Anthropic plant offenbar Börsengang noch im November
Es könnte der größte Börsengang der Wirtschaftsgeschichte werden. Investoren taxierten den Wert des KI-Unternehmens Anthropic auf bis zu 2 Billionen US-Dollar. Eine bedeutende Rolle für Anthropic spielt Chiphersteller Broadcom und VMware.
Laut diversen US-Medien könnte der Börsengang von Anthropic noch in diesem Monat über die Bühne gehen. Insidern zufolge wolle das KI-Unternehmen ab dem 9. November formell bei Investoren für die Aktien werben. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Dem Magazin Smartbroker zufolge strebe Anthropic eine Notierung an der US-Technologiebörse Nasdaq noch vor dem US-Feiertag Thanksgiving am 26. November an.
Potenzielle Investoren halten laut Bloomberg 1,8 bis 2 Billionen US-Dollar für angemessen. Damit wäre Anthropic der größte Börsengang der Finanzgeschichte, noch vor dem Raumfahrtunternehmen SpaceX, das im Juni mit einem Wert von 1,75 Billionen Dollar den bisherigen IPO-Rekord hält. Bei der Finanzierungsrunde im Mai lag die Bewertung von Anthropic bei 965 Mrd. Dollar.
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Der enormen Bewertung von Anthropic stehen hohe Verluste gegenüber. Im 261-seitigen Börsenprospekt steht für 2025 einen Nettoverlust von rund 42 Mrd. Dollar, bei einem Umsatz von 4,6 Mrd. Dollar. Die Wachstumsraten von Anthropic gehören allerdings zu den schnellsten in der gesamten Technologiegeschichte. Analysten rechnen mit einem Umsatz in 2026 von 100 bis 120 Mrd. Dollar.
Bindende Aufträge in Höhe von 518 Mrd. Dollar vergeben
Anthropics Erfolg steht und fällt mit der enormen Datacenter-Kapazität, die das KI-Unternehmen in Zukunft sicherstellen muss, um sein rasantes Wachstum aufrecht zu erhalten. Das Unternehmen hat sich an Aufträge für Cloud-Dienste, Chips, Rechenzentren und Infrastruktur in Höhe von 518 Mrd. Dollar für rund 10 Jahre gebunden. Laut Smartbroker 161 Mrd. Dollar bei Broadcom, 111 Mrd. bei Alphabet (Google), 110 Mrd. bei Amazon, 84 Mrd. bei der SpaceX-Tochter xAI sowie 31 Mrd. bei Microsoft und 20 Mrd. bei AMD.
Rund 80 Prozent der Gesamtsumme sei "nicht kündbar oder werden fällig, egal ob Anthropic die Kapazität nutzt", schreibt Smartbroker. Nur die Vereinbarung mit xAI lasse sich größtenteils mit 90 Tagen Frist beenden, so das Magazin.
Broadcoms herausragende Stellung
Während Anthropic seinen spektakulären Börsengang ins Visier nimmt, hatte Broadcom angekündigt, dem Unternehmen bis zu 42 Mrd. Dollar zur Finanzierung seiner Infrastrukturausgaben zur Verfügung zu stellen. Damit erhalten Broadcom und VMware eine bedeutende Rolle in der künftigen Infrastruktur von Anthropic.
Broadcoms Finanzierungszusage über 42 Mrd. Dollar ist von großer Bedeutung, weil Anthropic im kommenden Jahr zum größten Chipkunden von Broadcom werden dürfte. Broadcom erwartet, dass sein Umsatz mit KI-Halbleitern im Geschäftsjahr 2027 rund 115 Mrd. Dollar erreicht und im Geschäftsjahr 2028 auf 230 Mrd. Dollar steigen könnte.
Im April weitete Anthropic seine Partnerschaft mit Broadcom und Google aus, um ab 2027 Zugang zu mehreren Gigawatt TPU-Rechenkapazität zu erhalten. "Anthropic wird ab 2027 über Broadcom auf rund 3,5 Gigawatt der von Anthropic zugesagten, mehrere Gigawatt umfassenden KI-Rechenkapazität auf Basis von TPUs der nächsten Generation zugreifen", teilte Broadcom im April mit.
Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur in den USA
Die Rechenzentrumskapazität in den USA wird sich nach Angaben der Synergy Research Group in den kommenden drei Jahren verdoppeln. Allein in den Vereinigten Staaten befinden sich bereits mehr als 700 Rechenzentren in Planung.
"Die USA werden weiterhin mehr als die Hälfte der weltweiten Rechenzentrumskapazität stellen. Die gesamte Kapazität der USA wird sich in den kommenden drei Jahren verdoppeln", sagte John Dinsdale, Chief Analyst und Managing Director bei der Synergy Research Group, kürzlich in einer E-Mail an CRN.
Daten der Synergy Research Group zeigen, dass die mehr als 700 geplanten Rechenzentrumsanlagen in den USA in den kommenden Jahren 45 Gigawatt neue Kapazität bereitstellen werden.
80 Seiten Risiko-Bericht
Von den 261 Seiten des Prospekts entfallen laut Reuters rund 80 auf Risiken und nur 48 auf das Geschäftsmodell von Anthropic. Unternehmensgründer Dario Amodei hatte vor Wochen vor katastrophale oder existenzielle Risiken für die Menschheit" gewarnt, sollte die KI-Entwicklung in diesem Tempo weitergehen wie zuletzt. Die Folgen einer unkontrollierbaren Technologie könnten verheerende Auswirkungen haben, so Amodei. Er sowie Open-Ai-Gründer Sam Altman und Elon Musk forderten ein Innehalten der Entwicklung sowie gesetzliche Rahmenbedingungen. US-Präsident Donald Trump lehnte dies für die USA ab.
In Anthropics Börsenprospekte steht, dass die eigenen KI-Modelle sich einer Abschaltung widersetzen, Informationen verbergen oder ein anderes unerwünschtes Verhalten zeigen könnten.
Mit Material unserer US-Schwesterzeitschrift crn.com.
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