Digitale Hintertüren gefährden Datacenter
Während die Sicherheit der IT-Systeme in Rechenzentren stetig aufgerüstet wird, übersehen die Betreiber zugleich häufig die Risiken in peripheren Anlagen wie HLK-Systemen und der unterbrechungsfreien Stromversorgung. Dabei weisen mehr als 20 Prozent von ihnen kritische Lücken auf, die Angreifern als Eingangstor nutzen könnten.
Der Betrieb eines Rechenzentrums erfordert neben den eigentlichen Racks mit Servern, Storage, Switches und Co auch zahlreiche Anlagen in deren direktem Umfeld, die dem Betrieb und der Sicherheit dienen. Die Palette reicht von der unterbrechungsfreien Stromversorgung für die IT-Anlagen über HLK-Systeme (Heizung, Lüftung, Klimatechnik) bis hin zur Gebäudesicherheit. Dass solche Komponenten aber auch selbst zur Gefahr werden können, wird dabei gerne übersehen. Wie groß und unterschätzt diese ist, zeigt jetzt der Bericht "State of CPS Security: Data Center Exposures" des Security-Anbieters Claroty auf, der auf einer Analyse von mehr als 750.000 Komponenten cyber-physischer Systeme in Rechenzentren basiert. Ihm zufolge weist jede fünfte davon gravierende Sicherheitslücken auf. Viele davon könnten genutzt werden, um sich über diesen Umweg entweder Zugang zu den zentralen Systemen zu verschaffen oder zumindest gravierende Störungen des Betriebs auszulösen.
"Rechenzentren haben sich weltweit zur kritischen Infrastruktur entwickelt", konstatiert Claroty-CTO Amir Preminger. "Ähnlich wie bei Stromversorgern oder dem Verkehrswesen erkennen Angreifer immer häufiger den hohen Wert, den eine Störung ihres Betriebs mit sich bringt." Und um diese direkt oder indirekt zu erzielen, bieten die peripheren Anlagen und Einrichtungen zahlreiche veritable Ansatzpunkte für Angriffe. Eine besonders große Schwachstelle sind dem Report zufolge die Gebäudemanagementsysteme (GMS). Fast alle untersuchten GMS (88 Prozent) sind durch eine potenzielle Exponierung gefährdet, da sie über unsichere Protokolle kommunizieren. Zusätzlich werden 40 Prozent von ihnen mit veralteter Firmware betrieben, die weitere Lücken aufweist.
Ein ähnliches Problem gibt es demzufolge bei den OT-Steuerungssystemen, IoT-Systemen sowie Lösungen zur Überwachung der Stromzufuhr und Leistungsbereitstellung. Hier wurden in mehr als 80 Prozent der untersuchten Systeme ebenfalls veraltete, unsichere Protokolle wie etwa BACnet und MODBUS genutzt. Zudem weisen 23 Prozent der untersuchten IoT-Geräte in Rechenzentren bereits bekannte und auch ausgenutzte Sicherheitslücken (KEVs) auf. Am häufigsten direkt über eine Verbindung zum Internet exponiert oder nur einen Schritt davon entfernt sind laut dem Bericht Stromverteilungseinheiten (41 %) und HLK-/Kühlsysteme (32 %).
So lässt sich die CPS-Flanke von Datacentern schützen
"Der Schutz von Rechenzentren ist angesichts des KI-Booms sowie im Hinblick auf die wirtschaftliche und nationale Sicherheit von gesellschaftlicher Bedeutung" fordert Preminger und erklärt: "Für die Betreiber ist der Aufbau operativer Resilienz der beste Weg, um diese komplexen CPS-Ökosysteme effektiv zu schützen."
- Eine der Grundlagen dafür ist laut Claroty ein kontinuierliches Exposure Management, das mögliche interne Angriffspfade fortwährend erfasst, analysiert und ihre Behebung einleitet.
- Im zweiten Schritt sorgt eine protokollbasierte Bedrohungserkennung für die kontinuierliche Überwachung auf Anomalien und laterale Aktivitäten, um Gefahren möglichst schnell und effizient zu erkennen und adressieren.
- Dazu kommt als dritter Pfeiler die Netzwerksegmentierung nach dem Zero-Trust-Prinzip, um den Wirkungsradius potenzieller Eindringlinge zu beschränken und laterale Bewegungen im Netzwerk zu erschweren.
- Wie die Untersuchung deutlich aufzeigt, gehört zu einem entsprechenden Sicherheitsprogramm unbedingt auch die Härtung des Gebäudemanagementsystems. Ein wichtiger Schritt hierbei ist es, die nicht patchbaren Altsysteme möglichst effizient zu isolieren, um mit ihnen keine Angriffsfläche zu bieten.
CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden