Netzausbau in Deutschland: Die Zukunft braucht Bandbreite

All-IP schafft die Basis der Unternehmenskommunikation von morgen – aber ist die deutsche Breitbandversorgung für diese Zukunft überhaupt schon gerüstet? Ein Blick auf die Infrastruktur und den Netzausbau in Deutschland.

Digitale Kluft

In Anbetracht der zahlreichen unterversorgten Gewerbegebiete sind dies schlechte Voraussetzungen für eine schnelle und reibungslose Digitalisierung. So drohe »der Innovationsstandort Deutschland im internationalen Vergleich zurückzufallen«, erklärte Eric Schweitzer, Präsident der Industrie- und Handelskammer, gegenüber der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. Für die Betriebe sei die digitale Unterversorgung ein »Innovationshemmnis ersten Ranges«. Die Versorgungslücke müsse schnellstmöglich geschlossen werden. Denn entscheidend ist die verfügbare Bandbreite im ersten Schritt auch, um die Potenziale der All-IP-Umstellung voll ausschöpfen zu können und die Basis für digitale Arbeitskonzepte zu schaffen. Zwar benötigt ein einzelnes VoIP-Telefonat nur rund 150 kBit/s im Down- und Upstream und ist selbst über langsame Anschlüsse problemlos realisierbar. Doch bereits bei zehn parallelen Gesprächen beläuft sich die erforderte Bandbreite auf bis zu 1,5 Mbit/s – eine Datenrate, die aufgrund der zumeist asymmetrischen Bandbreiten besonders im Upstream, schnell einen Flaschenhals schaffen kann.

Noch kritischer wird es für Unternehmen, wenn sie nach dem IP-Umstieg und der Modernisierung der eigenen Infrastruktur Unified-Communications-Funktionalitäten wie beispielsweise Screen-Sharing oder Videokommunikation einsetzen möchten. Für ein entsprechendes Videotelefonat in HD-Qualität sollte eine Übertragungsrate von 1,5 Mbit/s zur Verfügung stehen. Keine Selbstverständlichkeit. Zahlreiche Hersteller und Systemhäuser haben im Gespräch mit funkschau berichtet, dass sie aufgrund schlechter Geschwindigkeiten in Vorstädten oder Gewerbegebieten ihren Kunden aktuell nochvon Videokommunikation abgeraten haben oder diese schlicht nicht umsetzen konnten.

Eine schlechte Breitbandversorung sowie ein stockender Netzausbau besonders in Gewerbegebieten könnten also nicht nur den Prozess der All-IP-Migration selbst zum Hürdenlauf machen, sondern zukünftig dafür sorgen, dass die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft massiv ausgebremst wird. Im schlimmsten Fall entsteht eine digitale Kluft zwischen Unternehmen, die in Städten angesiedelt sind, und Unternehmen im ländlichen Raum, die aktuell noch keinen Zugang zu Glasfaser-Anschlüssen haben.