Schwerpunkte

Den Wert der Daten erkennen

Der steinige Weg von der Idee zur Praxis

09. Dezember 2019, 16:18 Uhr   |  Stefan Adelmann


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

Es fehlt an Know-how

Was es laut Bingmann braucht, um Big Data auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen voranzubringen, sei vor allem das entsprechende Know-how. »Wir brauchen genau wie die großen bekannten Technologieunternehmen Data-Analysten, die aus dem Datengold unternehmerische Erfolge machen können.« Aktuell würde es aber an Fachleuten sowie entsprechenden Ausbildungen und Studiengängen mangeln. Eine Lücke im Markt, aus der jedoch eine gewaltige Chance für Systemhäuser entsteht. Sie können eigene Big-Data-Bereiche aufbauen und ihre Kunden mit dem nötigen Wissen auch langfristig dabei unterstützen, die vorhandenen Daten im eigenen Unternehmen zu analysieren und nutzbar zu machen. Im deutschen Markt gibt es bereits einige erfolgreiche Player, die sich des Themas angenommen haben. So beispielsweise das Borkener Systemhaus Netgo, das, 2007 gegründet, bereits über 200 Mitarbeiter beschäftigt und vor wenigen Jahren eine eigene Big-Data- beziehungsweise Data-Science-Abteilung ins Leben gerufen hat. »Wir verbinden, aggregieren, analysieren, visualisieren und extrahieren die enthaltenden Informationen«, beschreibt Dennis Bültmann, Data Scientist bei Netgo, den eigenen Anspruch. Ein Vorzeigeprojekt des Systemhauses ist die Zusammenarbeit mit der NDM Naturwertstoffe GmbH, die sich auf die Vollaufbereitung und Hygienisierung von Gülle spezialisiert hat. Über eine komplexe Plattform analysiert das Unternehmen verschiedenste Umweltdaten und ermöglicht Einblicke in chemische und biologische Abläufe, die so zuvor nicht möglich gewesen wären. Es muss aber nicht immer gleich ein multidimensionales System sein, Bültmann rät hingegen zu kleinen Schritten in die Welt der Datenanalyse, zu punktuellen Projekten mit auf den ersten Blick erkennbaren Mehrwerten, die sich anschließend skalieren lassen.

Einen Marktvorteil erlangen
Zu oft stehe laut Schepp aber zuallererst die Anhäufung von Daten im Mittelpunkt. Aber: Nicht nur die Menge der Daten ist relevant, sondern vor allem die Qualität und die schnelle Übersetzung in die Praxis. »In vielen Projekten kann man beobachten, dass zunächst sehr viel Zeit in das Sammeln und Speichern großer Datenmengen investiert wird«, so der SAP-Sprecher gegenüber CRN. Dies sei zwar die Vorrausetzung von beispielsweise Maschinellem Lernen oder Prognosen von Kundenverhalten. »Allerdings besteht der Schlüssel einer gewinnbringenden Strategie nicht nur im Sammeln, sondern vor allem in der Aufbereitung und direkten Verwendung der Daten. Dabei bedarf es Werkzeuge zur automatisierten Integration, Sicherung der Datenqualität und Nutzung von Einsichten im Geschäftsprozess.«

Gerade in Hinblick auf die Datenschutzgrundverordnung und Compliance würden diese Punkte oft unterschätzt werden, sie seien aber immens wichtig, um eine produktive Nutzung im Unternehmen zu ermöglichen.

Es wird für Mittelständler weiterhin eine enorme Herausforderung bleiben, neben dem Tagesgeschäft den Wert der eigenen Daten zu ermitteln und eine zielgerichtete Analyse anzustoßen. Zumindest scheint die deutsche Wirtschaft dem Thema aber einen hohen Stellenwert zuzuschreiben. Laut einer Umfrage des Bitkom unter 604 Unternehmen stehen datengetriebene Projekte oftmals ganz oben auf der jeweiligen Digital-Agenda. Demnach planen 57 Prozent der Befragten den Einsatz entsprechender Lösungen oder prüfen diesen zumindest. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr. »Die Erkenntnis ist da, jetzt geht es darum, zu investieren und Tempo aufzunehmen«, so Bitkom-Präsident Achim Berg im vergangenen Jahr. »Letztendlich steckt in der Verwendung und Auswertung von großen Datenmengen die Chance, einen Marktvorteil zu erlangen«, führt Schepp weiter aus. »Wer seine Daten beherrscht, damit seine Kunden versteht oder genauere Vorhersagen treffen kann, ist seinem Wettbewerb voraus.«

Das Geschäft ist komplex, auch Systemhäuser müssen investieren, um das nötige Know-how aufzubauen. Sie können ihre Kunden mit der richtigen Strategie aber dabei unterstützen, im Wettkampf um die Daten aufzuschließen und die gewaltige Lücke schließen. Dort, zwischen den wertvollsten Unternehmen der Welt, deren Geschäftsmodelle bereits zu großen Teilen auf Daten basieren, und den kleinen und mittelständischen Unternehmen, die diesen Weg aufgrund fehlender Ressourcen noch nicht gehen konnten. Hier ist Kommunikation auf Augenhöhe gefragt und IT-Partner, die die Prozesse ihrer Kunden aus dem Effeff kennen. Nicht nur das Beispiel Netgo verdeutlicht, wie viel Potenzial für den Channel in den Daten des deutschen Mittelstandes schlummert – und wie wenig dieses bisher erschlossen wurde.

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1. Der steinige Weg von der Idee zur Praxis
2. Etwas mehr als eine Excel-Tabelle
3. Es fehlt an Know-how

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