Ericsson setzt auf autonome Netze
Der Netzwerkausrüster Ericsson stellt das Lifecycle- und Konfigurationsmanagement seiner Cloud-nativen 5G-Kernnetzfunktionen auf ein GitOps-basiertes Modell um. Dadurch soll der Betrieb von Mobilfunknetzen stärker automatisiert und die Grundlage für einen autonomen Netzbetrieb geschaffen werden.
Ericsson führt ein GitOps-basiertes, deklaratives Lebenszyklus- und Konfigurationsmanagement für Cloud-native 5G-Kernnetze ein (Foto:
Ericsson)
Mit dem Ausbau von 5G-Standalone-Netzen steigt die operative Komplexität für Communications Service Provider. Traditionelle Ansätze zur Verwaltung von Kernnetz-Software basieren meist auf prozeduralen Skripten und manuellen Befehlsketten. Bei Änderungen oder Software-Upgrades müssen dabei Ingenieure jeden einzelnen Schritt explizit definieren und überwachen. Das neue Angebot im Rahmen des "Ericsson Intelligent Core"-Portfolios ersetzt diese Vorgehensweise.
Bei dem neuen Ansatz definieren Netzbetreiber nicht mehr den Weg zur Konfiguration, sondern lediglich den gewünschten Zielzustand (Intent). Ein zentrales Git-Repository dient dabei als maßgebliche Referenzquelle (Single Source of Truth) und bietet eine vollständige Versionskontrolle aller Systemzustände. Software-Controller vergleichen den tatsächlichen Zustand der Netzwerkfunktionen kontinuierlich mit dem im Repository hinterlegten Soll-Zustand. Abweichungen werden durch automatisierte Abstimmungsprozesse (Reconciliation Loops) selbstständig korrigiert.
Effizienzgewinne im Live-Betrieb
Der Wechsel zum deklarativen Betrieb ermöglicht eine stärkere Integration in bestehende CI/CD-Pipelines (Continuous Integration/Continuous Deployment) und unterstützt Verfahren wie das In-Service Software Upgrade (ISSU), bei dem Aktualisierungen ohne Unterbrechung des laufenden Netzes eingespielt werden. Dadurch lassen sich Wartungsarbeiten von nächtlichen Sonderfenstern in die reguläre Arbeitszeit verlegen.
Erste Praxiserfahrungen liefert der Schweizer Telekommunikationsanbieter Swisscom, der das Modell in seine bestehende Netzwerkinfrastruktur integriert hat. Nach Angaben des Unternehmens konnte die Zeit für Software-Upgrades um 60 Prozent reduziert werden. Die Bereitstellungsdauer neuer Netzwerkdienste verringerte sich um 97 Prozent. Neben der reinen Zeitersparnis sinkt durch die Verringerung manueller Eingriffe das Risiko von Konfigurationsfehlern im laufenden Betrieb.
Architektur für künftige autonome Netze
Das GitOps-Modell bildet das technische Fundament für weitergehende Automatisierungsstufen. Durch die Standardisierung der Schnittstellen und die Kapselung der Konfigurationszustände lässt sich das Lifecycle-Management mit KI-gestützten Analysewerkzeugen koppeln. Ziel ist ein geschlossener Regelkreis (Closed-Loop), in dem Systeme auf Basis von Echtzeitdaten selbstständig Konfigurationsanpassungen vornehmen – etwa bei der Optimierung von Roaming-Parametern oder der dynamischen Ressourcenverteilung. Die Git-kompatiblen Softwarepakete sind für alle Cloud-nativen Dual-Mode-5G-Kernnetzfunktionen von Ericsson verfügbar.
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