Erfundene Ware und Scraping: Amazons KI verärgert Händler

Bei den Testläufen in den USA sorgen Amazons neue KI-Features "Shop direct" und "Buy for me" immer wieder für Ärger bei Händlern. Nicht nur sollen sie ungefragt auf externe Shops zugreifen, sondern den Kunden dabei sogar teilweise Waren verkaufen, die der Händler gar nicht im Angebot hat.

Händler beklagen, dass Amazons Buy for me ungefragt ihre Seiten durchkämmt und dort unerwünschte oder gar unmögliche Käufe tätigt (Foto: Amazon)

Mit seinen neuen KI-Funktionen "Shop direct" und "Buy for me" will Amazon den Kunden das Einkaufserlebnis wesentlich vereinfachen und sie zugleich stärker an die eigene Plattform binden. Dazu bietet der Etail-Gigant ihnen mit Shop direct die Möglichkeit, sich in der Amazon-App auch über das eigene Sortiment hinausreichende Produkte anderer Onlineshops anzeigen und diese über den Agenten Buy for me teils direkt bestellen zu lassen. Laut Amazon, das nach eigenen Angaben schon heute mehr als 60 Prozent der Verkäufe für externe Händler initiiert, sind diese Optionen bislang nur für einzelne Nutzer in den USA freigeschaltet, die damit aber bereits Zugriff auf mehr als 500.000 Produkte haben sollen.

Auch wenn Amazon betont, den Händlern mit dem – zumindest bislang – provisionsfreien Angebot neue Absatzchancen bieten zu wollen, sind diese nicht ausnahmslos davon begeistert. Stattdessen sorgen die Systeme im Handel schon jetzt für einige Verwunderung und auch handfesten Ärger, wie US-Medien berichten. Immer wieder kommt es demnach vor, dass Händler von entsprechenden Bestellungen überrascht werden, die plötzlich über "buyforme.amazon" eingehen, da sie sich nicht für ein entsprechendes Programm angemeldet haben und nichts darüber wissen. Das liegt daran, dass Amazon auf ein Opt-Out-System setzt, mit dem externe Händler wie etwa Markenshops ihren Onlineshops aktiv sperren lassen müssen. Anderen Berichten zufolge hilft aber auch das nicht immer zuverlässig gegen die Bestellungen von der Amazon-KI.

Einige Händler monieren deshalb, dass Amazon mit seiner KI unerlaubt ihre Shops durchkämme ("Scraping") und damit nicht nur wertvolle Informationen erhalte, sondern zugleich teilweise für ein nicht erwünschtes Bestellvolumen sorge. Und damit nicht genug: Mehrere Händler berichten zudem, dass Amazons KI-Agent bei ihnen bereits Bestellungen für Produkte aufgegeben habe, die entweder bereits ausverkauft waren oder die sie überhaupt nicht im Angebot haben. Das führe für sie zu zusätzlichem Aufwand für die Stornierung und die Kommunikation mit den entsprechend genervten Kunden, denen die Amazon-KI bereits einen erfolgreichen Kauf signalisiert habe.

Während Amazon diese Beschwerden der Händler unter anderem mit dem Verweis auf das Teststadium und die Möglichkeit des Opt-Out-Verfahrens abwiegelt, reagiert der Konzern bei ähnlichen Versuchen anderer Anbieter wenig verständnisvoll. Erst im Herbst hatte der Etailer etwa den KI-Anbieter Perplexity verklagt, weil dieser es Verbrauchern über seinen KI-Browser ermöglicht hatte, indirekt bei Amazon zu stöbern und einzukaufen.

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