Ingram Micro Solution Summit: "Die KI-Transformation findet nicht in Silos statt"

Microsoft-Manager Oliver Gürtler legt eine Folie auf: Über Tausend Anbieter tauchen im Wimmelbuch der KI-Lösungen auf. Daraus "dürfen" IT-Berater den einen Stack bauen und ihren Kunden vorrechnen, was ihnen die KI-Zukunft bringt. Riesige Chancen, riesige Komplexität, dazwischen ein Distributor, der lotst, orchestriert und befähigt. "Der Rolle werden wir gerecht", sagt Ingram Micro-DACH-Chef Alexander Maier.

Alexander Maier (re.) stellt Partnern und der Channel-Presse auf dem Solution Summit 2026 die Ingram Micro-Strategie für das KI-Zeitalter vor. (Foto: Ingram Micro)

Es ist wie ein Aufbruch zum Klondike-Goldrausch, wenn man den Visionen der Technologiebranche glaubt und den Zahlen der Marktforscher zur aktuellen und künftigen KI-Adaption traut, die auf dem Ingram Micro Solution Summit vergangene Woche in München genannt wurden. 250 Teilnehmer hören dort, dass der Bitkom den Durchbruch bei KI feststellt (Zukunftstechnologie für 8 von 10 Unternehmen). Dass IDC 1,3 Mrd. KI-Agenten vorhersagt, die bis 2028 weltweit in Unternehmen arbeiten werden – fast so viele, wie es in China Menschen gibt. "2006 könnte der Tipping Point für KI-Agenten ein", hören sie Alexander Maier sagen. Der DACH-Chef von Ingram Micro ist Gastgeber des Events, bestens gelaunt, obwohl er den eigentlich frustrierenden Satz für einen Distributor zur Innovationsgeschwindigkeit nachschiebt: "Technologie entwickelt sich schneller, als der Markt aufnehmen kann".

Und dann hören die Gäste von Keynote-Speaker Oliver Gürtler, dass 98 Prozent aller Unternehmen hierzulande Mitarbeiter so einstellen, wie sie das immer schon so tun. Sie wählen Bewerber nach Fähigkeiten aus, die jetzt gefragt sind, statt auf Qualifikationen zu achten, die in Zukunft gebraucht werden. Warum nicht einer KI die Vorauswahl treffen lassen?

230.000 Agents bei Microsoft im Einsatz - und im deutschen Mittelstand?

Kunden fragen Microsoft-Manager Oliver Gürtler, welchen Partner er empfehlen könne. Jedenfalls keinen ohne eigene KI-Erfahrung (Foto: Ingram Micro)

Gürtler ist für das SMB- und Enterprise-Geschäft bei Microsoft Deutschland zuständig, er spricht sehr viel mit Unternehmen. Über KI natürlich. Und er wird gefragt, welchen Partner von Microsoft er empfehlen könnte. "Einen Partner, der KI selber einsetzt", rät er. Copilot zum Beispiel – im der ersten Phase, also als "passiver" Assistent des Menschen, bevor in Phase zwei und drei der "digitale Kollege" steuert und dann auch operative Prozesse aufsetzt und der Mensch schließlich nur noch zustimmen muss. 230.000 Agents sind intern bei Microsoft schon im Einsatz. Bald schon sollen sie auch in den mehr als 3 Mio. Unternehmen des deutschen Mittelstandes im Einsatz sein, wenn der deutsche Channel in der Lage sein wird, Kunden bei der KI-Implementierung und Befähigung an die Hand zu nehmen.

Zuvor müssen die Lösungspartner Use Cases ausarbeiten, den Nutzen vorrechnen und im besten Fall orchestrierende Aufgaben für all diese Agents sein, die ein Kunde im Einsatz haben wird. Wo aber anfangen? Wer gibt Orientierung beim Aufbau eines KI-Stack aus einer schier unendlichen Zahl von Technologieanbietern?

Komplexität runter, ROI rauf

Gürtler legt die Folie auf, die die Flut an heute schon existierenden Anbietern für einen KI-Stack zeigt. Auf der KI-Landkarte 2025 – MAD (Machine Learning, Artificial Intelligence & Data) von Firstmark – tauchen die Logos über 1.100 Firmen auf. Die Gefahr für Partner ist groß, die richtigen Anbieter auszuwählen. Solche, die nicht auf dem Friedhof landen, wie etwa die Hälfte jener KI-Firmen, die dort 2024 landeten. Denn da waren auf der MAD-Karte noch über 2.000 Anbieter vertreten.

Lösungspartner sind gut beraten, mit erfahrenen Profis auf die KI-Reise zu gehen. Genau deshalb sind sie zum Solution Summit von Ingram Micro bekommen. Der Distributor kann und will es sich nicht leisten, Partnerlösungen in Portfolio zu holen, die eine Halbwertszeit von wenigen Monaten haben. Value Added heißt ja, einen Mehrwert zu liefern, der neben der Befähigung der Partner, in ein neues Business einzusteigen, auch einen nachhaltig wirtschaftlichen Erfolg sicherstellt. Was auf dem Summit deutlich wurde: Ingram Micro hat eine klare Strategie, wie Partner ein profitables Business mit neuen Themen aufziehen.

Grundvoraussetzung: KI nicht isoliert betrachten, sondern als integralen Bestandteil einer Kunden-IT begreifen, in der KI, Cloud und Cybersecurity zusammenstehen. "Die digitale Zukunft entsteht nicht in Silos. Unsere Partner stehen vor der Aufgabe, KI, Cloud und Cybersecurity ganzheitlich zu denken und in integrierte Lösungen für ihre Kunden zu überführen", sagt Alexander Maier, DACH-Chef von Ingram Micro und Gastgeber des Solution Summit. "Unsere Rolle ist es, Komplexität zu reduzieren, Orientierung zu geben und Innovationen in messbare Geschäftsergebnisse zu übersetzen", ergänzt er. Und "dieser Rolle werden wir gerecht", so der Manager zur selbstbewussten Positionierung von Ingram Micro im Markt.

"Nie hatte eine Generation vor euch solche Chancen"

Wie aus KI-Piloten belastbare Lösungen werden "mit klarer AI-Governance, operativer Einführung und messbaren KPIs statt isolierter Experimente", das hat Timo Traurig (li.) von MeJuvante.ai schon auf den Weg gebracht. Und tauscht sich mit Reiner Armbruster von Data Media Service aus (Foto: CRN)

Dafür braucht es aus seiner Sicht den engen Austausch auf einem solchen Event-Format, wo Erfahrungen geteilt werden und neue Ideen entstehen. "Der Solution Summit 2026 hat klar gezeigt, wie wichtig der persönliche Austausch im Channel aktuell ist. Wir haben einen inspirierenden Tag mit wertvollen Impulsen, starken Keynotes, praxisnahen Breakout-Sessions und intensiven Gesprächen erlebt", so Maier.

Drei Keynotes, 18 Breakout-Sessions, ein Expertenpanel, Networking zwischen den Pausen und Hersteller mit ihren Experten vor Ort - Adobe, AWS, Cisco, Dell Technologies, Eaton, HPE, IBM, Keeper Security, Keepit, Lenovo, Object First und Veeam – bildeten den Rahmen.

Fazit: Der Goldrausch damals in Kalifornien währte nur kurz und machte nur wenige reich. Das Klondike heute indes liegt vor den Türen der IT-Dienstleistern, denn jeder Kunde sitzt auf einen Schatz noch zu explorierender Daten. "Nie hatte eine Generation vor euch solche Chancen", appelliert Oliver Gürtler an die Partner, den Spaten, respektive Microsoft-Technologien in die Hand zu nehmen. "Es war auch noch nie so anspruchsvoll", weiß der Microsoft-Manager aber auch um die Komplexität jeder Transformation.

Zum Abschluss des Solution Summits diskutierte das Expertenpanel, besetzt mit AMD, Cisco, Dell, Lenovo und Mario Glockner vom Gastgeber Ingram Micro (Foto: CRN)

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