Deutscher Security-Markt schwächelt gegen den Trend

Während der Umsatz mit IT-Sicherheit in vielen europäischen Ländern wie Italien und Spanien im zweiten Halbjahr 2025 weiterhin stark wuchs, war er in Deutschland rückläufig. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf dem wachsenden Bedarf an Sicherheit für die Daten und Tools im Zuge des KI-Booms.

(Foto: Black_Kira - GettyImages)

Der europäische Security-Markt wächst kräftig weiter, im vergangenen Jahr legte er laut Context gegenüber dem Vorjahr um 5,2 Prozent zu. Besonders gut liefen die Geschäfte demnach in Süd- und Osteuropa. So wuchsen die Ausgaben für IT-Sicherheit in Polen etwa um 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in Spanien um 20 Prozent und in Italien um 15 Prozent. Dass das Wachstum trotz solcher starken Impulse insgesamt nicht deutlich größer ausgefallen ist, lag vor allem an zwei prominenten Ausreißern: Mit Deutschland und Großbritannien schwächelten in der zweiten Jahreshälfte ausgerechnet zwei der größten Märkte und zogen so die Gesamtbilanz nach unten. Während die Ausgaben in Deutschland im vierten Quartal um 7 Prozent zurückgingen, lag das Minus in Großbritannien sogar bei 15 Prozent.

Nachdem der gesamteuropäische Markt gegenüber dem Vorjahr bereits im dritten Quartal mit 1,8 Prozent ins Minus gekippt war, verstärkte sich dieser Trend mit dem weiter rückläufigen Geschäft in den beiden Kernmärkten auf Minus 3 Prozent. "Auffällig war, wie sich die Investitionsprioritäten verschoben haben", konstatiert Joe Turner, Global Director of Research bei Context. "Das Wachstum ist nicht verschwunden, sondern hat sich lediglich auf andere Länder und andere Sicherheitsbereiche verlagert." Durch die Schwäche auf der einen und die Stärke auf der anderen Seite konnte beispielsweise Italien erstmals einen zweistelligen Marktanteil erreichen und über das Gesamtjahr 2025 gerechnet 10,1 Prozent des gesamten europäischen Umsatzes im Bereich Cybersicherheit verbuchen.

Datensicherheit als Verkaufsschlager

"Trotz eines verhaltenen Jahresendes zeigte der europäische Cybersicherheitsmarkt im Jahr 2025 eine echte Widerstandsfähigkeit." Joe Turner, Global Director of Research, Context (Foto: Context)

Ähnlich große Verschiebungen gab es auch in den einzelnen Marktsegmenten. Das größte von ihnen blieb die Netzwerksicherheit, bei der die Analysten ein Umsatzwachstum von 7 Prozent verzeichneten. Antreiber waren auch hier vor allem Spanien und Italien, in denen die Security-Anbieter von einer starken Hybrid-Cloud-Migrationsbewegung der dort sitzenden Unternehmen profitieren konnten. Selbst im Q4, in dem der Gesamtmarkt stagnierte, legten das Geschäft mit Netzwerksicherheit dort noch um 34 (Spanien) beziehungsweise 26 Prozent (Italien) zu.

Noch etwas stärker legten die Bereiche Infrastrukturschutz sowie Identitäts- und Zugriffsmanagement zu. Hier waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Märkten allerdings nicht ganz so gravierend, da ein großer Teil des Wachstums von den regulatorischen Anforderungen wie der NIS2-Richtlinie und der anhaltenden Umstellung auf Zero-Trust-Sicherheitsmodelle herrührte, die für Unternehmen in allen Ländern, inklusive Deutschland, eine wichtige Rolle spielten.

Für das größte Wachstum sorgte im vergangenen Jahr mit einem Plus von 13 Prozent jedoch die Datensicherheit. Neben den auch hier verschärften regulatorischen Anforderungen an die Datenverschlüsselung und -klassifizierung trug dazu vor allem der KI-Boom bei, der neue und bessere Möglichkeiten zur Absicherung sensibler Datensätze bei Training und Nutzung von KI-Modellen und -Agenten erfordert. "Daten sind mittlerweile die Grundlage sowohl für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften als auch für die Entwicklung künstlicher Intelligenz", führt Turner aus. "Da Unternehmen immer mehr in interne KI-Modelle investieren, ist der Schutz der Daten, die diese Modelle speisen, zu einer geschäftskritischen Aufgabe geworden. Der Verlust der Kontrolle über diese Daten birgt nicht nur Compliance-Risiken, sondern untergräbt auch den Wert der KI-Investitionen selbst."

Insofern ist es einigermaßen überraschend, dass die Unterschiede just in diesem Segment besonders extrem waren. In Polen investierten die Unternehmen und Einrichtungen dafür 168 Prozent mehr als noch 2024, in Deutschland verzeichnete Context hingegen nur ein Plus von 15 Prozent bei den entsprechenden Ausgaben. Dass die Anpassung der Sicherheit ans KI-Zeitalter in Polen so stark startet, liegt laut den Marktforschern auch an großzügigen Förderprogrammen, mit denen die Politik Unternehmen bei der KI-Transformation und der Verbesserung ihrer Datensicherheit unterstützt.

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