IT-Vernetzungspartner der Industrie: Industrie 4.0-Weckruf ist angekommen

Für das Internet der Fabriken schlagen IT-Anbieter die so wichtige Brücke zwischen IT und der Vernetzung industrieller Komponenten. Sie treffen auf eine mittlerweile investitionsbereite Industrie-Klientel. Eine gute Ausganslage, um sich als Partner zunehmend datengetriebener Industrie-Lösungen jetzt in Stellung zu bringen.

Das neue Smart-Industrial-Solution-Team von Cancom rollt vom 13. bis 17. Mai vorerst durch Österreich.
(Foto: Cancom)

Selten hat ein Begriff eine derartige Hochkonjunktur gefeiert wie »Industrie 4.0«. Seit Ex-SAP-Chef Henning Kagermann und Co-Autoren im April 2011 in den vdi nachrichten den vom »Internet der Dinge« vorgezeichneten »Weg zur 4.industriellen Revolution« skizzierten, haben Fach- und später Publikumsmedien geradezu inflationär über den sich abzeichnenden Strukturwandel des produzierenden Gewerbes und einer neu entstehenden digitalen Arbeitswelt berichtet. »In der nächsten Dekade mit dem Internet der Dinge auf der Basis Cyber-Physischer Systeme sollte Deutschland hierbei die erste Geige spielen«, hatten die Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft die »Initiative Industrie 4.0« auf der Hannover Messe 2011 vorgestellt. Ein paar Jahre und viel Kampf und Krampf um begriffliche Deutungshoheit und technologische Standards später kann man rückblickend sagen: Der industriepolitische Weckruf ist hierzulande weitgehend angekommen.

Seit 2015 steigen die Investitionen deutscher Unternehmen in Industrie 4.0-Lösungen kontinuierlich. In die Vernetzung von Maschinen, digitale Simulationen physischer Anlagen (Digitale Zwillinge), Cloud Computing und industrielle Sicherheitssysteme investieren Unternehmen im Schnitt knapp sechs Prozent ihres Jahresumsatzes, Großunternehmen sogar 7,5 Prozent, so das Ergebnis eine aktuelle Befragung von Bitkom im Auftrag von Ernst & Young. »Die Unternehmen wissen inzwischen, dass ihnen die erfolgreiche Einführung von digitalen Lösungen einen Wettbewerbsvorteil bringen«, sagt Stefan Bley von Ernst & Young.

Auch wenn KMUs laut dieser Studie weniger Mittel für die Digitalisierung ihrer Fertigungsprozesse zur Verfügung stehen als Konzernen und sie zudem der Mangel an qualifizierten Personal härter trifft: Den Weckruf haben auch kleinere Unternehmen nicht überhört. Es sei »eher eine Frage der Möglichkeiten als des Wollens«, so Bley. Die strategische Bedeutung in die Einführung von Industrie 4.0 sei nahezu allen Unternehmen klar. Davon konnten sich auch zahlreiche IT-Unternehmen überzeugen, die sich auf der diesjährigen Hannover Messe den rund 211.000 Besuchern präsentierten.

Neue Liebe zu Hannover
Als generalistisches Schlagwort für die doch eher evolutionären Veränderungsprozesse hat sich die Bezeichnung »Industrie 4.0« weitgehend überlebt. Dafür tauchen auf Industriemessen neue, ausdifferenzierte Platzhalter auf für die Beschreibung der notwendigen Bausteine der Digitalvernetzung von Sensoren in Maschinen, Fertigung, Logistik und deren Steuerungs- und Absicherungssystemen: allen voran »Smart«- oder »Data-Driven-Factory« und immer wieder »IoT« und »Edge«.

Traditionell in der ITK-Infrastrukturbranche beheimatete Hersteller und ihre beratenden und integrierenden Systemhauspartner wollen sich einen festen Platz bei der investitionsbereiten Industrieklientel sichern. Mit Lösungen für Maschinen- und Produktionsvernetzung samt Qualitätskontrolle, industrielle IT-Sicherheit, Cloudifizierung, Datenerfassung und -analyse, bis hin zu neuen datenbasierten Servicekonzepten haben sie ihre Portfolien entsprechend erweitert. Auf der Hannover Messe trafen die meisten IT-Aussteller mit ihren Industrie-Lösungen auf reges Interesse, wie CRN berichtet wird. Was bei der traditionell konservativeren, in längeren Investitionszyklen denkenden Klientel freilich auch zählt: tiefes Branchen-Knowhow, am besten untermauert durch Referenzprojekte.

»Für die digitale Optimierung der industriellen Performance sind wir bei Axians und Actemium Deutschland gemeinsam hervorragend aufgestellt«, sagt Jacques Diaz, CEO Axians.
(Foto: CRN)

»Für die digitale Optimierung der industriellen Performance sind wir bei Axians und Actemium Deutschland gemeinsam hervorragend aufgestellt. Wir konnten in unserer Data-Driven Factory viele Kunden, Partner und Medien begrüßen«, berichtet Jacques Diaz, CEO von Axians Deutschland. Unter dem Dach des französischen Bau- und Infrastruktur-Konzerns Vinci mit seinen auf zahlreiche Branchen spezialisierten Tochterunternehmen ist sein Systemhaus prädestiniert, Industrietechnik und Digitalisierung zu verbinden und damit Brücke zwischen OT (Operational Technology) und IT zu schlagen. Kein Wunder, dass Diaz seine Liebe zu niedersächsischen Hauptstadt in diesem Jahr neu entdeckt hat. »Die Hannover Messe 2019 hat mich begeistert, sie ist spannender als die Cebit in ihren besten Zeiten«, sagt er.

Übersicht