21 Mio. Windows 10-PCs: "Deutschland tut sich mit Veränderungen schwer"
12 Jahre nach dem Ende von Windows XP gibt es noch Hunderttausende Freunde eines digitalen Artenschutzes – mehr als Liebhaber von Oldtimern. 21 Mio. alte Windows 10-Rechner warten auf Migration. Warum Deutsche laut Eset lieber den "Ritt auf der Rasierklinge" riskieren und Windows 10 und älteren Versionen des Microsoft-Betriebssystems die Treue halten.
Noch ein Gefahrenhinweis für zunehmendes Risiko einer Cyberattacken und drohende Geschäftsführerhaftung, noch eine Cash-Back-Promo über mehrere Hundert Euro: Geht doch! Der Daueralarm seit dem Support-Ende von Microsoft Windows 10 Oktober vergangenen Jahres hatte die Hardware-Neuverläufe aller PC-Hersteller vor allem seit dem Sommer 2025 dann doch noch kräftig angeschoben. Der Migrationsboom wird noch Monate anhalten, Branchenexperten zufolge bis Mitte diesen Jahren. Dann dürfte die Umstiegswelle auf Windows 11, oft mit neuer Hardware und idealerweise gleich ein KI-PC, ihren Scheitelpunkt erreicht haben. Auf dem deutschen Markt sieht es laut dem IT-Sicherheitsunternehmen Eset aktuell so aus: Das aktuelle Betriebssystem von Microsoft findet sich laut dem IT-Sicherheitsunternehmen Eset auf rund 49,5 Prozent (21,5 Millionen) der Desktop-PCs und Notebooks - ein Anstieg von rund 3,6 Millionen zum August 2025.
Unternehmen und ihre Nutzer in anderen Ländern sind im Schnitt viel früher von Windows 10 auf Version 11 umgestiegen, weltweit ist bereits eine Mehrheit der Computer umgestellt. Deutschland hinkt also hinterher, stellt Eset fest. Oder Unternehmen hierzulande beißen freiwillig in den sauren Apfel. Sprich: Sie setzen weiter Windows 10-Rechner ein, erkaufen sich den verlängerten IT-Sicherheitsschutz, den Microsoft kostenpflichtig anbietet (ESU: Extended Security Updates).
Dass Windows Arbeitsplatz-PCs, bei denen Microsoft nicht mehr Updates für das Schließen von Sicherheitslücken ausrollt, ein hohes Sicherheits- und damit auch Haftungsrisiko darstellen, müsste jedem IT-Veranwortlichen und jedem Geschäftsführer klar sein. Eigentlich.
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"Wer den Wechsel weiter hinauszögert oder nicht in den erweiterten Support wechselt, betreibt einen Ritt auf der Rasierklinge", warnt Alexander Opel, IT-Sicherheitsexperte bei Eset. Verpuffen solche Warnungen mit jedem neuen Cyber-Alarm? Prallen sie ab, weil eine digitale Erschöpfung eingetreten ist? Vielleicht sogar eine Resignation angesichts eines Katz-und-Maus-Spiels beim KI-Einsatz durch Angreifer und Angegriffene? Alexander Opel sieht noch einen anderen Grund. "Deutschland tut sich mit Veränderungen schwer - auch beim Wechsel des Betriebssystems", beobachtet er.
Ob nun dem Deutschen das Festhalten am Gewohnten stärker im Kopf sitzt als einem Schweizer oder Italiener: Fatal wäre eine solche Haltung im Hinblick auf den digitalen Arbeitsplatz auf jeden Fall, wie Alexander Opel anhand einer weiteren Statistik darlegt.
Wachsende Zahl an Sicherheitslücken
Denn die Zahl der Sicherheitslücken bei Software steigt und mit ihr die wachsende Zahl ungepatchter Schwachstellen, die Angreifern neue Einfallstore öffnen. Hinzu komme laut Exet-Manager Opel, dass bei nicht mehr unterstützter Software wie veralteten Windows-Betriebssystemen die Dokumentation von Sicherheitslücken nicht mehr gewährleistet ist. Allein im Zeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 seien im Schnitt rund 119 neue Schwachstellen pro Tag registriert - etwa 24 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und fast doppelt so viele wie noch 2022, stellt er fest.
Fazit: Veraltete Systeme sind im Unternehmensbereich ein großes Risiko und im Fokus von Cyberkriminellen. 60 Prozent aller Cybervorfälle, so Eset, gehen auf ungepatchte Schwachstellen zurück. Dies könne auch zu Kompatibilitätsproblemen mit aktueller Soft- und Hardware führen. Kommt es zu einem Vorfall, riskieren Unternehmen auch rechtliche Konsequenzen, da zum Beispiel gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen wird, warnt Eset.
PCs schlagen Oldtimer
Apropos Festhalten am Gewohnten. In Deutschland gibt es fast 50 Mio. zugelassene Autos, davon knapp über 700.000 PKK, die älter als 30 Jahre sind und damit zu Oldtimern zählen. Vor diesen Liebhabern historischer Fahrzeuge muss der sich konservative PC-Nutzer nicht verstecken. Laut Eset gibt es in Deutschland 175.000 Windows 8.1-Rechner, 45.000 Windows 8-, 565.000 Rechner des sehr beliebten Windows 7 und sogar noch 55.000 Windows XP-Clients.
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