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Experiment Home Office

17. März 2020, 11:11 Uhr   |  Christoph Dernbach, dpa

Experiment Home Office
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In der aktuellen Krisensituation ziehen viele Beschäftigte das Home Office dem Büro vor. Doch nicht alle Betriebe sind darauf eingestellt. Die Digitalbranche erhofft sich das Coronavirus als Chance, Wirtschaft und Verwaltung noch schneller zu digitalisieren und Vorurteile abzubauen.

Kein Weg zur Arbeit mit langen Staus oder überfüllten Zügen. Und Sofa oder Gartenstuhl statt Großraumbüro. Für viele Arbeitnehmer, die Angst vor einer Coronavirus-Infektion haben, erscheint das Home Office, das in diesen Tagen von unzähligen Betrieben verfügt wird, eher wie eine Belohnung als eine Strafversetzung. Die Digitalbranche hofft nun, dass in der Krise hartnäckige Vorurteile gegen das mobile Arbeiten durch die Erfahrungen in der Krise überwunden werden.

»Corona ist Chance wie Aufforderung, Wirtschaft, Verwaltung und Gesundheitswesen noch entschiedener und schneller zu digitalisieren«, sagt der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, Achim Berg. So sollten Technologien für Webkonferenzen eingeführt und Homeoffice zum Standard werden. Vor dem Ausbruch der Sars-CoV-2-Pandemie standen allerdings nicht nur viele Verantwortliche in Betrieben oder Organisationen dem Home Office skeptisch gegenüber, sondern auch etliche Beschäftigte.

Der Bitkom selbst fand Ende des vergangenen Jahres heraus, dass zwar vier von zehn Festangestellten (41 Prozent) im Home Office arbeiten dürften, die meisten dies aber dankend ablehnen. »62 Prozent der Festangestellten mit Homeoffice-Erlaubnis machen davon keinen Gebrauch, während 38 Prozent lieber in den eigenen vier Wänden arbeiten.« Die Skeptiker wünschen sich den sozialen Kontakt, manche von ihnen befürchten auch einen Karriereknick, wenn sie nicht ständig im Büro präsent sind. Nach einer aktuellen Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) lehnt auch knapp die Hälfte der Beschäftigten eine Vermischung von Arbeitszeit und Freizeit ab, was im Home Office deutlich schwerer durchzuhalten ist als im Büro.

Die aktuelle Krisensituation wischt viele dieser Bedenken nun vom Tisch - mit der Einschränkung, dass in Deutschland nur ein kleiner Bruchteil der Beschäftigten überhaupt zu Hause oder mobil arbeiten kann. In der Produktion haben einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge nur zwei Prozent der Arbeitnehmer, die nicht zu den Führungskräften gehören, Zugang zu einem Home Office. Im Bereich »Service, Verwaltung, Dienstleistungen« liegt der Anteil bei 14 Prozent. Bei Mitarbeitern aus dem Vertrieb und den Marketing-Abteilungen sind es immerhin 21 Prozent. Bei den Führungskräften liegen die Zahlen der IAB-Studie mehr als doppelt so hoch.

»Manche Firmen aus dem Produktionsbereich haben schon deshalb ihren Verwaltungsmitarbeitern keine Home Office-Option angeboten, um Neidgefühle von den Arbeitern in der Produktion zu vermeiden«, erläutert Arbeitswelt-Experte Oliver Stettes vom IW. Die aktuelle Auslagerung der Arbeit auf Heimarbeitsplätze im großen Stil sei aber vor allem ein Zwangstest für eine neue Arbeitskultur. Können Arbeitsziele auch ohne ständige Kommunikation im Büro erreicht werden? Müssen die Beschäftigten zur selben Zeit präsent sein wie sonst auch? Oder dürfen sie ihr Arbeitspensum leisten, wann immer sie wollen?

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