Amazon investiert 16 Milliarden Euro in Deutschland
Auf dem "Invest in Germany Summit" der Bundesregierung hat Amazon angekündigt, im nächsten Jahr mehr als 16 Milliarden Euro in Deutschland zu investieren. Neben den fast 5 Milliarden Euro für den Ausbau der AWS Europa Region in Frankfurt soll das Geld auch in den Ausbau des Starlink-Konkurrenten "Leo" sowie Logistikprojekte, Videoproduktionen und Forschung fließen.
In den letzten 15 Jahren hat Amazon nach eigenem Bekunden mehr als 100 Milliarden Euro in Deutschland investiert, rund 15 Milliarden davon flossen allein im vergangenen Jahr. Jetzt will der Konzern noch einmal nachlegen und diesen Rekordwert im nächsten Jahr um eine weitere Milliarde aufstocken, sodass 2027 insgesamt 16 Milliarden Euro nach Deutschland fließen sollen. Das hat der Konzern jetzt beim "Invest in Germany Summit" angekündigt, der von der Bundesregierung in Berlin veranstaltet wurde.
Rechenzentren für Cloud und KI
Rund ein Drittel der gigantischen Summe ist für den Ausbau der digitalen Infrastruktur und Rechenzentrumskapazitäten für Cloud und KI geplant. 4,8 Milliarden Euro steckt das Unternehmen allein in den Ausbau des in Frankfurt beheimateten Teils seiner AWS-Region Europa, um diese auf das erwartete starke Wachstum der Nachfrage vorzubereiten. Seit 2014 hat Amazon dort bereits mehr als 18 Milliarden Euro investiert, fast die Hälfte davon in den Jahren 2024 bis 2026. Weitere Mittel fließen auch in die AWS European Sovereign Cloud in Brandenburg, für die bis 2040 insgesamt 7,8 Milliarden Euro vorgesehen sind. Die laut Amazon logisch von den anderen AWS-Regionen getrennte und ausschließlich von in der EU ansässigen Personen betriebene Cloud soll hiesigen Kunden eine sichere und unterbrechungsfreie Nutzung ermöglichen.
Amazons Chief Global Affairs and Legal Officer, David Zapolsky, bezeichnete Deutschland auf dem Gipfel als einen "der attraktivsten Investitionsstandorte Europas" und erklärte: "Wir wollen Unternehmen, Kommunen und Kreativen in Deutschland die Infrastruktur und Werkzeuge an die Hand geben, die sie benötigen, um wettbewerbsfähig zu sein und zu wachsen." Wirtschaftsministerin Katherina Reiche versteht Amazons Ankündigung als "klares Vertrauensvotum für den Zukunftsstandort Deutschland" und unterstrich die Bedeutung der digitalen Infrastruktur für die Zukunft des Landes und seiner Wirtschaft. "Leistungsfähige Rechenzentren sind das Fundament der digitalen Wirtschaft", so Reiche. "Mit dem Datenschatz unserer Industrie haben wir zugleich das Potenzial, bei industrieller KI weltweit führend zu werden."
Wie Amazon betont, sind auch die neuen Rechenzentrumsprojekte dem Ziel verpflichtet, bis 2040 Netto-Null-Kohlenstoff und eine deutliche Reduktion des Wasserverbrauchs zu erreichen. In Deutschland setzt der Konzern dazu insbesondere auf das Konzept des "Free Air Cooling", bei dem die Rechenzentren so ausgelegt werden, dass sie die meiste Zeit kein Wasser zur Kühlung benötigen. Sollte an besonders heißen Tagen doch die Verdunstungskühlung benötigt werden, soll diese aus gesammeltem Regenwasser gespeist werden. Mit solchen Maßnahmen will es Amazon schaffen, bis 2030 wasserpositiv zu werden, also mehr Wasser an die Gemeinden zurückzugeben, als im direkten Betrieb der Rechenzentren verbraucht wird. Nach eigenen Angaben hat der Konzern bereits 75 Prozent zum Erreichen dieses Ziels geschafft.
Mehr Geld für effizientere Logistik
Neben den AWS-Rechenzentren wird aber auch die Infrastruktur der Handelssparte weiter ausgebaut. In den letzten Monaten hat Amazon dazu bereits fünf neue Verteilzentren in Salzgitter, Ettenheim, Cottbus, Kassel und Dahlewitz eröffnet. Dazu kommen zwei neue Logistikzentren in Zweibrücken (bereits eröffnet) und in Könnern (in Entstehung).
Dazu kommen Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen an bestehenden Standorten. Hier sollen Investitionen in Bereichen wie Robotik dafür sorgen, dass die Mitarbeitenden entlastet und zugleich der Service für die Kunden verbessert wird. Im nächsten Jahr sollen entsprechende Maßnahmen in Bad Hersfeld, Dortmund und Werne abgeschlossen werden, während die Modernisierungsarbeiten in Koblenz, Pforzheim und Rheinberg bis 2028 weiterlaufen. Amazon zufolge entstehen im Rahmen der Logistikprojekte mehr als 3.000 neue Arbeitsplätze, von denen die meisten auch Interessenten ohne Vorqualifikation offenstehen.
Amazon bucht 24 europäische Raketenstarts für seinen Starlink-Konkurrenten
Beträchtliche Summen steckt Amazon zudem in sein Satellitennetzwerk Leo. Die in niedriger Umlaufbahn kreisenden Satelliten sollen Haushalten, Schulen, Krankenhäusern, Unternehmen und Behörden einen schnellen und zuverlässigen Internetzugang ermöglichen, der auch in nicht oder wenig erschlossenen Regionen sowie in Edge-Umgebungen genutzt werden kann.
Um den Konkurrenten für Elon Musks Starlink ins All zu bringen, ohne das Geld an SpaceX überweisen zu müssen, hat sich Amazon 24 Raketenstarts beim europäischen Anbieter Arianespace reserviert. Deutschland, das mehrere Standorte der ArianeGroup sowie wichtiger Zulieferer wie der MT Aerospace beheimatet, soll davon besonders stark profitieren. Nach den Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts Oxford Economics ist hier der zweitgrößte Effekt der Leo-Investitionen in Europa zu erwarten.
Ein weiteres Projekt, das Amazon im kommenden Jahr mit seinen Investitionen in Deutschland umsetzen will, ist ein weiteres Forschungslabor für Robotik und künstliche Intelligenz in Berlin. Dort soll vor allem die intelligente Zusammenarbeit von Mensch und Technik weiterentwickelt werden, um Bestell-, Liefer- und Service-Prozesse schneller und sicherer machen zu können. Dafür stellt Amazon vorwiegend hochspezialisiertes Personal wie Wissenschaftler, Hardware-, Software- und Systemingenieure im Bereich Robotik ein.
"Wir haben in Deutschland bereits mehr als 40.000 unbefristete Arbeitsplätze geschaffen, mehr als 100 Standorte aufgebaut und über 100 Milliarden Euro investiert – und wir haben noch viel vor", fasste Deutschland-Chef Rocco Bräuniger zusammen. "Unsere Kundinnen und Kunden erwarten, dass wir weiterhin Innovationen vorantreiben, und genau das werden wir tun: mit noch schnellerer Logistik, modernster KI, schnellem Satelliteninternet und deutschen Prime Video Produktionen für Zuschauerinnen und Zuschauer auf der ganzen Welt."
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