Komsa-Chef hat Humor: "Ich lege mein Amt als Vorstandsvorsitzender nieder - freiwillig und ohne Tränen"
Vorstand Toni Burger ist Geschichte, es lebe der Geschäftsführer Toni Burger. Die Änderung der Rechtsform des TK-Distributors ist ein formaler Akt, für Burger und Komsa dennoch ein "Meilenstein". Bei einem Wettbewerber steht der Komsa-Gesellschafter aber unter besondererer Beobachtung - und da wäre der Spaß schnell vorbei.
Es gab bei Komsa Zeiten, wo es nicht sonderlich spaßig zuging. Zu viele Umbrüche unter einem Vorstandsvorsitzenden, der angetreten war, einen neuen Gesellschafter für Komsa zu finden, der als BWLer und Diplomkaufmann wenig Sinn für Humor hatte und auch wohl nicht wirklich einsehen wollte, schwierige Situationen kommunikativ zu entspannen. Das mit dem Lachen im Keller lassen wir mal beiseite. Zumal seit letztem Jahr April Toni Burger die Geschicke beim TK-Distributor leitet. Und der Mann hat erkennant, wie Humor auch im Business wirken kann: entwaffnend. Oder wie SAP-Experte Torsten Bräuer den Linkedin-Post von Burger ("Ich lege mein Amt als Vorstandsvorsitzender nieder - freiwillig und ohne Tränen") kommentiert: "Wunderbar geschrieben...kurz und knapp und mit herrlichem Humor 👌 Alles Gute der KOMSA GmbH".
Burger hat die offizielle Änderung der Rechtsform von einer AG in eine GmbH bekanntgebenen. Sie ist der Abschluss der vollständigen Übernahme durch den neuen Gesellschafter, der britischen Hemani Ventures Ltd mit Sitz in Reading, 60 Kilometer westlich von London. Laufende Verträge bleiben gültig, auch die drei Verträge der Ex-Vorstände und nun Geschäftsführer Toni Burger, Steffen Ebner und Ronny Tischer. Statt aufwendiger Hauptversammlung und Kontrollgremium Aufsichtsrat entscheidet nun eine Gesellschafterversammlung.
"Kein großes Tamtam, aber ein echter Meilenstein für uns. Vor allem, weil diese Rechtsform viel besser zu dem passt, was wir sein wollen: schnell in unseren Entscheidungen, weniger Formalitäten, weiterhin verbindlich gegenüber unseren Partnern und neugierig auf alles, was kommt", postet Burger. Nach "reiflicher Überlegung" von 0,3 Sekunden, das Amt des Vorstands niederzulegen, sei ihm klar geworden: "Ich stelle mich direkt wieder ein: Als Geschäftsführer. Gleicher Typ, gleiches Büro, gleicher Kaffee."
Neugierig auf alles, was kommt: das soll der Motor sein, die Komsa GmbH schneller als der den Wettbewerb voranzubringen. "Genau diese Neugier treibt uns weiter an, damit wir nicht einrosten", so Burger.
Der Linkedin-Post der Komsa GmbH geht in die gleiche Richtung: "Eine bewusste strategische Entscheidung, die zu uns, unseren Kunden und unserem Business passt. Weniger Formalismus, mehr Tempo. Weniger Pflichtprogramm, mehr Raum für Unternehmertum, Innovation und gute Entscheidungen. Neue Rechtsform – gleiche Leidenschaft. Wir starten dann mal weiter durch."
Distributions-Legende Joe Hemani beiu Komsa und ein bisschen Also
Hinter dem Gesellschafter der Komsa GmbH steckt kein instutioneller Investor, sondern ein Mann, der Distribution seit mehr als 40 Jahren macht, zu den Pionieren des IT-Großhandels zählt, der seine 1983 gegründete Westcoast zu Großbritanniens größtem Distributor gemacht hatte und der immer noch die Strippen im Hintergrund zieht: Joe Hemani, mittlerweile 79 Jahre.
Er hat Komsa schrittweise übernommen und gleichzeitig Übernahmegespräche mit Distributor Also geführt. Eine Fusion mit Also hatte der charismatische Brite schon vor mehr als 20 Jahren ins Auge gefasst, unter damals noch verkehrter Konstellation: Er hatte Actebis kaufen wollen, die Vorgängergesellschaft von Also. Nun hat Also Westcoast übernommen, und diesen Deal interpretiert Also-CEO Wolfgang Krainz als besondere Ehre: "Das spricht für Vertrauen, wenn Joe Hemani sein Lebenswerk an Also übergibt".
Sein Lebenswerk veräußert, das von Komsa-Gründer Gunnar Grosse übernommen: Joe Hemani mischt immer noch aktiv in der europäischen Distributionslandschaft mit. Bei Komsa entscheidet er, bei Also hat er mit seinem Aktienanteil unter 3 Prozent zwar keinen wesentlichen Einfluss auf operative Entscheidungen. Aber ist als Berater der Vorstands gefragt und kann mit seinen Kontakten auch in den USA Türen öffnen – mehr aber auch nicht.
Komsa und Also haben teils identische Hersteller im Portfolio, beispielsweise Mitel. Also als börsennotierte Aktiengesesellschaft muss drauf achten, dass keine wettbewerbsrechtlichen Absprachen getroffen werden, wenn Joe Hemani persönliche Interessen bei Also und Westcoast zugleich vertritt. Das wäre unter Compliance-Gesichtspunkten auch für die Komsa-Geschäftsführung relevant. Denn auch eine GmbH fällt unter das Kartellrecht, und da würde der Spaß enden, käme es zu wettbewerbsrelevanten Abspachen zwischen konkurrierenden Distributoren.
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