Everpure und neuer Partner Fsas wollen keine Krisenprofiteure sein

Storage-Anbieter Everpure und sein neuer Technologiepartner Fsas (Fujitsu) treffen sich in einem wesentlichen Punkt: Aus den massiven Preissteigrungen teils um Faktor 10 wollen die Anbieter keinen Profit schlagen. Weitergeben müssten sie Kosten dennoch, wollen die Verunsicherung bei ihren Partnern aber, so gut es geht, mit Garantien abfedern.

Die Preisturbulenzen im Markt für Speicherkomponenten können sie nicht ändern. Aber mit Angebotsgarantien den Partnern ein Stück weit mehr Planungssicherhit geben, schon. Everpure-CEO Charles Giancarlo (li.) und Santosh Wadwa, Head of Platform Business bei Fsas (Fotos: Charles Giancarlo/Linkedin / CRN)

Kann man die Speicherhersteller Samsung, SK Hynix und Micron, die 90 Prozent des Markts dominieren, für Milliardengewinne kritisieren, weil sie den Hunger nach KI-Beschleunigerchips stillen und ihre Fertigungskapazitäten ganz auf High Bandwidth Memory verlagern? Man müsste die Marktwirtschaft insgesamt verdammen.

Die Halbleiterriesen verkaufen aktuell nicht, sie teilen zu. Man kann seine Energie darauf verschwenden, mit dem Finger auf das Oligopol zu zeigen. Besser ist es, sich bei der Zuteilung in eine aussichtsreiche Position zu bringen, technologisch innovativer zu werden, sprich Speichersysteme und Clients effizienter zu bauen, und als OEM die Unsicherheit bei Partnern so gut es eben geht, abzumildern. Durch Mindestgarantieren bei Preisangeboten, Verfügbarkeiten und Lieferzeiten. Vertrauen durch stetige Kommunikation ist oberstes Gebot. "In schwierigen Zeiten zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen oder eines Unternehmens", sagt Everpure-CEO Charles Giancarlo.

Everpure ergänzt Primary Storage-Portfolio von Fsas

In diesem Punkt treffen sich Everpure und sein neuer Partner Fsas Technologie, die Tochter des Fujitsu-Konzerns. Die Technolologie-Partnerschaft mit der ehemaligen Purestorage ist noch nicht offiziell verkündet, Santosh Wadwa, Head of Platform Business bei Fsas, hat sie am Montag auf einem Pressevent in München erwähnt.

Everpure hat Fsas in sein Primary Storage-Portfolio aufgenommen und die bestehenden Anbieter- u.a. NetApp, Quantum, Suse und RedHat - um ein weiteres Schwergewicht komplettiert. "Das breiteste Storage-Portfolio, das wir jemals hatten", so Wadwa. Technologisch ist die Fujitsu-Tochter Fsas mit dem skalierbaren Abomodell des neuen Partners Everpure noch flexibler – vor allem, was die Beschaffungsseite für Storage-Kapazitäten angeht.

Bei der aktuellen Komponentenkrise ist die Erweiterung des Storage-Portfolios kaum zu überschätzen. Beide Technologiepartner teilen die gleichen Schmerzen, was die Preisexplosion bei Speicherchips anbelangt. Beide sind partnerorientiert und teilen die ähnliche Strategie, Systemhäuser und IT-Dienstleister in Krisenzeiten nicht im Regen stehen lassen zu wollen. Verhindern können auch sie die Abhängigkeit vom Speicher-Oligopol Samsung, SK Hynix und Micron nicht. Aber Fsas und Everpure versuchen beide, die Preisexplosion ein Stück für die Partner abzufedern, Verfügbarkeit und damit Planbarkeit im Projektgeschäft sicherzustellen. Beide Technologiefirmen kommunizieren aktiv in Richtung ihres Channel, was in diesen Zeiten besonders wichtig ist.

Angebotsgarantie bei Fsas bekräftigt

Preisanpassungen nach oben, noch bei Auslieferung, wie manche Technologieanbieter diese dynamischen Preismodell der Speicherhersteller an ihre Partner weitergeben, kommt weder für Everpure noch Fsas in Frage. Solche Praktiken könnten "die Projekte und das Geschäft unserer Endkunden ernsthaft gefährden", sagte Santosh Wadwa bereits im März dieses Jahres. Alle Angebote von Fsas haben eine Gültigkeit bis zum Monatsende: "Ein Angebot, das zu Beginn des Monats erstellt wurde, bleibt somit vier Wochen lang gültig. Darüber hinaus weichen wir nicht von den zum Zeitpunkt der Bestellung getroffenen Vereinbarungen ab. Selbst wenn die Hardware erst drei oder vier Monate später geliefert wird, garantieren wir den im Angebot festgelegten Preis", so Fsas-Manager Wadwa. Am Montag dieser Woche erneuerte er diese Maßnahme. Sie gibt Partnern und deren Kunden ein Stück weit Sicherheit in unsicheren Zeiten.

"Wir werden aus dieser Krise keinen Profit schlagen"

Sie müssen die Preisdiskussion auch mit ihren Kunden führen und ihnen vor allem in einem Punkt entgegentreten: Das Gefühl zu haben, dass sich ein IT-Dienstleister auf ihre Kosten übermäßig eine goldene Nase verdient.

Genau in diesem Punkt geht der Everpure-Chef mit einer klaren und begründeten Stellungnahme in die Öffentlichkeit. Alle Kunden, einschließlich vieler Technologiehersteller, seien von "diesen dramatischen Preissteigerungen betroffen", so Everpure-CEO Charles Giancarlo – "der stärkste Anstieg der Technologiepreise in der Hightech-Ära". Seine Botschaft: "Wir werden aus dieser Krise keinen Profit schlagen". Dann geht der CEO ins Detail.

Beschaffungskosten seit Mitte 2025 "um 300 bis 900 Prozent gestiegen"

Everpure beziehe große Mengen an CPUs, DRAM-Speicher, Flash-Speicherchips und Tausenden anderer Komponenten für die Herstellung seiner Datenspeichersysteme für Unternehmen, Hyperscaler und KI. "Aufgrund der eskalierenden Kosten haben wir unsere Preise im letzten Quartal angehoben und müssen dies möglicherweise erneut tun. Im Durchschnitt sind unsere Preise seit Jahresbeginn um etwa 70 Prozent gestiegen", so Giancarlo.

Die Preise auf Terabyte-Basis seien in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 20 Prozent pro Jahr gesunken waren. "Ein Anstieg um 70 Prozent mag unzumutbar erscheinen, bis man die Realität dahinter versteht: Die Beschaffungskosten von Everpure für viele großvolumige Halbleiterkomponenten sind seit Mitte 2025 um 300 bis 900 Prozent (das 4- bis 10-Fache) gestiegen. In einigen Fällen konnten Lieferanten aufgrund der steigenden Nachfrage die zugesagten Mengen nicht liefern, sodass wir alternative Bezugsquellen (zu höheren Preisen) finden mussten, um die versprochenen Liefertermine einzuhalten".

Und weiter: "Während die Gesamtbeschaffungskosten im dritten Quartal 2025 langsam zu steigen begannen, haben sie sich zwischen Dezember und Januar etwa verdoppelt und sich dann im Februar und März erneut verdoppelt oder verdreifacht".

Trotz steigender Kosten im Dezember und Januar habe sein Unternehmen an den Preisen aus ausstehenden Angeboten "gemäß den damals festgelegten Bedingungen von 60 bis 90 Tagen" festgehalten.

Everpure habe während dieses Zeitraums "transparent" kommuniziert. Kunden und Vertriebspartnern sei signalisiert worden, "dass in unserem neuen Geschäftsjahr Preiserhöhungen bevorstehen würden". Die erste Preiserhöhung habe Everpure Anfang Februar umgesetzt und sei "zu Fristen von 30 bis 60 Tagen übergegangen".

Da die Kosten weiter stiegen, "haben wir eine zweite Erhöhung angekündigt und durchgeführt, um unsere Lieferketten und unsere Fähigkeit zur Erfüllung von Kundenaufträgen zu sichern. Wir geben Angebote nun mit einer Gültigkeitsdauer von 30 Tagen ab, da sich die Kosten und die Verfügbarkeit von Komponenten noch schneller ändern", so Charles Giancarlo.

Wettbewerber geben kaum Preisgarantie

Die Preiserhöhungen der Wettbewerber hätten laut Giancarlo bereits im Dezember begonnen. Aktuelle Angebote von Wettbewerbern hätten eine Gültigkeitsdauer "von einer Woche oder sogar weniger", beobachtet der CEO. Everpure dagegen pflege ein "außergewöhnliche Beziehungen zu unseren Partnern in der Lieferkette, die ihresgleichen sucht". Man schätze die Zusammenarbeit mit Partnern "in dieser Krise sehr". Transparente Kommunikation und fairer Umgang seien gefragt – "zu allen Stakeholdern: Kunden, Lieferanten, Vertriebspartnern, Mitarbeitern und Aktionären", so Giancarlo. Everpure wolle diesem Anspruch weiter treu sein und ein "langfristiger, vertrauenswürdiger Partner" bleiben.

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