ChatGPTs Dominanz bröckelt zusehends

OpenAIs Chatbot-Pionier ChatGPT verspielt zunehmend seinen einst dominanten Vorsprung bei den Marktanteilen. Schon bald könnte Googles Gemini vorbeiziehen. Andere Kandidaten wie Grok und DeepSeek bleiben weit dahinter zurück.

OpenAIs ChatGPT verliert zunehmend Boden an Googles Gemini (Foto: Similarweb)

Seit OpenAI mit der Veröffentlichung der kostenlos nutzbaren Version GPT-3.5 den KI-Boom eingeläutet hat, ist der Chatbot der unangefochtene Marktführer und "ChatGPT" für viele zum Synonym für diese Kategorie der KI-Tools geworden. Inzwischen macht die Konkurrenz dem Pionier allerdings zunehmend zu schaffen und nimmt OpenAI Marktanteile ab. Hatte ChatGPT 2023 noch mehr als 90 Prozent der KI-Abfragen abgearbeitet, fiel dieser Wert in den vergangenen 12 Monaten nicht nur deutlich, sondern auch mit zunehmender Geschwindigkeit.

Laut den aktuellen Daten der Analysten von Similarweb etwa konnte ChatGPT Anfang 2025 noch 86,7 Prozent der direkt über die Webseiten der Anbieter laufenden Besuche für sich verbuchen, mit weitem Abstand vor Googles Gemini (5,7 Prozent) und Perplexity (1,9 Prozent). Drei Monate später wurde der OpenAI-Chatbot noch von 78,6 Prozent der Nutzer angesteuert, während Gemini seinen Anteil leicht auf 8,6 Prozent steigern konnte. Der chinesische Neueinsteiger DeepSeek erreichte, nicht zuletzt aufgrund der vielen Nachrichten, aus dem Stand 4,8 Prozent. Zur Jahresmitte war ChatGPT dann schon auf unter 75 Prozent gefallen, während Gemini sein Wachstum mit 12,9 Prozent beschleunigen konnte. Das Interesse am drittplatzierten DeepSeek sank unterdessen wieder leicht auf 3,7 Prozent.

OpenAI findet keine passende Antwort auf Gemini 3

Richtig interessant wurde es dann im Schlussmonat und zum Jahreswechsel. Nachdem Google die dritte Generation vorgestellt und dafür viel positives Feedback erhalten hatte, kletterte der Marktanteil von Gemini auf 18,2 Prozent. Der Zugewinn entsprach dabei ziemlich genau dem Verlust von ChatGPT, dessen Marktanteil auf 68 Prozent abfiel. DeepSeek konnte sich mit 3,9 Prozent auf dem dritten Platz halten. Die Gegenreaktion von OpenAI, das auf Google mit dem im Alarmmodus entwickelten GPT-5.2 antwortete, verpuffte beinahe wirkungslos. Zum Jahresanfang war ChatGPT auf 64,5 Prozent abgesackt, während Gemini es auf 21,5 Prozent brachte. Unterdessen macht sich Elon Musks Grok (3,4 Prozent auf, DeepSeek (3,7 Prozent) einzuholen.

Während Googles Gemini seinen Marktanteil also im vergangenen Jahr beinahe vervierfachen konnte, verlor ChatGPT beinahe ein Drittel, ist aber weiterhin Marktführer. Einige Experten wie etwa Netskope rechnen jedoch damit, dass Gemini den Platzhirsch schon in diesem Jahr überholen könnte. Auch wenn diese Zahlen die Tendenzen aufzeigen, darf dabei nicht vernachlässigt werden, dass sie lediglich auf der direkten Nutzung der Chatbots über die von Similarweb getrackten Portale der Anbieter basieren. Hier ist chatgpt.com nicht umsonst eine der fünf meistbesuchten Webseiten weltweit. Weitere Nutzungspfade, wie etwa die Integration von Gemini auf Google-Geräten, werden damit nicht erfasst. Dieser Umstand erklärt auch, warum Microsofts Copilot in dieser Statistik mit nur etwa einem Prozent Marktanteil nahezu keine Rolle spielt, obwohl er gerade in Unternehmen oft eines der ersten KI-Tools ist, das eingeführt wird.

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