Daten-Unfälle: Vom Absturz gebackener SSDs mit Schwips
Wenn Datenretter am Jahresende Bilanz ziehen, kommt dabei meist einiges kurioses zusammen: Von der gebackenen Foodblogger-SSD über den Laptop-Absturz im Bierzelt bis hin zur schwimmenden Spielkonsole…
Wer einen professionellen Datenrettungsdienst aufsucht, der hat gemeinhin wenig zu lachen: Meist sind ihm wichtige Daten durch Aus- und Unfälle verloren gegangen und die Experten die letzte verbleibende Hoffnung, diese vielleicht wiederherstellen zu können. Zum Glück gelingt ihnen das in den meisten Fällen auch, selbst bei vermeintlich aussichtslosen Fällen. Dann kann befreit aufgeatmet und manchmal auch herzlich gelacht werden. Denn in der Rückschau entbehrt manch befürchteter Daten-GAU nicht einer gewissen Komik, wie folgende 10 kuriosen Datenunfälle zeigen, mit denen es Data Reverse im vergangenen Jahr zu tun bekam. Die Bandbreite der unnatürlichen Ausfallerscheinungen reicht vom Staubsaugerroboter, der Daten verschluckt bis hin zum U-Bahn-Surfenden Ultrabook.
Das iPad fällt nicht weit vom Stamm
Während ein Designer in Düsseldorf unter Hochdruck an der Präsentation für einen wichtigen Pitch arbeitete, machte sich sein iPad plötzlich selbständig, flog davon und knallte auf den Boden. Ein Gast hatte das Ladekabel übersehen und so für die unfreiwillige Umfunktionierung zum teuren Apple-Frisbee gesorgt, durch die das Gerät so stark beschädigt wurde, dass es nicht einmal mehr starten wollte. Um das Pech zu vervollständigen, waren die Daten noch nicht mit der Cloud synchronisiert.
Der Fall brachte neben dem Eigentümer auch die Datenretter zunächst etwas ins Schwitzen. Denn durch die mit dem A2-Chip verknüpfte automatische Verschlüsselung konnten sie den Speicher nicht einfach auslöten, um an die wertvollen Daten darauf zu gelangen. Somit war klar, dass der einzige Rettungsanker in einer Reparatur des Logicboards bestand. Tatsächlich konnten die Experten nach einer eingehenden Analyse einen defekten Power-Management-Chip als Ursache des Totalausfalls ausmachen – er ihrem Bekunden zufolge ein nicht unüblicher Schaden bei modernen Apple-Geräten, die solchen Gravitationsexperimenten unterzogen werden. So konnten sie ihre Erfahrung nutzen, um die zentrale Elektronik soweit wiederherzustellen, dass sie das Gerät starten und die Daten der Präsentation auslesen und übertragen konnten.
Herr Doktor, mein RAID-Server hat Schweißausbrüche
Mit einem ungewöhnlichen Notfalleinsatz in der eigenen Praxis musste sich im vergangenen Jahr ein Hausarzt aus Bonn auseinandersetzen: Da eines Morgens plötzlich keinerlei Patientendaten, Befunde, Laborwerte, Abrechnungen, und so weiter mehr abrufbar waren, begab er sich sofort zu einer ersten Diagnose in den Serverraum. Zwar konnte er dort schnell eine erhöhte Temperatur des digitalen Patienten aufgrund eines Ausfalls der Klimaanlage feststellen. Da das Problem aber auch nach der Wiederinbetriebnahme und Abkühlung bestehen blieb, holte er sich zur genaueren Untersuchung und Erstellung eines Therapieplans Hilfe von den Data-Reverse-Experten.
Diese stellten schnell fest, dass sich durch die Temperaturschwankungen Kondenswasser auf dem RAID-Controller gebildet und diesen beschädigt hatte. Deshalb ließ sich auch mit dem Backup nichts mehr anfangen, das entgegen allen Empfehlungen auf demselben Server lag. Zur Genesung der RAID-Struktur mussten die Retter somit den ausgefallenen Controller emulieren und die Metadaten analysieren. So konnten sie sämtliche Daten rekonstruieren und die Praxis schon am nächsten Tag wieder ohne jegliche Einschränkungen ihrer digitalen Gesundheit ihren Betrieb aufnehmen.
Eiskalt abgestürzt
Mit dem temperaturtechnischen Gegenteil hatte ein Produktionsstudio zu kämpfen, das mit einer Drohne winterliche Bilder und Videos für eine Imagekampagne im Allgäu schoss. Mitten im Steigflug stoppte das DJI-Fluggerät plötzlich und stürzte ungebremst ab. Offenbar hatten die frostigen Temperaturen von Minus 6 Grad Celsius dem Akku ärger zugesetzt, als vom Power Management erwartet. Beim Sturz auf den harten, vereisten Boden wurde nicht nur die Drohne selbst schwer beschädigt, auch die darin befindliche microSD-Speicherkarte zeigte entsprechende Schäden durch die physische Gewalteinwirkung und konnte nicht mehr ausgelesen werden.
So landete sie letztendlich – sanft – auf dem Tisch der Datenretter. Diese legten sie schichtweise frei, um per Direktauslesung an die Daten zu gelangen. Mit diesem Vorgehen gelang es ihnen, sämtliches Material wiederherzustellen. Das erlaubte es dem Studio, die gewünschten hochauflösenden Imagefilme termingerecht abzuliefern, ohne einen neuerlichen Drehtermin mit passenden Wetterbedingungen ansetzen zu müssen.
Ist das Steuer-Kunst, oder kann das weg?
Ein kleiner Klick für einen Mitarbeiter, ein großes Drama für das gesamte Unternehmen. So lässt sich ein Fall zusammenfassen, mit dem sich die Datenretter in einem Maschinenbauunternehmen befassen durften. Dort hatte ein Buchhalter in einem unaufmerksamen Moment einen aktiven DATEV-Ordner gelöscht, der für eine vollständige und fristgerechte Fertigstellung des Jahresabschlusses unbedingt benötigt wurde. Zudem wurde der Fehler erst mit einigem Abstand bemerkt, sodass einige der durch die Löschung der logischen Verweise als frei markierten Bereiche der NVMe-SSD inzwischen mit anderen Daten überschrieben worden waren.
Trotz dieser denkbar schlechten Voraussetzungen gelang es Data Reverse durch eine sektorenweise Analyse der Rohdaten, einen Großteil der entscheidenden Buchungs- und Journalfragmente zu retten und zusammenzuführen, sodass der Abschluss mit den wiederhergestellten Finanzdaten rechtzeitig an den Steuerberater übermittelt werden konnte.
Übertriebene Datenhygiene
Nicht minder blank stand ein Vater aus Leipzig im vergangenen Jahr da, als er die Bilder vom Geburtstag seiner Tochter sichern wollte, die ihm aufgrund der darauf mit vertretenen Großeltern besonders am Herzen lagen. Allerdings war der USB-Stick mit den Daten nicht mehr an seinem Platz. Er tauchte erst kurz darauf wieder auf, als der Staubsauger-Roboter mit sichtbarer Schlagseite hart gegen eine Kante der Kommode donnerte. In der rotierenden Bürste der digitalen Reinigungskraft verkeilt fand sich der gesuchte Stick, der seinem Eigentümer zuvor also offenbar unter das Möbelstück gefallen sein musste. Durch den Fall und den Crash waren das Gehäuse des Sticks gebrochen und der Controller beschädigt worden, sodass er nicht mehr reagierte.
So kam der Stick aus dem Reinigungsgerät in den Reinraum und wurde dort von den Spezialisten fachmännisch bearbeitet. Nachdem sie den NAND-Chip vorsichtig herausgelötet hatten, konnten sie die Rohdaten mit ihren Spezialsystemen auslesen und die Dateistruktur rekonstruieren, sodass alle Fotos gerettet wurden.
Ein Laptop als U-Bahn-Surfer
Aber nicht nur USB-Sticks haben offensichtlich manchmal etwas Pech mit ihren Mitfahrgelegenheiten, wie ein Beispiel aus Hamburg zeigt. Dort verklemmte sich der Rucksack einer Pendlerin beim Einsteigen in die U-Bahn in den sich schließenden Türen. Dabei verformten sie das im Gepäck steckende Ultrabook der Dame so sehr, dass es sich nicht mehr starten ließ. Also ging die Fahrt für das Gerät direkt weiter zu Data Reverse.
Dort stellten die Techniker schnell fest, dass die Kräfte die Versorgungsschiene zur fest verlöteten SSD beschädigt hatten, sodass diese nicht mehr angesprochen werden konnte. Mit viel Feingefühl schafften sie es jedoch, die Leiterbahn zu reparieren, sodass sie die SSD vollständig auslesen und die wertvollen Arbeitsdaten und Dateien sichern konnten.
Headcrash-Arie
Ein weiterer Datenrettungseinsatz des vergangenen Jahres erinnert schwer an Cartoons und Sketche, in denen Sänger mit ihrer zweifelhaften Kunst Gläser und Fensterscheiben zum Bersten bringen. Nur handelte es sich in diesem Fall statt des Stümpers um einen professionellen Sänger und statt der Gläser um eine Festplatte. Und das kam so: Der Mann hatte sich für wichtige Bewerbungsaufnahmen in eine kleine Kammer zurückgezogen, in der er seine Passagen mit einem Mac mini mitschnitt. Allerdings brachte sein stimmgewaltiger Gesang im wahrsten Sinne des Wortes die Wände und das Mobiliar zum Beben, wodurch der leichte Mini-Mac zur Tischkante und darüber hinaus wanderte. Nach dem Sturz ließ sich das Gerät nicht mehr hochfahren.
Den deshalb hinzugezogenen Datenrettungskräften verriet das rhythmische Klicken beim Einschalten unmittelbar, dass sie es hier mit einem Headcrash in der mechanischen HDD des Apple-Geräts zu tun hatten. Dementsprechend öffneten sie die Festplatte im Reinraum und tauschten die beschädigten Schreib- und Lese-Köpfe aus. Danach begann das Laufwerk wieder wie erhofft zu singen und gab sämtliche Daten, einschließlich der wichtigen Aufnahmen, wieder heraus.
Absturz mit Laptop und Lederhosen
Ein kurzer Ausflug auf die Wiesn wäre für einen Geschäftsreisenden beinahe bitter geendet. Allerdings war es nicht der Alkohol, der dem Mann nach dem Oktoberfestbesuch ernsthafte Kopfschmerzen bereitete, sondern sein Laptop. Diesen hatte er bei seinem Abstecher ins Bierzelt in seinem Rucksack unter die Bierbank gestellt, um ihn bestmöglich vor herumschwappendem Gerstensaft und ähnlichem Unbill zu schützen. Genau dort wurde dem Gerät dann jedoch der bekannte Bierbank-Katapult-Effekt zum Verhängnis: Weil mehrere andere Personen aufstanden, kippte die Bank und klemmte dabei den Rucksack mit dem Laptop so stark ein, dass dieser sich anschließend nicht mehr starten ließ.
Im Data-Reverse-Labor zeigte sich schnell, dass die Leiterbahn zur verlöteten NVMe-SSD durch die Krafteinwirkung beschädigt worden war. Deshalb bedurfte es einer mikroskopisch feinen Reparatur, um die Datenleitung widerherzustellen und so die Daten von der SSD retten zu können. So konnte der Mann sein wichtiges Meeting in München am nächsten Tag doch noch erfolgreich und ganz ohne Kater absolvieren.
Die schwimmende Switch
Die heutige Jugend wächst im festen Glauben auf, dass es für alles eine App gibt – warum also nicht auch für das Schwimmtraining fürs Seepferdchen? Vielleicht war es dieser unerschütterliche Glaube an die Digitalisierung und Gamifizierung, die zwei Geschwister dazu brachte, ihre Nintendo Switch mit an – oder gar in? – das Planschbecken zu nehmen. So kam es, wie es kommen musste, und das Gerät landete letztendlich im Wasser. Statt ihnen dort die richtige Beintechnik zu demonstrieren, schaltete sich die Konsole jedoch sofort ab und ließ sich anschließend nicht mehr wiederbeleben.
Um ihre über sechs Jahre gesammelten Fortschritte, Inhalte und Erfolge nicht zu verlieren, schalteten die Kids und ihre Eltern das professionelle Rettungsteam von Data Reverse ein. Dieses stellte bei seiner Untersuchung schnell fest, dass der korrodierte Kartencontroller keinen elektrischen Kontakt mehr lieferte. Zum Glück war der NAND-Chip selbst jedoch noch in Takt, sodass sie die Rohdaten per Chip-Off-Verfahren auslesen und sämtliche Spielstände vollständig rekonstruieren konnten.
Geheimrezept im Foodblog: Gebackene SSD
Die allzu große Konzentration auf das Wesentliche ihrer Arbeit wäre einer Berliner Foodbloggerin beinahe teuer zu stehen gekommen. Beim Fotografieren ihrer neusten Kreationen im Backofen hatte sie ihren Laptop auf der geöffneten Ofentür abgestellt. Als sie im Arbeitseifer aus Versehen dagegen stieß, rutschte das Gerät in den Backofen und landete dort auf der heißen Bodenplatte.
Weil sich das Gerät anschließend nicht mehr starten ließ und die verbaute SSD nicht mehr fand, wendete sich die verzweifelte Influencerin an die Datenrettung. Deren Experten fanden heraus, dass sich durch die Hitze mehrere Lötstellen gelöst hatten. Nach der entsprechenden Reparatur der Bauteile ließ sich die SSD wieder stabil ansprechen. So konnten alle Foto- und Videoaufnahmen vollständig wiederhergestellt und ausgeliefert werden.
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