle über Daten zunehmend als strategische Grundlage verstanden werden", fasst Andreas Lüning, Mitgründer und Vorstand bei G Data CyberDefense, zusammen und schließt daraus: "Entscheidend ist jetzt, diese Erwartungen konsequent in sichere, transparente Lösungen zu übersetzen und damit langfristig Vertrauen zu stärken."
Im Zweifelsfall geht die lokale Nähe zu ihrem Dienstleister und Anbieter für viele Unternehmen sogar über technische Details der Lösung oder des Nutzungsmodells. Damit gilt der Studie zufolge derzeit im Security-Bereich, leicht überspitzt und ganz im Sinne des Erfinders formuliert, ein ähnliches Credo hinsichtlich der drei wichtigsten Faktoren für Vertriebserfolge, wie in der Immobilienbranche: Lage, Lage, Lage.
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