Digitale Souveränität: Fujitsu kündigt KI-Plattform für Europa an

Der japanische Technologiekonzern wird Mitte des Jahres eine dezidierte KI-Plattform auf den Markt bringen, die Unternehmen in Europa "hochgradig souverän" in Eigenregie oder extern betreiben können. Einstiegshürden sollen fallen, die Implementierung schnell erfolgen – "ohne umfangreiches Fachwissen"

Ein Bild, das Text, Screenshot, Ausstellung, Marke enthält. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

Der japanische Technologiekonzern verstärkt sein Engagement bei Künstlicher Intelligenz: Nächsten Monat startet die Testphase für eine dezidierte KI-Plattform für Kunden in Europa. Die haben besondere Anforderungen an den Datenschutz: viele wollen KI in einer Private Cloud-Umgebung in ihrem Rechenzentrum betreiben oder zumindest in Rechenzentren von Dienstleistern anbieten, die in Europa stehen. Unterliegt ein Anbieter mit Hauptsitz in den USA nicht US-amerikanischen Auflagen wie etwa dem Cloud-Act, umso besser, sprich: sicherer vor behördlich angeordneter Datenherausgabe. Mit einem "umfassenden Gesamtpaket" wollen die Japaner ihre KI-Server, -Dienste sowie KI-Lösungen und -Modelle in der Plattform bündeln und anbieten. Das Kalkül: Einstiegshürden senken, die Implementierungszeit verkürzen. Wegen des Fachkräftemangels sind viele Unternehmen nicht in der Lage, eigene IT-Ressourcen vorzuhalten. Daher sind sie offen für IT-Betriebskonzepte, die entweder vom Technologiehersteller kommen oder von Partnern des Anbieters. Vorteil Fujitsu, bzw. Fsas: beide Varianten sind möglich.

Fujitsu hat seinen Konzernsitz bekanntlich in Japan, hatte vor sechs Jahren in Augsburg sogar noch eine eigene PC-, Server- und Mainboard-Fertigung (ins Ausland verlegt), viele Kunden sind öffentliche Auftraggeber und die seit einem Jahr unter Fsas Technologies in Deutschland firmierende IT-Dienstleistungstochter hat hierzulande ein großes technisches und vertriebliches Team, das Kunden und Partner von Fujitsu eng betreut. KI ist für den Hersteller und seine Partner kein Neuland, vor einem Jahr konnten Partner aus rund 60 KI-Branchenlösungen wählen. Mittlerweile dürfte das Portfolio erheblich gewachsen sein. Nun kommt schrittweise auch die dezidierte KI-Plattform dazu.

Auf dieser Architektur basiert Fujitsus neue KI-Plattform, die ab Sommer 2026 startet (Grafik: Fujitsu)

Mit ihr sollen Unternehmen den gesamten Lebenszyklus generativer KI eigenständig verwalten können – von der optimalen Modellentwicklung über den Betrieb und das inkrementelle Lernen bis hin zur kontinuierlichen Verbesserung von Modellen und Agenten. Die Plattform wird schrittweise in Japan und Europa eingeführt, die Vorregistrierung für Testversionen soll im Februar 2026 beginnen.

Die neue Plattform wird auf der Private AI Plattform auf PRIMERGY und Private GPT bereitgestellt (siehe Grafik). Laut Hersteller werden hier die "fortschrittlichen KI-Technologien und Plattformprodukte von Fujitsu – einschließlich der Fujitsu Kozuchi KI-Lösung – zu einem umfassenden Gesamtpaket" gebündelt.

Diese Funktionen und Vorteile bietet die künftige KI-Plattform von Fujitsu (alles Herstellerangaben):

•Sichere Nutzung generativer KI in dedizierter, geschlossener Umgebung. Verhindert die Offenlegung externer Daten.

•Kunden können ihren bevorzugten Installationsort wählen, einschließlich ihrer eigenen Rechenzentren oder solchen von Fujitsu, je nach ihren spezifischen Anforderungen.

•Fujitsu bietet zudem umfassende Dienstleistungen, die von der Bereitstellung der Infrastruktur bis hin zur fortschrittlichen Operationalisierung reichen, um Kunden umfassend zu unterstützen.

Technologie für vertrauensvolle generative KI

•Die Plattform setzt auf einen Schwachstellenscanner, der mehr als 7.700 Schwachstellen – einschließlich von Fujitsu definierter Typen – identifiziert, sowie auf Guardrail-Technologien, die böswillige Angriffe wie Prompt-Injektionen, unangemessene Ausgaben und unerwartete Verhaltensweisen sowohl vor der Ausführung als auch zur Laufzeit erkennen und verhindern.

•Die automatisierte Erstellung von Regeln für erkannte Schwachstellen sowie deren Anwendung auf die Guardrails ermöglichen einen stabilen, sicheren und zuverlässigen KI-Betrieb – auch für Anwender ohne tiefgehende Fachkenntnisse.

•Darüber hinaus plant Fujitsu, Technologien zur Vermeidung von modellbedingten Fehlschlüssen weiter auszubauen und damit die Zuverlässigkeit der generierten Informationen kontinuierlich zu erhöhen.

Hochpräzise generative KI-Modelle mit Optimierungs- und Komprimierungstechnologien

•Die Plattform basiert auf Takane³, einem leistungsstarken Sprachmodell, das eine hochpräzise japanische Sprachverarbeitung sowie Bildanalyse ermöglicht. Ergänzt wird dies durch eine integrierte Feinabstimmungsfunktion, mit der geschäftsspezifische Modelle kontinuierlich weiterentwickelt werden können.

•Die KI-Modelle sind bewusst leichtgewichtig ausgelegt, wodurch sich der Speicherbedarf um bis zu 94 Prozent reduzieren lässt4 und generative KI durch eine effizientere Nutzung der Rechenressourcen breiter einsetzbar wird.

•Durch die Integration moderner Quantisierungstechnologien lassen sich die Kosten für den KI-Betrieb deutlich senken, während gleichzeitig die Leistungsfähigkeit der Modelle gesteigert wird.

Effizienztechnologien für die Entwicklung von KI-Agenten

•Das KI-Agenten-Framework bietet Low-Code-/No-Code-Funktionen, die den Aufbau dieser Agentenbeschleunigen und so die Effizienz und Geschwindigkeit der Entwicklung für Teams vor Ort deutlich erhöhen.

•Die Plattform unterstützt MCP (Model Context Protocol) sowie die Kommunikation zwischen Agenten, wodurch eine nahtlose Integration in bestehende Systeme und Daten sowie der kooperative Betrieb mehrerer KI-Agenten für anspruchsvolle Anwendungen ermöglicht wird.

•Fujitsu prüft derzeit, seine proprietären Technologien zu containerisieren und sie als KI-Agenten auf Abruf bereitzustellen.

Verfügbarkeit

Vor der offiziellen Markteinführung werden ab dem 2. Februar 2026 Vorabtests für ausgewählte Funktionen, wie die interne Feinabstimmung und Modellquantisierung, angeboten. Die Funktionen werden ab Februar schrittweise bereitgestellt, während die offizielle Markteinführung für Juli 2026 geplant ist.