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CRN-Interview mit Thomas Meier von HPE

»Der Speicher wird in den Mittelpunkt der Rechenarchitektur rücken«

29. Mai 2019, 07:43 Uhr   |  Daniel Dubsky

»Der Speicher wird in den Mittelpunkt der Rechenarchitektur rücken«
© HPE

Thomas Meier, Enterprise Architect and Distinguished Technologist bei HPE

Mit CRN spricht Thomas Meier, Enterprise Architect bei HPE, über die extrem wachsenden Datenmengen in einigen Branchen und wie sich diese auf den Storage-Markt auswirken. Dort boomt All-Flash, und mit 3D Xpoint und NVMe steht bereits der nächste Performance-Schub an, doch Festplatten seien längst nicht tot, sagt Meier.

CRN: Herr Meier, seit gut einem Jahr wächst der Storage-Markt wieder sehr stark. Allein an den schnell wachsenden Datenmengen in Unternehmen kann es nicht liegen – die legen schon seit Jahren zu, doch lange stagnierte der Markt oder hatte nur geringe Zuwächse zu verzeichnen. Was treibt den Markt Ihrer Einschätzung nach derzeit an?

Thomas Meier: Aus unserer Sicht wird der Markt nach wie vor von der anhaltend hohen Nachfrage nach All-Flash-Storage-Systemen angetrieben. Hinzu kommt das enorme Wachstum von semi- und unstrukturierten Daten. Insbesondere in den Bereichen KI und Analytics werden momentan die Grenzen verschoben. Bestes Beispiel hierfür ist die Automobil-Industrie mit ihrem großen Zukunftsthema »Autonomes Fahren«. Dafür braucht es sehr viel größere Data Lakes. So hat beispielsweise BMW erst vor kurzem eine Data-Driven-Development-Plattform angekündigt – eine Plattform zur Analyse von autonomen Fahrzeugdaten. Sie basiert auf einer HPE-Infrastruktur. In diesem Umfeld wachsen Data Lakes auf mehr als 200 Petabyte.

CRN: Handelt es sich nur um einen temporären Effekt, der womöglich endet, wenn die meisten alten Systeme durch neue ersetzt sind?

Meier: Auch bis zum Jahr 2020 wird sich an der hohen Nachfrage nach All Flash Storage nichts ändern. Denn hier greift der so genannte Storage-Lifecycle-Effekt: Da Flash-Lösungen 2017 noch kostenintensiver waren, haben viele Unternehmen auf Harddisc-basierte oder hybride Systeme gesetzt. Nun, da die Flash-Knappheit überwunden ist, werden viele Unternehmen nachziehen und auf neue Technologien umrüsten. Da Storage-Abschreibungen in der Regel über fünf Jahre laufen, werden wir demnach auch in den nächsten Jahren noch einen All-Flash-Boom sehen.

Zusätzlich wird das immense Datenwachstum in den kommenden Jahren auch für ein starkes Wachstum im Storage-Bereich sorgen: Das Marktforschungsunternehmen IDC prognostiziert, dass bis 2025 weltweit mehr als 150 Milliarden Geräte an digitale Netze angeschlossen sein werden. Das globale Datenaufkommen soll von 33 Zettabyte im Jahr 2018 auf 175 Zettabyte im Jahr 2025 anwachsen. Insbesondere softwaredefinierte Storage-Lösungen werden dabei immer häufiger im Fokus stehen und zusätzliche Markanteile gewinnen.

CRN: All-Flash ist das große Hype-Thema, doch es werden auch große Mengen hybrider Systeme verkauft. Selbst reine Disk-Arrays finden noch Käufer – auch wenn der Absatz stetig sinkt. In welchen Bereichen sollte man Ihrer Erfahrung nach besser auf hybride Arrays setzen als auf All-Flash?

Meier: HDDs sind nicht tot. HDD Arrays mit 3,5-Zoll-LFF-Disks werden aus unserer Sicht weiterhin als kostenoptimierte Secondary-Storage-Plattformen eingesetzt – beispielsweise für Backup und Recovery, Archiv, Disaster Recovery und in File-Service-Lösungen. Primary-Storage-Lösungen setzen natürlich ganz klar auf All-Flash-Systeme mit Storage-Class-Memory-Modulen mit Latenzen unter 0,3 Millisekunden.

CRN: Und sehen Sie Anwendungsszenarien, in denen man noch zu Disk greifen kann? Die Technik entwickelt sich ja auch in diesem Bereich weiter, sodass die Kapazitäten steigen und die Preise sinken…

Meier: Das größte HDD-Wachstum wird sich im Bereich der softwaredefinierten Secondary-Storage-Plattformen abspielen. Das Preis-Leistungsverhältnis dieser Technologie ist nach wie vor unschlagbar, daher wird dieser Trend noch weiter anhalten. Basierend auf hochverfügbarer Scale-Out-Software, kapazitäts-optimierten X86-Servern und App Stores für unterschiedliche Anwendungen wird dabei das beste Ökosystem aus Software-, Hardware- und System-Integrator-Partnern entscheidend für den Gewinn von Marktanteilen sein.

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2. »Der Preis von NVMe muss noch attraktiver werden«

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