Lidl-Tochter Schwarz Digits baut gewaltiges Rechenzentrum für Europas digitale Souveränität

In Brandenburg entsteht ein KI-Rechenzentrum der Superlative. Es ist mit 11 Mrd. Euro das größte Investment von Schwarz Digits und übertrifft mit vorerst 200 Megawatt und bis zu 100.000 GPUs das von Telekom und Nvidia geplante Datacenter in München um den Faktor 10. Schwarz Digits will erster europäischer Hyperscaler werden.

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Im Brandenburgischen Lübbenau investiert Schwarz Digits die Rekordsumme von 11 Mrd. Euro in ein hochmodernes KI-Rechenzentrum (Foto: Schwarz Digits)

Auf dem Gipfel für europäische digitale Souveränität am heutigen Dienstag im EUREF-Campus Berlin werden Funktionäre vom Bitkom, dem französischen IT-Verband Numeum und Politprominenz sehr viel über Europas Abhängigkeit von nicht-europäischen Cloud- und Technologieriesen reden und die Frage zu beantworten versuchen, ob für Europas der KI-Zug nicht schon abgefahren ist angesichts der Milliardeninvestitionen der US-Hyperscaler.

Nicht zufällig fand tags zuvor im Spreewald der Spartenstich für ein Rechenzentrum der Superlative statt – mit Bundes-Digitalminister Karsten Wildberger und dem Top-Management von Schwarz Digits, Bauherr eines der modernsten Rechenzentren in Europa, die diesen Termin, passend zum heutigen europäischen Cloud-Gipfel, abgesprochen hatten. Das ehrzeitige Ziel der IT-Tochter des Lidl-Konzerns: Schwarz Digits will der erste europäische Hyperscaler werden und zu AWS, Microsoft und Google Cloud aufschließen.

Die Gigafactory, die im Brandenburgischen Lübbenau auf einem 13 Hektar großen Gelände eines ehemaligen Kraftwerks entsteht, soll im ersten Bauabschnitt bis Ende 2027 mit einer Anschlussleistung von zunächst 200 Megawatt in Betrieb gehen. Wenn der zweite Bauabschnitt "Schwarz Digits Datacenter" fertig ist, können bis zu 100.000 GPUs die Workloads der Kunden bewegen. Das wären zehnmal so viele KI-Chips wie im KI-Datacenter in München, das Deutsche Telekom mit Nvidia -Chips bestückt und Anfang kommenden Jahres in Betrieb nehmen will.

Schwarz Digits investiert 11 Mrd. Euro, bekommt, anders als der von Intel ursprünglich geplante und auf Eis gelegte Bau einer Chipfabrik in Magdeburg, keine staatlichen Subventionen. Für den Cloud-Anbieter ist diese Rekordinvestition ein "zentraler Meilenstein auf dem Weg zu einer unabhängigen, sicheren und leistungsfähigen digitalen Infrastruktur in Deutschland und Europa".

Stackit, der Cloud-Anbieter unter dem Dach von Schwarz Digits, wird in Lübbenau sein fünftes Rechenzentrum betreiben. Der neue Standort verbinde digitale Transformation, technologische Souveränität und regionale Verantwortung. "Deutschland braucht Rechenpower, wenn wir in der ersten Liga bei Künstlicher Intelligenz mitspielen wollen. Denn nur mit leistungsfähigen Rechenzentren, können wir KI-Anwendungen im großen Stile einsetzen und unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken", sagt Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, beim symbolischen Spatenstich in Lübbenau. "Wir haben das Können und die Kompetenzen, Deutschlands digitale Souveränität voranzubringen."

Cybersicherheit First

Das Rechenzentrum soll nicht nur die Grundlage für eine unabhängige und leistungsfähige Cloud-Infrastruktur am Standort Deutschland werden. Mit der Stackit-Marke XM Cyber setzt der Anbieter auch auf Cybersicherheit, ohne die kein Unternehmen vertrauenswürdige KI-Projekte angeht. Partnerschaften mit Aleph Alpha im Bereich KI und Data und sicheren Kommunikation mit Wire sollen die digitale Resilienz für Unternehmen und Behörden stärken.

"Die Zunahme hybrider Bedrohungen in den letzten Jahren und einseitige digitale Abhängigkeiten sind für Unternehmen in ganz Europa ernstzunehmende Herausforderungen. Insbesondere kritische Infrastruktur gilt es deshalb zukünftig noch besser vor unerlaubten Fremdzugriffen zu schützen", sagt Christian Müller, Co-CEO von Schwarz Digits. "Es ist daher unerlässlich für uns, massiv in hochmoderne und skalierbare Rechenzentren zu investieren."

Grünes Rechenzentrum entsteht

Auch im Hinblick auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit wird Schwarz Digits Datacenter in Lübbenau eines der modernsten Infrastrukturanalgen für das KI-Zeitalter sein. Angefangen bei der Wahl des Standorts auf dem Betriebsgelände eines ehemaligen Kraftwerks, das aufwendig zurückgebaut und renaturiert wurde: 20.000 Kubikmeter Beton und Steine, 110 Tonnen Stahl und 20 Tonnen Holz seien getrennt, recycelt und als Ressourcen wiederverwendet worden. "Brownfield-Entwicklung statt Greenfield-Bau", heißt es. Das Projekt wird im Rahmen einer ganzheitlichen Kreislaufstrategie umgesetzt.

Neben einer gezielten Rückführung von Materialien und Rohstoffen in den eigenen Wirtschaftskreislauf, würden modernste, umweltschonende Verfahren im Rahmen des Rechenzentrumsbetriebs angewandt. Auf dem Campus soll eine PV-Flächen mit bis zu 520.000 kWh erneuerbare Energie erzeugen, der den Strom für den Betrieb des Datacenters liefert. Die verbauten Server sind flüssigkeitsgekühlt, die Abwärme soll an 2028 in das Fernwärmenetz des regionalen Energieversorgers Süll eingespeist werden.

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