Axians-Mutter Vinci greift nach All for One

Vinci Energies hat ein öffentliches Übernahmeangebot für den SAP-Spezialisten All for One abgegeben. Die von der Axians-Mutter dafür gebotenen 67,50 Euro pro Aktie haben bereits die Zustimmung der Hauptaktionäre sowie des Aufsichtsrats und Vorstands gefunden und für eine Verdopplung des Aktienkurses des IT-Dienstleisters gesorgt.

"Wir danken dem Aufsichtsrat und den Hauptaktionären für die langjährige, äußerst vertrauensvolle Zusammenarbeit und ihre wertvolle Unterstützung auf unserem Weg zum erfolgreichen SAP Full Service-Provider. Unser besonderer Dank gilt unseren Mitarbeitenden, die die Entwicklung und den Erfolg von All for One mit großem Engagement maßgeblich geprägt haben." Michael Zitz, CEO von All for One Group (Foto: All for One)

Im europäischen IT-Dienstleistungsbereich bahnt sich eine Mega-Übernahme an: Vinci Energies hat ein öffentliche Kaufangebot für All for One abgegeben. Dieses sieht einen Preis von 67,50 Euro je Aktie in bar vor und liegt damit 104,9 Prozent über dem volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate sowie 95,5 Prozent über dem letzten Xetra-Schlusskurs vor der Veröffentlichung. Infolge des Angebots ist der Kurs von All for One an der Frankfurter Börse umgehend auf knapp unter den anvisierten Übernahmepreis gestiegen und hat sich damit verdoppelt. Der Kurs des an der Pariser Börse gelisteten französischen Vinci-Konzerns hat nach der Abgabe des Angebots hingegen leicht nachgegeben.

Durch den Zukauf würde Vinci seine starke Position im europäischen IT-Markt weiter ausbauen und das Portfolio der unter der Marke Axians gebündelten Aktivitäten in diesem Bereich sinnvoll ergänzen. Vor allem dank des starken Wachstums im Rechenzentrums- und Dienstleistungssektor konnte Axians seinen Umsatz im vergangenen Jahr auf 3,8 Milliarden Euro hochschrauben. Der Großteil davon kam mit 2,7 Milliarden Euro aus dem Geschäftsbereich Digitale Infrastruktur, zu dem neben Cloud, Rechenzentren und Unternehmensnetzwerken auch Telekommunikation und Glasfasernetze gehören. Noch etwas stärker legten die digitalen Infrastrukturdienstleistungen rund um Unternehmensanwendungen, Cybersecurity, Datenanalyse und digitale Arbeitsplatz-Sevices zu, die Axians 1,1 Milliarden Euro Umsatz einbrachten. Derzeit beschäftigt Axians rund 18.300 Mitarbeitende.

Die im deutschen Mittelstand stark präsente und vor allem für ihre SAP-Kapazitäten bekannte All for One könnte das um ein Geschäftsmodell mit hohen wiederkehrenden Umsätzen rund um Integration, Wartung und Betrieb von Geschäftsapplikationen erweitern. Sie erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro, mit einem erheblichen Anteil an wiederkehrenden Umsätzen, die vor allem aus mehrjährigen Serviceverträge für kritische IT-Prozesse ihrer mehr als 4.500 Kunden Kunden stammen. Mit ihren über 3.000 Mitarbeitenden ist die All for One außerdem in Österreich, der Schweiz und Polen präsent.

Ziel: End-to-End Portfolio für Infrastruktur und Services

Durch die Zusammenführung will Vinci ein komplementäres End-to-End-Portfolio schaffen, das Axians Infrastruktur-Knowhow mit den Fähigkeiten der All for One in Geschäfts-, Cloud- und KI-Transformation sowie SAP zusammenführt und damit beiden Dienstleistern weiteres Wachstums- und Wertschöpfungspotenzial zur umfassenden Versorgung ihrer Kunden und ihrer Unterstützung bei den laufenden Transformationsprozessen bietet. In der weiteren Wertschöpfungskette sind viele der Kunden aus der Industrie zudem auch beim Mutterkonzern Vinci verankert.

"Mit dem Übernahmeangebot beginnt für All for One ein neues Kapitel", konstatiert Michael Zitz, CEO von All for One und dankt dem Aufsichtsrat und den Hauptaktionären für die langjährige, "äußerst vertrauensvolle Zusammenarbeit", sowie den Mitarbeitern, denen er einen wichtigen Beitrag zum Aufstieg des Hauses "zum erfolgreichen SAP Full Service-Provider" zurechnet. "All for One ist hervorragend aufgestellt: Unsere Internationalisierungsstrategie schreitet erfolgreich voran und unsere starke Kundenbasis eröffnet langfristige Wachstumspotenziale für Beratungs-, Service- und AI-Geschäft entlang des gesamten Kunden-Lebenszyklus", ist Zitz überzeugt. "Aufbauend auf dieser starken Position bietet die geplante Akquisition aus meiner Sicht erhebliche Chancen und klare Vorteile für All for One und Axians. Gemeinsam haben wir die großartige Perspektive, zum führenden Partner für End-to-End Transformationen in Europa zu werden!"

Wo All for One seinen Platz in der neuen Gruppe finden soll und was das für den deutschen Standort und die Mitarbeiter bedeutet, lesen Sie auf der nächsten Seite.

All for One soll (vorerst) unabhängig bleiben

(Foto: Vinci)

Eine zwischen den beiden Unternehmen geschlossene Zusammenschlussvereinbarung (Business Combination Agreement) regelt einige wichtige Details und Bedingungen für den Fall einer erfolgreichen Übernahme. Sie sichert All for One unter anderem die Wahrung der Eigenständigkeit innerhalb der Vinci-Gruppe mit dem Ausschluss eines Beherrschungs- und/oder Gewinnabführungsvertrags bis zum 1. Januar 2029 zu. Zudem soll mindestens ein unabhängiges Mitglied im Aufsichtsrat verbleiben, solange es noch Aktien im Besitz Dritter gibt. Außerdem sind darin auch der Fortbestand des All-for-One-Standorts Filderstadt sowie Zusicherungen zum Erhalt der Beschäftigten geregelt.

Neben den üblichen Bedingungen wie der Zustimmung der zuständigen Behörden behält sich Vinci für das Übernahmeangebot eine Mindestannahmeschwelle von 75 Prozent plus einer Aktie der gesamten All-for-One-Papiere vor. Einen maßgeblichen Teil davon werden die Hauptaktionäre liefern, die insgesamt 54,7 Prozent des Grundkapitals stellen und bereits zugestimmt haben, dem Angebot bei Erfüllung aller Bedingungen zu folgen.

Das Angebot steht unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmeschwelle von 75 % plus einer Aktie aller ausstehenden All for One-Aktien sowie der Erfüllung der üblichen Vollzugsbedingungen, einschließlich der erforderlichen fusionskontrollrechtlichen Freigaben. Auch der Aufsichtsrat und Vorstand des IT-Dienstleisters unterstützen das Angebot und beabsichtigen den Aktionären, vorbehaltlich ihrer Prüfung der Angebotsunterlage nach deren Veröffentlichung, die Annahme des Angebots zu empfehlen.

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