Erneuter Umsatzsprung: Nvidia beansprucht die Netzwerk-Krone

Die enorme Nachfrage nach KI-Rechenzentren beschert Nvidia einen Ab- und Umsatzrekord nach dem nächsten, ein Ende des steilen Wachstums ist nicht Sicht. Angesichts des im Netzwerk-Segment erzielten Jahresumsatzes von 31 Milliarden US-Dollar beansprucht der GPU-König nun auch noch die Position als "größter Netzwerkhersteller der Welt" für sich.

Auch im Q4 und dem vergangenen Geschäftsjahr konnte Nvidia wieder zahlreiche Rekorde feiern (Foto: Nvidia)

Das Wachstum von Nvidia kennt angesichts des anhaltenden KI-Booms derzeit offenbar keine Grenzen, jedes Quartal gibt es neue Rekorde zu vermelden. So auch wieder diesen Mittwoch, bei der Vorstellung der Zahlen für das im Januar beendete vierte Quartal und das gesamte vergangene Geschäftsjahr. Demnach hat der GPU-Hersteller im Q4 mit 68,1 Milliarden US-Dollar nicht nur eine neue Höchstmarke beim Umsatz selbst erreicht, sondern mit einem Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem Q3 und einem Plus von 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugleich noch das größte sequenzielle Wachstum der Unternehmensgeschichte hingelegt.

Ganz nebenbei hat Nvidia damit die sowieso schon hoffnungsschwangeren Erwartungen der Analysten um rund zwei Milliarden Dollar übertroffen. Über das Gesamtjahr hinweg addierten sich die Umsätze auf 215,9 Milliarden US-Dollar und damit ebenfalls auf einen neuen Rekordwert. An der Börse wurde die Nachricht vom ungebremsten Wachstum als positives Signal gegen eine mögliche Überbewertung aufgenommen, der Aktienkurs stieg nachbörslich leicht an.

Speicherkrise: Kein Problem in Nvidias Höhen

Das Q4 war zugleich das erste Quartal, in dem die Auswirkungen der Komponenten- und Speicherkrise voll zum Tragen kamen. Während die knappen Verfügbarkeiten und explodierenden Preise vielen Herstellern, Partnern und Kunden zunehmend zu schaffen machen, und zu entsprechenden Anpassungen bei den Vertragsmodellen von OEMs wie HPE, Lenovo und Cisco führen, trifft Nvidia diese Entwicklung kaum. Mit 75,2 Prozent lag die Bruttomarge im vierten Quartal 1,7 Prozentpunkte über dem Vorjahr. Der Nettogewinn kletterte gegenüber dem Vorjahr um 79 Prozent und gegenüber dem Q3 um 25 Prozent auf 39,5 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis je Aktie lag bei 1,62 US-Dollar, ein Plus von 25 Prozent sequenziell und 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über dem Durchschnitt der Analystenschätzungen.

Derzeit deuten alle Vorzeichen darauf hin, dass Nvidia und sein Börsenkurs weiter von diesem Aufschwung profitieren können. "Der Markt sieht den Einsatz von KI, angetrieben durch Claude und die KI- und Agenten-Systeme von OpenAI, wahrscheinlich als nächsten Schritt für Nvidia", erläutert Tony Wang, Portfolio Manager bei T. Rowe Price. "Die Idee, dass natürliche Sprache zur nächsten Programmiersprache wird, ist bereits Realität. Anstelle der traditionellen Programmierung können Menschen einfach beschreiben, was sie wollen, und KI-Systeme können dies ausführen. Das öffnet die Tür für mehr autonome Agenten, die für einen höheren ROI eingesetzt werden können."

"Ein zentrales Thema ist das ROI-positive Token-Flywheel. Ingenieure sagen, dass Tools wie Claude mit nur 1 bis 2 Dollar an Tokens Stunden an Arbeit einsparen können. Wenn der Produktivitätsvorteil so deutlich ist, kann die Nutzung schnell skaliert werden." Tony Wang, Portfolio Manager, T. Rowe Price (Foto: T. Rowe Price)

Dementsprechend erwartet Nvidia auch im noch bis Ende April laufenden ersten Geschäftsquartal 2026 den nächsten kräftigen Sprung und peilt einen Umsatz von 78 Milliarden US-Dollar plus/minus 2 Prozent an. Im Mittelwert würde dies einen sequenziellen Anstieg von 14,5 Prozent und einen Zuwachs von 76 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeuten. Bei der Bruttomarge rechnet Nvidia auch im Q1 wieder mit etwa 75 Prozent.

Vom Zocker-Liebling zum Datacenter-König

Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt deutlich, woher der Schub kommt. Im vierten Quartal kamen 62,3 Milliarden US-Dollar, und damit ein weiterer Rekordwert und ganze 91 Prozent des Gesamtumsatzes, aus dem lukrativen Rechenzentrumsgeschäft. Mehr als die Hälfte davon resultierte allein aus Infrastruktur-Bestellungen von den Hyperscalern, die hunderte Milliarden Dollar in neue KI-rechenzentren investieren. Laut Nvidias Finanzchefin Colette Kress war ihr Anteil damit 13-mal größer als noch zum Zeitpunkt der Einführung von ChatGPT durch OpenAI im Jahr 2021. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs Nvidias Datacenter-Umsatz damit um 75 Prozent und um 22 Prozent gegenüber dem Q3.

Im Netzwerkgeschäft sieht sich Nvidia inzwischen als wichtigster Anbieter der Welt (Foto: Nvidia)

Wichtigster Block innerhalb des Rechenzentrumsgeschäfts bleiben die Compute-Produkte, insbesondere die GPUs und die zugehörigen Plattformen. Mit ihnen erwirtschaftete Nvidia einen Quartalsumsatz von 51,3 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 19 Prozent sequenziell und 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit brachten die Kernprodukte 82 Prozent des Datacenter-Umsatzes und mehr als drei Viertel des Gesamtumsatzes in den drei Monaten von November bis Januar.

"Eine stärkere Nachfrage nach Inferenz, also der Rechenleistung, die bei der aktiven Nutzung von KI erforderlich ist, könnte das Wachstum der KI verlängern und eine anhaltende Outperformance unterstützen", prognostiziert Analyst Wang. Allerdings wird sich Nvidia nach seinem Dafürhalten hier durch Vorstöße anderer Anbieter wie Google künftig größerer Konkurrenz ausgesetzt sehen als bislang: "Hier verschärft sich der Wettbewerb, da TPUs und andere kundenspezifische Siliziumchips auf den Markt kommen, sodass die Gesamtwachstumsraten und die Gesamtnachfrage nach Systemen eine wichtige Rolle spielen werden."

Nvidia beansprucht den Netzwerk-Thron

Neben den GPUs wächst allerdings auch das Netzwerkgeschäft innerhalb des Rechenzentrumsegments deutlich. Gegenüber dem Q4 2025 wuchs es um satte 263 Prozent, gegenüber dem vorherigen Quartal um 34 Prozent, und erreichte mit 11 Milliarden US-Dollar einen weiteren Rekord. Nvidia führt das vor allem auf die "fortlaufende Skalierung" seines NVLink-Compute-Fabrics für die Grace Blackwell GB200- und GB300-Rack-Scale-Plattformen sowie auf das Wachstum der Spectrum-X-Ethernet- und Quantum-InfiniBand-Netzwerkplattformen zurück.

Dieser Sprung zum Jahresende katapultierte den Gesamtumsatz der Netzwerk-Sparte für das Geschäftsjahr auf 31 Milliarden US-Dollar. Das ist Kress zufolge "mehr als das 10-Fache" als noch im Geschäftsjahr 2021, in dem Nvidia Mellanox Technologies übernommen hatte. Angesichts dieser Zahlen bezeichnete sich Nvidia in der Präsentation zu den Ergebnissen gar als "größten Netzwerkhersteller der Welt". Eine offenbar ganz bewusst gesetzte Spitze gegen HPE, Cisco und Co., die CEO Jensen Huang mit stolz geschwellter Brust nochmals unterstrich: "Ich denke, dass wir aktuell wahrscheinlich das größte Ethernet-Netzwerkunternehmen der Welt sind – zumindest werden wir es bald sein." Weiter erklärte Huang: "Spectrum-X Ethernet war für uns ein Volltreffer, aber wir sind offen dafür, wie die Menschen Netzwerk betreiben wollen."

Gerade dieses Übergreifen in andere Bereiche rund um das Kernprodukt der GPUs könnte nach dem Dafürhalten von Analysten jedoch auch zum Problem für Nvidia werden. "Gleichzeitig werden KI-Systeme immer größer und komplexer, insbesondere im Bereich Speicher und optische Komponenten", gibt Tony Wang zu bedenken. "Wie Nvidia diese steigenden Systemkosten bewältigt und gleichzeitig die Bruttomargen schützt, wird in Zukunft eine wichtige Rolle spielen."

Etwas durchwachsener stellt sich die Situation in Nvidias anderen Geschäftsbereichen dar. So stieg der Umsatz mit Gaming-Produkten zwar im Vergleich zum Vorjahr um 47 Prozent, lag mit 3,7 Milliarden US-Dollar aber dennoch 13 Prozent unter dem Wert des dritten Quartals. Der Umsatz im Bereich professionelle Visualisierung stieg sequenziell um 74 Prozent und im Jahresvergleich um 159 Prozent auf 1,3 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz im Automobilbereich lag bei 604 Millionen US-Dollar, was einem Anstieg von lediglich 2 Prozent sequenziell und 6 Prozent im Jahresvergleich entspricht.

Dieser Artikel entstand mit Material unserer geschätzten Kollegen von crn.com.

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