Bitdefender zu Fake-Shops: Eine Hydra im E-Commerce
Samsung-Galaxy-26-Ultra für 249 Euro? Die beliebtesten Marken und bekanntesten Händler sind Hackern gerade recht. Professionelle Werbung, rotierende Domänen und Unicode-Tarnung gehören zum Handwerkszeug der Fake-Shop-Netzwerke. Ein Angebot überrascht dann doch.
Kriminelle Akteure im Internet gibt es, seit es E-Commerce gibt. So einfach jeder eine Internetseite per KI erstellen kann, so rasant vermehren sich Fake-Shops. Fast 90.000 kennt der Fakeshopfinder der deutschen Verbraucherzentralen, täglich kommen rund 2.000 neue dazu. Es ist ein Kampf gegen eine Hydra: Schlägt man einen Kopf ab, wächst ein Dutzend nach, weil die Domänen rotieren oder bereits erkannte Betrugsseiten auf andere weitergeleitet werden.
Security-Experten von Bitdefender erkennen ein Muster. Drei Monate haben sie sich das Treiben der Plagiat-Shops angeschaut und rund 50 Fake-E-Commerce-Shops genauer analysiert. Fazit: Hacker attackierten Käufer in zwölf Ländern über sechs verschiedene Kanäle, vermeintlich im Namen von über fünfzehn Marken. Zu den prominentesten Anbietern, in deren Namen die Cyberkriminellen auftraten: Samsung, Nike, Adidas, Zara, H&M, Amazon, Lidl und Shein.
Im Angebot fanden sich allzu attraktive Angebote: Samsung Galaxy 26 Ultra zum Preis von 249 Euro bei Netto (statt rund 1.499 Euro) und Teufel-Ultima-40-Stereo-Lautsprecher für ganze 108 Euro bei Lidl. Und weil im Untersuchungszeitraum März bis Mai noch die Hoffnung bestand, dass unsere DFB-Fußballer bei der Weltmeisterschaft ganz weit kommen, wurden in den Fake-Shops auch Fußball-Trikots der deutschen Fußballnationalmannschaft angeboten, die jetzt verramscht werden.
Rotierende oder - Unicode-ähnliche Domänen
Die Betreiber von Fake-Shops nutzen laut Bitdefender ihre Infrastruktur mehrfach für den Auftritt mit verschiedenen Marken und in verschiedenen Ländern. Dabei rotierten sie Internet-Domänen oder nutzten Unicode-ähnliche Domänen, um sich besser zu tarnen. In Unicode-Domänen werden Sonderzeichen, Umlaute und fremde Schriftsprachen in Webadressen eingebaut. Sie stellen ein Sicherheitsrisiko dar. So zum Beispiel: adidaš[.]com, nīke[.]com oder roléx[.]com.
Multi-Channel samt Telefonanruf
Cyberkriminelle beschränken sich nicht mehr länger nur auf isolierte betrügerische Webauftritte. Die Bitdefender-Fahner trafen die Kriminellen, die im Namen renommierter Unternehmen auftreten, in sozialen Medien, WhatsApp, per Mail oder SMS. Besonders gezielt seien die WhatsApp-Nachrichten eines Betreibers in China gewesen, so Bitdefender. Der Betreiber lockte Nutzer in Europa mit Passwort-gesicherten Katalogen und einem Versand nach Deutschland. Bisweilen griffen die Plagiatoren sogar zum Telefon und riefen an.
Fake-Shop ist zu einer veritablen Industrie geworden, arbeitsteilig und hoch professionalisiert. Akteure betreiben ihre E-Commerce-Shops koordiniert und international, verfügen über Werbebudgets, lokalisieren ihre Kampagnen und nutzen eine Infrastruktur, die sie vor Entdeckung schützt.
"Homborg Online Handel" – ein Untoter
Eine sehr aggressive Hydra treibt nach wie vor munter ihr Unwesen: das Fake-Shop-Netzwerk "Homborg Online Handel", vor dem schon vergangenes Jahr Verbraucherschützer gewarnt hatten. Sobald eine Abwehrlösung eine cyberkriminelle Domäne blockierte, rotierten die Hacker die Domäne. So wird der URL-Schutz in den entsprechenden Security-Suiten ausgehebelt.
Zudem warnt Bitdefender vor dem Zahlungsvorgang auf Fake-Shop-Seiten: Auch wenn zunächst verschiedene Zahlungsmöglichkeiten wie Paypal oder Kreditkarte angeboten werden, akzeptieren die Hacker im Checkout dann nur noch eine SEPA-Überweisung. Durch die eingeschränkten Möglichkeiten bei einer Überweisung haben die Opfer große Probleme, einmal überwiesene Beträge zurückzuerhalten.
Was tun gegen immer aggressivere Fake-Shops? Eigentlich hilft nur ein nichttechnisches Mittel: der gesunde Menschenverstand, der einem sagt: im Handel trifft man auf keinen altruistischen Händler, weil niemand etwas zu verschenken hat. Regiert die Gier, und sie führt bei vielen Menschen zu reflexartiger Aktion, dann klickt man eben auf die Anzeige von Netto, die für das Flaggschiff-Smartphone von Samsung mit einem unglaublichen Rabatt von mehr als 80 Prozent lockt. Die Anzeigen wurden auf Facebook über 100.000-mal ausgespielt, zählte Bitdefender.
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